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Wertpapiergeschäft boomt

Sparkasse Bühl führt Negativzins auch für Privatkunden ein

Die Sparkasse Bühl spricht von einem Handlungszwang: Weil sich das Zinsniveau in den kommenden Jahren wohl nicht zum Besseren wenden wird, führt sie jetzt auch für Privatkunden ein Verwahrentgelt ein.

Die Sparkasse Bühl führt für private Einlagen von über 100.000 Euro ein Verwahrentgelt von einem halben Prozent ein. Foto: Ulrich Coenen

Es sind Worte, die vor wenigen Jahren noch nicht zur Vorstellungswelt der Sparer gehörten. Die Kreditinstitute sprechen vom Verwahrentgelt, in der Öffentlichkeit fallen auch Begriffe wie Straf-, Negativ- oder Minuszinsen. Dass die Geldanlage keine Zinsen einträgt, vielmehr sogar einen Verlust einbringt, widerspricht dem Kerngeschäft der Banken.

„Wir leben hauptsächlich vom zinsabhängigen Geschäft“, sagt Frank König, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Bühl. Dieses Geschäft ist aber wegen der Niedrigzinsphase rückläufig: Im vergangenen Geschäftsjahr ist das Zinsergebnis um eine Million Euro auf 11,6 Millionen Euro gesunken.

Die fehlende Aussicht auf eine Änderung der Zinspolitik ist für König und seinen Vorstandskollegen Matthias Frietsch ein wesentlicher Grund, jetzt auch für Privatkunden das Verwahrentgelt einzuführen. Ab einer Einlage von 100.000 Euro werden 0,5 Prozent berechnet, bei Neukunden sind 10.000 Euro vorgesehen.

Über 240 Banken und Sparkassen haben 2021 das Verwahrentgelt eingeführt

Die Sparkasse Bühl gehört damit laut Recherchen des Online-Finanzmagazins biallo.de zu den 500 deutschen Banken und Sparkassen, die auf private Guthaben ein Verwahrentgelt erheben, im gewerblichen Bereich seien es rund 530 Institute. Allein in diesem Jahr hätten mehr als 240 Banken und Sparkassen das Verwahrentgelt für Guthaben auf dem Tagesgeld- oder Girokonto eingeführt.

2014 hatte die Europäische Zentralbank dem Einlagenzins ein Minuszeichen verpasst. Kreditinstitute, die Geld bei der Bundesbank lagerten, mussten 0,1 Prozent an Zinsen bezahlen, seit September 2018 sind es 0,5 Prozent. Die Sparkasse Bühl führte das Verwahrentgelt 2017 für erste gewerbliche Kunden ein, jetzt folgen die privaten Anleger.

Die sichere Verwahrung des Geldes hat schon immer ihre Kosten gehabt.
Frank König, Vorstandsvorsitzender Sparkasse Bühl

„Die sichere Verwahrung des Geldes hat schon immer ihre Kosten gehabt“, sagt König, nur sei die frühere Quersubventionierung nicht mehr möglich. Dazu komme, dass das Wachstum der Einlagen im vergangenen Jahr um 100 Millionen Euro und damit zehn Prozent der Bilanzsumme gestiegen sei. Matthias Frietsch sieht einen Grund dafür auch in den Corona-Folgen, es sei wohl weniger ausgegeben und nicht jede staatliche Unterstützung gleich wieder investiert worden.

Am Zinsniveau wird sich vorerst nichts ändern: Sparkasse Bühl sieht Handlungszwang

Es gibt laut König aber auch „gewisse Tendenzen“, Einlagen bei Instituten zu lagern, die kein Verwahrentgelt erheben. Ein dritter Punkt seien die Zinsaussichten: „In den nächsten Jahren wird sich am Zinsniveau nichts ändern“, sagt Frietsch. Daraus entstehe für die Sparkasse Handlungszwang.

Jeder betroffene Privatkunde werde angeschrieben und ihm ein Gespräch angeboten, in dem über die Möglichkeiten informiert werde: „Das Verwahrentgelt ist die letzte Instanz“, sagt Frietsch. Die sichere, kurzfristig verfügbare und risikolose Anlage mit einer Laufzeit unter zehn Jahren bringe keinen Ertrag mehr, herkömmliche Anlageformen bedeuteten bei steigender Inflation sinkende Kaufkraft.

Deshalb boome auch das Wertpapiergeschäft, das keine Bankeinlage ist und deshalb nicht mit dem Verwahrentgelt belegt wird: „Die Kunden haben erkannt, dass mit Einlagen kein Geld zu verdienen ist.“ Das Wertpapiergeschäft der Sparkasse ist 2020 um neun Prozent auf 246 Millionen Euro gestiegen.

Der Wert des Geldes hat seinen Reiz verloren.
Frank König, Vorstandsvorsitzender Sparkasse Bühl

Frank König nervt nicht das Verwahrentgelt an sich: „Das ist nur eine Begleiterscheinung.“ Es ist das allgemeine Zinsniveau, mit dem er hadert: „Der Wert des Geldes hat seinen Reiz verloren.“ Zwar hätten die niedrigen Zinsen, sagt sein Kollege Frietsch, wie gewünscht die Konjunktur angekurbelt, aber die Bankenlandschaft werde geschwächt, meint König: „Um die Wirtschaft und ihre Veränderungen zu finanzieren, braucht es aber starke Banken.“

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