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Güterzug havariert

Unfall am Bahnhof Bühl: Waggon mit Epoxidharz springt aus den Schienen

78.000 Liter sind ein Wort – vor allem, wenn es sich um Chemie dreht. Im Falle der Havarie eines Kesselwagens auf den Gütergleisen der SWEG westlich des Bahnhofs Bühl handelt es sich um Epoxidharz. Was ist da passiert?

Ein Kesselwagen sprang beim Rangieren am Mittwoch auf den Gütergleisen der SWEG in Bühl aus den Schienen. Foto: Jörg Seiler

Schienen sind deformiert, eines von zwei Drehgestellen eines Kesselwagens hat sich in den Schotter gebohrt. Ein ziemlich dramatisches Bild hat sich am Mittwoch auf den Gütergleisen der Südwestdeutschen Landesverkehrs-GmbH (SWEG) westlich des Bahnhofs Bühl geboten.

Die wenigsten Bahnreisenden dürften von der Havarie etwas mitbekommen haben, ereignete sie sich doch westlich der großen Schallschutzmauern der Rheintalbahn. Dass es einen Unfall gegeben hat, bestätigt Christoph Meichsner, Pressesprecher der SWEG, auf Anfrage der Redaktion.

„Kurz nach 10 Uhr ist im Bahnhof Bühl auf dem Gütergleis während einer Rangierfahrt ein Kesselwagen eines Güterzuges entgleist. Der Wagen hat Epoxidharz geladen, jedoch ist kein Gefahrgut ausgetreten. Einen Personenschaden hat es nicht gegeben“, teilt der in Lahr ansässige Verkehrsdienstleister mit. Warum der Waggon aus den Schienen sprang, wird derzeit ermittelt. Informationen der Redaktion zufolge könnte eine Weiche Auslöser des Unfalls gewesen sein.

78.000 Liter Chemie im Tank

Es ist Mittwoch, gegen 14 Uhr. Zwei Männer in orangefarbenen Westen mit dem Aufdruck SWEG sind an der Unfallstelle. Einer telefoniert intensiv. Eigentlich wäre es ein schönes Motiv für Eisenbahnfotografen – die rote Diesellok glänzt unter blauem Himmel in der Sonne. Expoxidharz steht auf einem warn-orangenen Aufkleber des Tankers. 78.000 Liter davon befinden sich laut Aufschrift in dem großen Fass. Harmlos ist das Zeug nicht. Um den Waggon zu bergen, bedarf es einiger Anstrengung sowie eines guten Hebewerkzeugs. Danach müssen die Gleise gerichtet werden. Das ist dann alles nicht mehr so schön.

Verplombt: Am Auslass des Kesselwagens hängt dieses Siegel. Die Schienen darunter sind ziemlich beschädigt. Foto: Jörg Seiler

Die SWEG versorgt über diese Strecke vor allem den Trinseo Chemiepark Rheinmünster. Was hat die aktuelle Sperrung nun für Konsequenzen? „Wir trocknen nicht aus“, sagt Peter Schaub auf Anfrage der Redaktion. Der Ingenieur ist für die Sicherheit zuständig. Deutlich mehr als 2.000 Kesselwagen rollen pro Jahr auf der Schiene nach Greffern, doch der Chemiepark hat auch die Rheinschifffahrt als Logistik-Standbein.

Zudem gibt es den Lastwagen als Option, wobei schon zwei bis zweieinhalb Trucks fahren müssen, um einen Kesselwagen ersetzen. Als wegen der Tunnel-Havarie bei Rastatt die Rheintalstrecke gesperrt war, hat das den Chemiepark deutlich mehr getroffen, berichtet Schaub. Aber auch da wussten sich die Experten zu helfen.

Schadenshöhe noch unbekannt

Expoxidharz kann vielseitig eingesetzt werden, bei der Herstellung von hochwertigen Kunststoffen ebenso wie bei der Herstellung von Lacken, Kleber und anderem mehr. Je nach Temperatur ist das Material fest. Die Freiwillige Feuerwehr Bühl hat vor allem auf der Autobahn immer wieder mit Gefahrgut-Unfällen zu tun.

Rücken die Feuerwehrleute zu Einsätzen aus, werde erst einmal kontrolliert, ob der Behälter noch dicht ist, erläutert Kommandant Günter Dußmann. Dann wird geprüft, was ist im Tank drin ist, schließlich erfolgt die Bergung. Die Güterstrecke ist jetzt erst einmal gesperrt. Wie lange, lässt sich noch nicht sagen, ebenso ist die Höhe des Schadens laut der Hauptverwaltung der SWEG in Lahr noch unbekannt.

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