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Hohe Wahlbeteiligung in Bühl

Stundenlanges Warten auf das Endergebnis in Bühlertal

Warten auf Bühlertal: Erst nach 23 Uhr stand dort das Ergebnis und damit das gesamte Rastatter Wahlkreisergebnis fest. Kai Whittaker holte für die CDU das Direktmandat, bei den Zweitstimmen musste die Partei wie in Bühl aber viele Stimmen an SPD und FDP abgeben.

Die zehn Briefwahlbezirke der Stadt Bühl wurden am Sonntag im Bürgerhaus Neuer Markt ausgezählt. Die roten Umschläge wurden bereits um 15 Uhr geöffnet. Die Stimmzettel landeten anschließend in den Wahlurnen. Mit ihrer Auszählung wurde um 18 Uhr begonnen. Foto: Ulrich Coenen

Eine starke Wahlbeteiligung und zwei Stimmen pro Wahlzettel haben am Sonntagabendabend zu einem längeren Warten auf die lokalen Ergebnisse geführt. Und nicht nur das: In Bühlertal verzögerte sich die Auszählung massiv. Erst um 23.18 Uhr stand das dortige Ergebnis und damit das Ergebnis für den gesamten Wahlkreis Rastatt fest. Nach Angaben der Verwaltung waren bei den Briefwählern die Zahlen zunächst nicht deckungsgleich. Die Überprüfung nahm Zeit in Anspruch.

Um 20.15 Uhr hatte Ottersweier das erste Resultat vorgelegt: Sowohl bei Erst- als auch der Zweitstimmen lag die CDU vorne. Allerdings hatten die Christdemokraten gegenüber der Wahl von 2017 deutliche Verluste zu verzeichnen – und bei der Zweitstimme ist die Differenz zwischen CDU und SPD geringer als bei der Erststimme.

Das spiegelt auch den Trend in der gesamten Region. Als im Trausaal des Bühler Rathauses um 18.45 Uhr das erste Teilergebnis aus der Weststadt-Grundschule aufleuchtete, signalisierte es eine klare Mehrheit für den CDU-Kandidaten Kai Whittaker. Bei den Zweitstimmen wurde es für die CDU viel enger.

„Die Leute wollen offenbar Herrn Scholz als Kanzler“, konstatierte Margret Burget-Behm, die frühere CDU-Fraktionsvorsitzende im Bühler Gemeinderat. „Das ist wie mit FC-Bayern-Fans im Fußball“, sagte der FW-Fraktionsvorsitzende Karl Ehinger später: „Man ist gern bei den Siegern.“ Allerdings lag vielerorts auch bei der FDP der Zweitstimmenanteil deutlich über dem der Erststimmen.

Whittaker holt Direktmandat in Bühl

Das Bühler Resultat stand um 20.46 Uhr fest. Bei den Erststimmen liegt Whittaker rund 16 Punkte vor Gabriele Katzmarek von der SPD, bei den Zweitstimmen beträgt die Differenz zwischen CDU und SPD nur etwas mehr als sechs Punkte. Die Wahlbeteiligung von 78,6 Prozent überraschte Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW). „Das geht mit der Briefwahl in Richtung 80 Prozent“, meinte er schon eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale.

Vielleicht hätten die ein knappes Rennen vorhersagenden Umfragen die Menschen in die Wahllokale gebracht. So groß sei der Andrang gewesen, dass am Nachmittag noch weitere Wahlzettel nach Oberbruch, Moos und Balzhofen gebracht werden mussten. Vor allem in Oberbruch habe es zusätzlichen Bedarf gegeben, sagte Schnurr, der sich gemeinsam mit Fachbereichsleiter Martin Bürkle auf den Weg in die Stadtteile gemacht hatte.

Die Briefwahl brachte einen neuen Rekord. Insgesamt 7.996 Bürger wählten in Bühl per Brief. Mit dieser Flut beschäftigten sich am Sonntag ab 15 Uhr im Bürgerhaus Neuer Markt mehrere Dutzend Wahlhelfer. „Es gibt insgesamt zehn Briefwahlbezirke“, berichtete Wolfgang Schuchter, der normalerweise die Tiefbauabteilung im Rathaus leitet und an diesem Tag Vorstand des Briefwahlbezirks 5 war.

Jedes Team bestand aus acht Helfern und hatte an großen Tischen im großen Saal Platz genommen. Zunächst wurden die roten Umschläge geöffnet. „Wir kontrollieren, ob Stimmzettel und Wahlschein sich in getrennten verschlossenen Umschlägen befinden“, sagte Schuchter. Nur die Umschläge mit den nach dieser Vorprüfung gültigen Stimmzetteln landeten in den Wahlurnen. Diese wurden erst um 18 Uhr geöffnet.

Wahl unter Corona-Bedingungen

Die Präsenzwahl lief zum zweiten Mal unter Corona-Bedingungen. Marius Merkel, der stellvertretende Pressesprecher der Stadt, war am Wahlsonntag einer der Hygienebeauftragten der Stadt. Den Job hatte er auch schon bei der Landtagswahl im März gemacht. „Inzwischen läuft alles viel routinierter“, urteilte er.

Im breiten Korridor hinter dem Haupteingang der Aloys-Schreiber-Schule empfing er die Wähler. „Die Bürger wissen im Vergleich zur Landtagswahl inzwischen, wie sie sich verhalten müssen“, berichtete Merkel. „Sie desinfizieren ihre Hände am Desinfektionsmittelspender in der Regel, ohne dass wir sie auffordern. Praktisch alle haben ihre Masken dabei.“

Bei kleinen Pannen half der Hygienebeauftragte. Bei einem Bürger riss das Ohrband des Maske, als er sie im Wahllokale aufsetzen wollte. Für solche Fälle hatte Merkel vorgesorgt. Hinter ihm stand ein Karton mit Reservemasken. „Natürlich desinfizieren wir regelmäßig die Türgriffe“, berichtete er. „Und die Wahlhelfer neben der Urne sind durch Plexiglasscheiben geschützt. Es gibt überhaupt keine Probleme, selbst wenn ein ganz Schwung Wähler gleichzeitig kommt und bis zur Schultür steht. Die Leute halten automatisch Abstand.“

Und wie wird das Ergebnis auf Bundesebene bewertet, welche Regierungskoalition wird favorisiert? Zu den bundesweiten Ergebnissen meinte Oberbürgermeister Hubert Schnurr: „Abwarten“. Eine Große Koalition wäre wohl möglich, aber ob es das Beste für das Land wäre, dürfe man fragen, sagte Schnurr, der eine Ampelkoalition bevorzugt.

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