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Rheinmünster

Hundepension am Baden-Airpark in Rheinmünster hat kaum Gäste

Die Auswirkungen von Corona treffen auch die Hundepension am Baden-Airpark. Wo sonst zeitweise mehr als 30 Hunde den Tag verbringen, herrscht derzeit Tristesse.

Hundepension Foto: Ingbert Ruschmann

Die Auswirkungen von Corona treffen auch die Hundepension am Baden-Airpark. Wo sonst zeitweise mehr als 30 Hunde den Tag verbringen und für Hochbetrieb in den liebevoll eingerichteten Zimmern und auf dem mehr als tausend Quadratmeter großen Außenbereich sorgen, herrscht derzeit eher graue Tristesse. „Uns sind die Übernachtungshunde und damit das Kerngeschäft unserer Einrichtung vollständig weggebrochen“, bilanziert Waltraud Siebeneicher, Initiatorin der Pension, mit Blick auf die Anfang November erneut in Kraft getretenen Reisebeschränkungen.

Wirtschaftlich dennoch auf gesunden Füßen

Vor dem Lockdown konnten Hundebesitzer ihre Tiere für die Dauer ihrer Urlaubs- oder Geschäftsreise in der Tierunterkunft einquartieren. Wegen der flächendeckenden Schließung von Hotels und dem damit verbundenen kompletten Ausfall von Urlaubs- und Geschäftsreisen kommen kaum noch sogenannte „Übernachtungshunde“ in die Pension.

Als wirtschaftlicher Geschäftszweig des Baden-Badener Vereins „Tiere brauchen Freunde“ steht die Pension trotz der monatelangen Flaute wirtschaftlich auf gesunden Füßen. Dank einer zuvor guten Belegung der zehn bis 37 Quadratmeter großen Räume stand bisher am Ende eines Wirtschaftsjahres stets eine „schwarze Null“ in den Büchern des Unternehmens. „Das werden wir in diesem Jahr nicht hinkriegen“, prognostiziert die Vorsitzende des Tierschutzvereins wenige Wochen vor dem Ende des Geschäftsjahres. Zu groß seien die Einnahmeausfälle bereits im Frühjahr bei der ersten Stilllegung des öffentlichen Lebens gewesen, ergänzt sie.

Die staatliche Soforthilfe nach Beginn der Corona-Krise habe zwar einige Löcher stopfen können, doch hilfreicher für die Finanzierung der vom Tierschutzverein getragenen Pension sind die Lockerungen im Steuerrecht: Gemeinnützige Vereine können bei finanziellen Lücken jetzt leichter auf bisher zweckgebundene Rücklagen zurückgreifen, außerdem können Verluste aufgrund der Corona-Pandemie im steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb oder in der Vermögensverwaltung steuerbegünstigter Körperschaften mit Mitteln aus dem steuerbegünstigten Bereich ausgeglichen werden.

Diese Rechtsänderung erlaubt es dem Verein „Tiere brauchen Freunde“ Rücklagen aus dem Vereinsvermögen zu entnehmen und zum Ausgleich des defizitären Betriebs der Hundepension am Baden-Airpark einzusetzen.

Unterbelegung seit Wochen

Aktuell halten den Betrieb in der Tierunterkunft am Vicoria Boulevard B124 eine festangestellte Fachkraft und mehrere ehrenamtliche Helfer sowie eine Absolventin eines freiwilligen ökologischen Jahres an sieben Tagen in der Woche aufrecht. Neben einem Übernachtungshund kommen täglich drei bis sechs weitere Vierbeiner als Tageshunde, die von ihren Frauchen oder Herrchen während der Arbeitszeit zur Betreuung gebracht werden. „Das ist ein bisschen wie im Kindergarten: Sie werden morgens gebracht und abends wieder abgeholt“, fast Waltraud Siebeneicher das Szenario vom Kommen und Gehen der Hunde zusammen.

Zur Hundepension gehört auch eine Auffangstation für vernachlässigte, abgemagerte, kranke oder traumatisierte aus dem Ausland oder vom Veterinäramt zugewiesene Vierbeiner. In den erst vor zwei Jahren vollumfänglich sanierten Nebenräumen der Hundepension können bis zu vier Hunde gleichzeitig untergebracht werden. Gewerkelt wurde zuletzt aber auch in der eigentlichen Hundepension.

Die seit Wochen andauernde Unterbelegung der Einrichtung haben die Vereinsverantwortlichen für Reparatur- und Sanierungsarbeiten genutzt. Die Wände erhielten durch ehrenamtliche Helfer einen neuen Anstrich, die Fußböden wurden ausgetauscht und die Abtrenngitter erneuert.

Tief beeindruckt zeigt sich Waltraud Siebeneicher von der Solidarität insbesondere ihrer Stammkunden. „Wir haben sehr hilfreiche Spenden bekommen“, erklärt sie mit Blick auf die willkommene Unterstützung zur Abfederung der durch die Einnahmeausfälle entstandenen Finanzierungslücken. Einige hätten Gebühren für gebuchte, aber nicht in Anspruch genommenen Leistungen trotzdem bezahlt, berichtet sie von berührenden Gesten ihrer Kunden, die sie auch als Wertschätzung ihrer Arbeit betrachtet. „Wir werden schon noch eine Weile überleben können“, gibt sich Waltraud Siebeneicher zuversichtlich, die aktuell schwierige Zeit schadlos überstehen zu können. Und wenn der Laden nach Corona wieder richtig laufe, würden sich die Gasthunde im Hundepark am Baden-Airpark in frisch renovierten Räumen umso wohler fühlen, schmunzelt sie.

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