Skip to main content

Spurenelemente

Stadtwerke Baden-Baden rüsten Kläranlage Sinzheim für 20,5 Millionen Euro auf

Die Stadtwerke Baden-Baden investieren in die Kläranlage in Sinzheim. Eine neue Reinigungsstufe soll Medikamente und Hormone aus dem Wasser filtern. Es ist das bisher größte Einzelprojekt der Stadtwerke.

Riesige Baustelle: Rund 20,5 Millionen Euro kostet die Erweiterung der Gemeinschaftskläranlage Baden-Baden/Sinzheim um die vierte Reinigungsstufe. Die Inbetriebnahme soll im Dezember 2022 erfolgen. Foto: Bernd Kappler

Die Ausmaße sind enorm: 48 Meter lang, 34 Meter breit und 13,5 Meter tief. Die Stadtwerke Baden-Baden investieren derzeit rund 20,5 Millionen Euro in die Gemeinschaftskläranlage in Sinzheim und rüsten die vierte Reinigungsstufe nach, mit der auch Spurenelemente aus dem Abwasser herausgefiltert werden können.

Alles für die Umwelt, denn künftig werden zum Beispiel auch Hormone und Medikamente aus dem Abwasser aus Baden-Baden, Sinzheim und dem Bühler Stadtteil Weitenung weitgehend entfernt. Im Moment landen diese über Sandbach und Rhein letztlich im Meer.

„Alles im Plan“, melden Stadtwerke-Geschäftsführer Helmut Oehler und Abteilungsleiter Olaf Herrmann zur Halbzeit des bisher größten Einzelprojektes in der Geschichte der Stadtwerke.

Ende 2022 soll die Kläranlage Sinzheim in Betrieb gehen

Spatenstich war im April 2020, ein Jahr später wurde dann fünf Meter unter dem Grundwasser die Bodenplatte fertiggestellt, seitdem wächst der Rohbau in die Höhe.

Ende Februar 2022 soll dieser fertig sein, danach kommt die technische Ausrüstung, sodass die Anlage Ende 2022 in Betrieb gehen kann.

Bis zu 1.300 Liter Abwasser pro Sekunde können in den Aktivkohlefiltern gereinigt werden, wobei es bei Trockenwetter „nur“ 100 bis 200 Liter pro Sekunde sind, so die Berechnungen. Insgesamt verteilen zehn Pumpen das Abwasser auf zwölf Filterbecken mit jeweils zehn Filtern, also insgesamt 120.

Mit der neuen Reinigungsstufe können Spurenstoffe und Mikroschadstoffen, wie Medikamentenrückstände, zum Beispiel Ibuprofen oder Diclofenac – Hormone und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, die aus Privathaushalten ins Abwasser gelangen – eliminiert werden.

Sinzheimer Kläranlage soll 80 Prozent der Schadstoffe aus dem Wasser filtern

Die bisherige Technik im Klärwerk war dazu nicht in der Lage. Etwa 80 Prozent der Schadstoffe sollen mit den etwa 1.200 bis 1.300 Kubikmeter Aktivkohlegranulat, das entspricht rund 810 Tonnen, „erwischt“ werden können.

Im Moment wird das Abwasser der 80.000 Einwohner im Einzugsgebiet der Gemeinschaftskläranlage in drei Stufen gereinigt: mechanisch, biologisch und chemisch. Das Wasser fließt dann über den Sandbach in den Rhein.

Von den Baukosten in Höhe von 20,5 Millionen Euro entfallen allein rund 15,1 Millionen Euro auf die Filteranlage. 4,2 Millionen Euro gibt es als Fördermittel, den Rest teilen sich Sinzheim, Bühl und die Stadt Baden-Baden, die den Löwenanteil trägt.

Ob die Baukosten eingehalten werden können, muss sich noch zeigen. Bekanntlich sind die Stahlpreise in den vergangenen Monaten weltweit explodiert. Helmut Oehler geht im Moment davon aus, dass die Kalkulation auf der sicheren Seite ist.

Kläranlage Sinzheim reinigt zehn Millionen Kubikmeter Abwasser im Jahr

Dimensioniert ist die Anlage auf 200.000 Einwohner – darin enthalten ist die große Anzahl der Hotelbetten in der Kurstadt. Rund zehn Millionen Kubikmeter Abwasser reinigt die Anlage im Jahr, also etwa 27.000 Kubikmeter am Tag. 1983 war die Gemeinschaftskläranlage Baden-Baden/Sinzheim im Kartunger Bruch in Betrieb genommen worden.

Mit erhöhten Abwassergebühren sei im Moment nicht zu rechnen, versichert Helmut Oehler. Die Baukosten der Anlage sind in der jüngsten „Globalberechnung“ – von dieser werden die Gebühren abgeleitet – bereits einkalkuliert, ebenso wie viele andere Maßnahmen.

Zu tun gibt es im Abwasserbereich immer etwas, so der Hinweis von Abteilungsleiter Olaf Herrmann. Aktuell ist einer der beiden Faultürme außer Betrieb. Er muss generalsaniert werden. Ist er fertig, kommt sein Zwillingsbruder an die Reihe.

Auch das Leitungssystem muss überholt werden. Weitere 600.000 bis 700.000 Euro werden für die Sanierung von zwei bis drei Kilometer Abwasserkanälen fällig, rechnet Geschäftsführer Helmut Oehler vor.

nach oben Zurück zum Seitenanfang