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Bürgerinitiative hat lange Widerstand geleistet

Grandiose Aussicht und moderne Architektur: Sinzheimer Winzer baut ein neues Weingut

Baden ist Weinland. Trotz des Widerstands einer lokalen Bürgerinitiative erhält nun auch Mittelbaden ein spektakuläres Weingut in moderner Formensprache. Es entsteht im Sinzheimer Ortsteil Ebenung mit grandiosem Blick über Reben und Rheinebene.

So wird es aussehen: Diese Visualisierung des Entwurfs von Thomas Bechtold zeigt das neue Weingut Kopp, das im Sommer 2022 eröffnet werden soll. Foto: Visualisierung: Thomas Bechtold

Für die mittelbadische Weinszene wird es ein Hingucker. Nach mehrjährigem Streit mit den Nachbarn haben die Bauarbeiten für das neue Weingut Kopp im Sinzheimer Ortsteil Ebenung begonnen.

Die Proteste der Bürgerinitiative haben sich allerdings nicht gegen die spektakuläre Architektur des Bühler Architekten Thomas Bechtold gerichtet, sondern gegen eine größere Verkehrsbelastung für das kleine Dorf mitten in den Reben.

Moderne Weinbauarchitektur liegt im Trend, nur in Mittelbaden tut sich in dieser Hinsicht bislang wenig. Ein Meilenstein waren 1988 die Ausstellung Chateaux Bordeaux im Centre Pompidou in Paris, zu der das Buch „Chateaux Bordeaux – Baukunst und Wein 1988“ erschien, das in Medien und Öffentlichkeit auf riesiges Interesse stieß.

In den USA entdeckte man, dass ein Weingut viel mehr als Weinberg und Keller ist. Es bezieht im Hinblick auf die wachsende Bedeutung des Tourismus eine vielschichtige Bauaufgabe ein, dazu gehören ein umfangreiches Raumprogramm, Gastronomie, Verkauf und Event. Ikonen der Weinarchitektur in Kalifornien sind Clos Pegase, 1986 in postmodernen Formen gebaut, oder das minimalistische Dominus Estate (1998).

Symbolischer Spatenstich für das neue Weingut: (von links) Bauherr Johannes Kopp, Architekt Thomas Bechtold und Christian Vogt vom Bauunternehmen Eisenbiegler. Foto: Ulrich Coenen

Diese Entwicklung ist auch in Deutschland angekommen. Seit 2007 wird der Architekturpreis Wein bundesweit vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium, dem Deutschen Weinbauverband und der Architektenkammer ausgelobt. Das Weingut von DFB-Präsident Fritz Keller nach Plänen der Architekten Geis und Brantner (Freiburg) hat diese Auszeichnung bereits 2016 erhalten. Außerdem gab es die Hugo-Häring-Auszeichnung des Bundes Deutscher Architekten (BDA) und den Badischen Architekturpreis.

Familie seit 1928 in Ebenung ansässig

Der 31-jährige Winzer Johannes Kopp, dessen Familie bereits seit 1928 in Ebenung ansässig ist, will nun auch ein Mittelbaden ein architektonisches Zeichen setzen. Kopps Urgroßvater war Landwirt und betrieb Weinbau nur im Nebenerwerb. 1996 konzentrierte sich Ewald Kopp, der Vater von Johannes, hauptberuflich auf den Weinbau. Das Gut bewirtschaftet heute 30 Hektar Reben im biologischen Anbau.

Im Gegensatz zum Kaiserstuhl besteht bei uns Nachholbedarf.
Johannes Kopp, Winzer

„Im Gegensatz zum Kaiserstuhl besteht bei uns Nachholbedarf“, meint Johannes Kopp. „Ich will mit dem Neubau Wein als Erlebnis vermitteln.“ Für diese Aufgabe hat Kopp Thomas Bechtold engagiert. Der Architekt ist auf anspruchsvolle Einfamilienhäuser spezialisiert und wurde dafür mehrfach vom BDA und der Architektenkammer ausgezeichnet. In Ebenung entsteht sein erstes Weingut, für das Bechtold typische Stilmerkmale seiner Einfamilienhäuser übernommen hat.

Neben dem alten Weingut am Dorfrand, das erhalten bleibt, entsteht der Neubau, der unmittelbar an die Reben grenzt und eine fantastische Aussicht über die Weinberge ins Rheintal bieten wird. Das zweieinhalbgeschossige Weingut mit einer Grundfläche von rund 880 Quadratmetern hat ein hohes Sockelgeschoss, das teilweise im Erdreich verschwindet. Dort sollen Weinfässer gelagert werden. Darüber erhebt sich das Hauptgeschoss, in dem neben Büros die Weintheke und ein Restaurant mit 80 Sitzplätzen untergebracht werden. Die großen Panoramafenster und eine Terrasse für Außenbewirtung schaffen einen direkten Bezug zur Landschaft. Im Penthouse-Geschoss, das deutlich zurückspringt, entsteht die Wohnung von Johannes Kopp.

Das Gebäude mit dem charakteristischen Flachdach, das sich dank der gestaffelten Geschosse gut in die Landschaft fügt und wegen der Randlage die typischen Dorfhäuser mit ihren Satteldächern nicht stört, wird in Stahlbeton ausgeführt. Lediglich für das Penthouse ist Massivholzbauweise vorgesehen.

Besucher schreitet vom Dunkel ins Licht

Der Besucher wird das Weingut durch das Sockelgeschoss und den relativ dunklen Weinkeller betreten, in dem die Fässer durch eine entsprechende Beleuchtung inszeniert werden. Von dort schreitet er über eine Treppe ins Licht des Hauptgeschosses. Die grandiose Aussicht wird zum überraschenden Erlebnis für den Gast.

Der Bebauungsplan für das Weingut, um den die Sinzheimer Kommunalpolitik wegen der ablehnenden Haltung der Bürgerinitiative zwei Jahre gerungen hat, schreibt eine „Erdfarbe“ für die Außenfassaden vor. Aus diesem Grund hat sich Bechtold, der üblicherweise für weiße Putzfassaden steht, für eine Fassadenverkleidung aus Cortenstahl entschieden. Mit seiner rostigen Oberfläche erfüllt er die Vorgaben der Genehmigungsbehörde.

„Ich will mit diesem Neubau Wein, gutes Essen aus einer modern interpretierten badischen Küche, moderne Architektur und eine schöne Aussicht verbinden“, sagt Bauherr Kopp. Im Sommer 2022 soll das Weingut seiner Bestimmung übergeben werden.

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