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Diskussion im Technischen Ausschuss

Umstrittene Nachverdichtung in Bühl: Streit um vier Doppelhäuser scheint beendet

Nachverdichtungen sorgen in Bühl regelmäßig für Ärger. Auch die vier Doppelhäuser, die auf dem Gelände eines früheren Fuhrunternehmens in der Schänzelstraße im Stadtteil Kappelwindeck entstehen sollen, haben den Nachbarn nicht gefallen. Jetzt beschäftigte sich der Technische Ausschuss mit dem Projekt.

Umstrittenes Projekt: Vier Doppelhäuser sollen auf dem Gelände einer früheren Spedition (links) und der benachbarten Wiese in Kappelwindeck entstehen. Anwohner protestierten gegen das Bauvorhaben. Foto: Ulrich Coenen

Zu Beginn der Sitzung im Friedrichsbau gab es allerdings Irritationen. Auf der Tagesordnung war das Projekt versehentlich mit der falschen Hausnummer angekündigt. Deshalb hatten zwei Bürger auf den Zuschauerrängen Platz genommen, die sich eigentlich für ein anderes Bauvorhaben in derselben Straße interessierten.

Oberbürgermeister Hubert Schnurr lud sie ein, sich angesichts der hochsommerlichen Temperaturen ein kühles Getränk vom Tisch der Stadträte zu nehmen. Zumindest einer der beiden Kappelwindecker nahm die Sache gelassen. „Es war ein schöner Spaziergang in die Innenstadt“, meinte er.

Barbara Thévenot, Abteilungsleiterin Stadtentwicklung im Rathaus, stellte das Projekt auf dem Gelände der ehemaligen Spedition vor.

Auf dem Firmengelände und dem Nachbargrundstück, einer verwilderten Wiese, sollen vier Doppelhäuser (also acht Wohneinheiten) und ein Garagenhof entstehen. Dieser bietet 18 überdachte und nicht überdachte Stellplätze. Die Häuser sollen über eine kurze Stichstraße von der Schänzelstraße aus erschlossen werden.

700 Baulücken im Bühler Stadtgebiet

Der relativ große Gebäudekomplex des Fuhrunternehmens mit Wohnhaus und rückwärtig anschließen Anbauten befindet sich in der Nähe des katholischen Gemeindehauses St. Maria. Die mit Büschen bewachsene Wiese nebenan ist eine klassische Baulücke. Von denen gibt es in Bühl eine ganze Menge.

Die Stadt hat rund 700 Baulücken mit insgesamt 35 Hektar Fläche im Stadtgebiet gezählt. Diese bereits komplett erschlossenen Baulücken will die Kommune unbedingt aktivieren. Fast alle Experten fordern, dass Innenverdichtung Vorrang vor der Erschließung neuer Baugebiete haben soll, um den Flächenfraß im dicht besiedelten Oberrheingraben zu begrenzen.

Die vier geplanten Doppelhäuser sind zweigeschossig mit Satteldach und Lochfassade. Sie entsprechen damit dem traditionellen Bautyp, der im historischen Dorfkern und auch in neueren Baugebieten in Kappelwindeck weit verbreitet ist. Thévenot betonte deshalb ausdrücklich, dass sich die Neubauten gut in die Umgebung einfügen.

Es gibt keinen Bebauungsplan

Das ist wichtig, denn für die Schänzelstraße gibt es keinen gültigen Bebauungsplan. Über den Bauantrag entscheidet die Stadt als zuständige Baurechtsbehörde deshalb auf der Basis des Paragrafen 34 des Baugesetzbuches, der (so der Gesetzestext) die „Zulässigkeit von Vorhaben innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile“ regelt und nicht nur in Bühl regelmäßig für Ärger und Missverständnisse sorgt.

Neubauten sollen sich „nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen“.

Trotz des traditionellen Bautyps mit lediglich zwei Geschossen gab es in der Schänzelstraße Anwohnerproteste. Das lag aber nach Einschätzung von Barbara Thévenot weniger an den Gebäudetypen und ihren Dimensionen als am Gelände. Weil Kappelwindeck in der Vorgebirgszone des Schwarzwalds liegt, ist das Baugrundstück stark modelliert und steigt von der Schänzelstraße aus zunächst relativ steil an.

Daraus resultierte im rückwärtigen Bereich der kleinen Wohnanlage mit den vier Doppelhäusern als Abgrenzung zum Nachbargrundstück eine Stützmauer mit der beachtlichen Höhe von vier Metern Höhe. Das gefiel den Anwohnern nicht.

Investor reagiert auf Proteste

„Wir haben daraufhin Gespräche mit dem Bauträger geführt, damit der Geländeversatz harmonischer gestaltet wird und sich die Neubauten der Topografie besser anpassen“, berichtete Thévenot. Mit dem Ergebnis ist die Stadtverwaltung zufrieden.

Die Wandhöhe der vier Gebäude wurde leicht reduziert und liegt nun zwischen 6,40 und 6,60 Meter. Zuvor betrug sie bis zu sieben Metern. Die Stützmauer ist nur noch 1,80 Meter hoch.

Die Dimensionen der drei Neubauten wurden aber dafür kaum verändert. Der Architekt hat die Häuser lediglich geschickter in das Gelände eingefügt. „Die Maßstäblichkeit der Umgebungsbebauung wird in jedem Fall aufgenommen“, urteilt Thévenot.

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