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Heiligabend mit Freunden

Rolf Kubisch lebt im Bühler Obdachlosenheim ein ziemlich „normales“ Leben

Der Arbeitgeber ging in Insolvenz, die Folgen für Rolf Kubisch hießen Arbeitslosigkeit, Hartz IV - und als er die Miete nicht mehr bezahlen konnte, landete er auf der Straße. Heute führt er im Bühler Obdachlosenheim ein "ganz normales" Leben.

Der Fall in die Arbeitslosigkeit führte dazu, dass Rolf Kubisch seine Miete nicht mehr zahlen konnte und nach einer Zeit der Obdachlosigkeit ins Heim zog. Foto: Katrin König
Von Katrin König

Das Zimmer von Rolf Kubisch ist klein, aber ordentlich. An der Wand eine Deutschlandfahne, eine Jack-Daniels-Whiskey-Werbung, ein Miniaturlastwagen, ein Bild von „Bühl Baden“. In einem Regal, fein säuberlich aufgereiht, Lebensmittel und Geschirr. Die Luft ist ein wenig rauchgeschwängert, der Blick fällt auf ein Industriegebiet. Kubisch ist vor Kurzem von einer Obdachlosenunterkunft in eine andere gezogen; bisher erscheint ihm sein neues Umfeld recht ruhig.

In der obersten Etage

Dass er in seinem neuen „Zuhause“ in einen Wohnbereich in der obersten Etage kam, ist kein Zufall. „Die schweren Fälle“, sagt Edgar Jäger vom Ordnungsamt Bühl, „wohnen ganz unten“. Jäger hat – als wichtiger Ansprechpartner der Heimbewohner – das ABB-Interview vermittelt: Rolf Kubisch ist bereit, zu erzählen. Aus seinem Leben. Von Weihnachten. Und was die Festtage bis heute für ihn bedeuten.

„Ich bin ein Bühler Eigengewächs, mich kennt hier jeder“, sagt Kubisch. Deshalb sei es für ihn okay, mit Namen und Bild in der Presse zu erscheinen. Verstecken muss er sich nicht, das ist seine Botschaft. Denn, wie bereits angedeutet: Kubisch hat ein vergleichsweise „normales“ Leben geführt und führt es noch.

Nach dem Hauptschulabschluss, sagt er, habe er eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker absolviert und in diesem Beruf auch lange gearbeitet. Er heiratete, bekam drei Kinder. Später war er als Baggerfahrer tätig. „Bei einer Firma bin ich geflogen, weil ich mich mit dem Chef angelegt habe, bei anderen war ich mehrere Jahre, leider landeten alle in der Insolvenz.“

Kein Geld mehr für die Miete

Der Fall in die Arbeitslosigkeit bedeutete Hartz IV; Kubisch, inzwischen geschieden, war nicht mehr in der Lage, die Miete für seine Wohnung zu bezahlen. „Eine Weile lebte ich in der Schrebergartensiedlung am Jägerkreisel in einer Hütte. Die wurde abgefackelt, daraufhin war ich erst einmal auf der Straße. Ich kannte Stellen, wo man auch bei Kälte überwintern kann. Aber die verrate ich niemandem!“ Schließlich zog er in ein Heim.

„Eigentlich müsste ich inzwischen Rente bekommen“, sagt er in dem Kontext unvermittelt, und Jäger erklärt ihm – sichtlich verwundert –, dass er den Rentenbescheid erst einmal beantragen muss. Solche „kleinen“ Versäumnisse mit schwerwiegenden Folgen kennt der Ordnungsbeamte von den Bewohnern der Sozialunterkünfte.

„Wenn sie sich nicht an uns wenden, wissen wir das nicht und können auch nicht helfen.“ Er verweist Kubisch an den Sozialarbeiter, der regelmäßig ins Heim kommt. „Der Kevin“ sei beliebt hier, sagt Jäger. Er helfe auch bei behördlichen Angelegenheiten und kümmere sich um wichtige Arzttermine. Und: „Er schaut nach Zeichen der Verwahrlosung.“

Kartenspiel an Heiligabend

Bei Kubisch ist diese Aufgabe wohl überflüssig. Ob er hier, in seinem Zimmer, Weihnachten feiern wird, ist indes noch unklar: „Ich habe drei Freunde, die oft zum Kartenspielen bei mir vorbeischauen. Ich denke, wir verbringen Heiligabend zusammen, dann aber eher bei einem von ihnen, sie haben mehr Platz daheim.“ Er koche gern, „das habe ich von meiner Mutter gelernt“, ein leckeres Essen könne er also selbst zubereiten. Mit Blick auf den Alkoholkonsum hofft er, „dass es geistig normal bleibt“.

Kubisch hat nämlich schon Festtage erlebt, wo alles „im Suff“ endete, wie er einräumt. Jäger wirft ein: „Einsamkeit und Depressionen verschlimmern sich an Weihnachten. So eine Stimmung kann durch zu viel Alkohol schnell in Aggression umschlagen.“ Und Schlägereien oder Gebrüll, sagt Kubisch, wolle er auf keinen Fall, dann sei er lieber allein. „Weihnachten ist Weihnachten.“ Wenn es nach ihm geht, werden die vier Männer auch an Heiligabend Karten spielen. Und Mensch-ärgere-dich-nicht. „Und quatschen.“ Gegen „ein schönes Glas Wein dazu“ hat Kubisch auch nichts einzuwenden.

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