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Einsamkeit in der Corona-Pandemie

„Schwätzbänkle“ laden im Bühler Stadtgarten zum Gespräch

Pandemie und Lockdowns haben den Menschen zu gesetzt. Gerade Senioren leiden an der sozialen Isolation. Der persönliche Austausch bleibt auf der Strecke. Die Menschen vereinsamen. Bühl nimmt deshalb am Aktionstag gegen Einsamkeit teil, mit dem sogenannten Schwätzbänkle.

Nicht verwandt, nicht verschwägert: Markus (links) und Wolfgang Zink machen es sich auf einem der fünf Schwätzbänkle gemütlich. Das Thema: Gott und die Welt. Foto: Dominik Schneider

Die Corona-Pandemie setzt den Menschen zu. Viele Senioren waren während der Lockdowns völlig isoliert. „Ich habe mich zeitweise schon gefragt, wo und wofür soll ich meinen weiteren Lebensweg beschreiten“, sagt eine Frau. Sie will anonym bleiben. Die Einsamkeit hat ihr in der Zeit sehr zugesetzt. Die alleinstehende 67-Jährige. findet die Idee der Schwätzbänkle großartig.

Im Bühler Stadtgarten laden fünf sogenannte Schwätzbänkle zum Gespräch ein. Die Stadt beteiligt sich an diesem Sonntag am Aktionstag gegen Einsamkeit. In 20 weiteren Gemeinden im Land Baden-Württemberg gibt es diese „Schwätzbänkle“.

Die Mitglieder des Bühler Seniorenrats setzen diese Aktion um. „Es soll vor allem ein niederschwelliges Gespräch-Angebot sein“, sagt Seniorenrat-Sprecher Klaus Haßmann. Die Schirmherrschaft hat Oberbürgermeister Hubert Schnurr inne.

67-Jährige kennt in ihrem Ort niemanden

Die alleinstehende Dame, die mit drei anderen ihr unbekannten Frauen auf einer der Schwätzbänkle Platz genommen hat, ist vor Kurzem umgezogen. In ihrem Ort kennt sie also weder die Nachbarn noch sonst wen.

Normalerweise könne man so mal kurz „Hallo sagen“ oder sich im Freien kurz unterhalten. „Deshalb hat mich das Angebot der Schwätzbänkle in den Stadtgarten geführt“, erzählt sie. In ihrem neuen Ort gebe es einmal die Woche einen Seniorentreff, aber dass ist ihr zu wenig.

Isolation führt an den Rand der Depression

Da sie in ihrer neuen Umgebung fremd ist, hatte sie während des Lockdowns kaum jemanden, mit dem sie sich persönlich gesprochen hat. „Natürlich kann ich wen anrufen. Aber ich will ja auch niemanden nerven oder zur Last fallen“, erzählt die Frau.

Die Isolation und die Einsamkeit hätten sie an den Rand einer Depression geführt. „Wenn ich mich mit jemanden unterhalte, komme ich raus aus dem Trott und ich habe einen Input.“ Sie fühle sich nach einem persönlichen Gespräch viel besser.

„Ich will, dass sich mein Leben bewegt, so lange ich mich noch bewegen kann“, sagt die 67-Jährige. Sie habe schon Beschwerden in ihren Knien und eine kaputte Schulter, wer wisse schon, wie lange sie noch unterwegs sein könne. Deshalb kommt für die Seniorin auch keine Senioren-Gymnastik oder sonstige Sportangebote in Frage, bei denen sie mit anderen in Kontakt kommt. „Da kann ich einfach nicht mitmachen.“

In Bühl sind knapp 30 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt.
Julia Huber, Stadt Bühl

Das Thema Demografie spielt bei dem Thema der Schwätzbänkle ebenfalls eine Rolle. „In Bühl sind knapp 30 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt“, sagt Julia Huber, Leiterin der städtischen Abteilung Kultur – Sport – Generationenarbeit.

Vor der Pandemie hätten die Senioren beim Friseur oder bei einem Kaffee in der Stadt Kontakt mit anderen gehabt. Durch die Lockdowns ist das laut Huber alles weggefallen. Wolfgang Jokerst (Grüne), Erster Beigeordneter der Stadt, vertrat Oberbürgermeister Schnurr. Er lobte das Engagement des Seniorenrats. „Es kommt oft nicht darauf an, worüber gesprochen wird, sondern das miteinander gesprochen wird.“

Thema auf dem „Schwätzbänkle“ ist „Gott und die Welt“

Auf einer der fünf Bänke haben auch Markus und Wolfgang Zink Platz genommen. „Wir sind nicht verwandt und nicht verschwägert“, betont Wolfgang Zink. Die beiden Männer treffen sich ab und an. Auch während der Lockdowns hatten sie im Freien regelmäßig Kontakt miteinander. Die Idee der Schwätzbänkle finden beide super.

Die Zwei reden „über Gott und die Welt“. Sie tauschen sich aber auch über eine geplanten Ausflug zum Mummelsee aus. „Wolfgang ist mit dem Rollator unterwegs. Das ist im Bus alleine nicht immer so ganz einfach“, erzählt Markus Zink, der ihn begleiten will.

Der 69-Jährige hatte 2019 einen Unfall und eine mehrfache Augapfelfraktur. „Ich sehe zwar auf dem Auge, aber Autofahren kann ich nicht mehr.“ Die Einsamkeit während der Lockdowns hat auch Wolfgang Zink gespürt. Er hat dann eine Seniorenbetreuerin engagiert. So hatte er zusätzlich jemanden, mit dem er regelmäßig persönlichen Kontakt hatte.

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