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Schöne Heimatmotive

Stadtmuseum Bühl stellt Werke von Karl Adam-Leonhard aus

Der Bühler Karl Adam-Leonhard war Heimatmaler und wurde nach dem verlorenen 1. Weltkrieg aus seiner Wahlheimat Straßburg vertrieben. Das Stadtmuseum Bühl entreißt ihn mit wunderschönen Motiven „beiderseits des Rheins“ ab 11. Juli dem Vergessen.

Ein Bühler Künstler: Kuratorin Ina Stirm erklärt Bürgermeister Wolfgang Jokerst bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der Ausstellung das Werk von Karl Adam-Leonhard. Foto: Ulrich Coenen

Der Thieme-Becker-Vollmer widmet Karl Adam-Leonhard immerhin drei Zeilen. Das bedeutendste deutsche Künstlerlexikon, mit mehr als 40 Bänden eines der umfangreichsten der Welt, nennt den Bühler kurz und knapp einen „deutschen Landschaftsmaler“. Das Stadtgeschichtliche Institut Bühl, das Adam-Leonhard ab dem 11. Juli eine Ausstellung im Stadtmuseum widmet, hat deutlich mehr herausgefunden.

Das Interesse an diesem Künstler, der von 1876 bis 1926 in Baden und im Elsass gelebt und gearbeitet hat, entwickelte sich aus der privaten Sammelleidenschaft von Michael Rumpf.

Der Historiker und Leiter des Stadtarchivs hat bereits als Student Ausschau nach den Werken des Künstlers gehalten, die so gut wie nie im Kunst- und Antiquitätenhandel auftauchen und deshalb auch nicht in den einschlägigen Katalogen im Internet gelistet werden.

47 Exponate hat das Stadtmuseum für die von Ina Stirm kuratierte Ausstellung zusammengetragen. Die ist wie Rumpf Historikerin, so dass die Ausstellung mehr historische als kunsthistorische Aspekte hat.

Burg Windeck, Ölgemälde von Karl Adam-Leonhard Foto: Ulrich Coenen

Adam-Leonhard malte hauptsächlich Motive aus Mittelbaden und Elsass

Die Beschäftigung des Stadtgeschichtlichen Instituts mit Bühler Künstlern hat bereits eine kleine Tradition. Viel Beachtung fand vor einigen Jahren die Ausstellung mit Werken von Albert Wenk, einem etwas älteren Zeitgenossen Adam-Leonhards, der aber mit seinen Seestücken eine wesentliche größere Bekanntheit erlangte.

Es ist die erste Ausstellung seit dem Tod des Malers.
Michael Rumpf, Leiter Stadtgeschichtliches Institut Bühl

Der für Kultur zuständige Bürgermeister Wolfgang Jokerst (Grüne) freute sich bei der Pressekonferenz im Vorfeld der Ausstellung, die wegen der Corona-Pandemie eine Vernissage ersetzen soll, über den regionalen Künstler. Michael Rumpf bezeichnete sich als „Fan“ des Künstlers. „Es ist die erste Ausstellung seit dem Tod des Malers“, berichtete er.

Neben Werken im Besitz des Stadtgeschichtlichen Instituts sind zahlreiche Leihgaben zu sehen (auch von Rumpf). Das Stadtmuseum zeigt Ölgemälde, Aquarelle, Radierungen und Marketerien (Einlegearbeiten aus Holz) mit Motiven „beiderseits des Rheins“. So lautet auch der Untertitel der Ausstellung.

Pfarrkirche St. Peter und Paul und Rathaus in Bühl, Aquarell von Karl Adam-Leonhard Foto: Ulrich Coenen

Vor allem die Aquarelle, aber auch die Ölbilder sind stark vom Impressionismus geprägt, zeigen aber auch Einflüsse der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. Die Radierungen sind sehr viel detailfreudiger. Adam-Leonhard hat fast ausschließlich Landschaften und Stadtansichten in Mittelbaden und im Elsass (hier vor allem in Straßburg) gemalt. Die Szenen sind bis auf wenige Ausnahmen menschenleer. Die Ausstellung zeigt auch zwei für den Künstler eher untypische Stillleben. Porträts und Genremalerei gibt es nicht.

Die meist kleinformatigen Bilder von Karl Adam-Leonhard sind fast immer undatiert. Es sind vor allem die Bühler Motive, die in der Ausstellung die Aufmerksamkeit des Publikums finden dürften. Hierzu gehören Ölgemälde der Burg Windeck, des Bühler Steins oder der historistischen Villa im Burgweg 3, die seinem Schwager gehörte und damals noch völlig frei in der Landschaft stand. Das Gemälde der Windeck ziert übrigens die Einladung zur Ausstellung.

Die Villa des Schwagers: Burgweg 3 in Bühl, Gemälde von Karl Adam-Leonhard Foto: Ulrich Coenen

Bemerkenswert sind ebenfalls die Aquarelle von Pfarrkirche St. Peter und Paul und Rathaus und der Sonnengasse. Aufmerksamkeit verdient auch die Radierung mit dem Prospekt von Straßburg und dem gotischen Münster in Zentrum.

Der Bühler Stein im Schwarzwald ist ein beliebter Aussichtspunkt, Ölgemälde von Karl Adam-Leonhard Foto: Ulrich Coenen

Neben Motiven, die jeder, der die Region diesseits und jenseits des Rheins kennt, sofort identifizieren kann, hat Adam-Leonhard zahlreiche Landschaften und Stadtansichten geschaffen, die sich nicht oder nur schwierig lokalisieren lassen. Neben verwinkelten Gassen in Städten und Dörfern haben es ihm Flüsse und Kanäle, oft mit Brücken und Booten, angetan.

Straßburg mit dem gotischen Münster, Radierung von Karl Adam-Leonhard Foto: Ulrich Coenen

Karl Adam-Leonhard ist ein typischer Landschaftsmaler der Zeit um 1900, der viel zu lange unbeachtet blieb und dessen Leben und Werk durch die Ausstellung des Stadtmuseums Bühl wieder ins öffentliche Interesse rückt. Seine Arbeiten haben neben der künstlerischen vor allem auch eine regionalgeschichtliche Bedeutung. Sein Leben mit der Vertreibung aus der Wahlheimat Straßburg steht für viele deutsche Schicksale zwischen den Weltkriegen.

Service

Die Ausstellung „Karl Adam-Leonhard - Ein Künstler beiderseits des Rheins“ ist ab dem 11. Juli im Stadtmuseum Bühl (Schwanenstraße 11) zu sehen: Dienstag 9 bis 13 Uhr, Donnerstag 14 bis 18 Uhr und Sonntag 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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