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Erneuter Stillstand ab diesem Mittwoch auch in Bühl

Die Schulen machen zu: Sorgen bei Schülern und Lehrern in Bühl

Verlängerte Ferien und wenige Schüler freuen sich: Wenn am Mittwoch die Bildungseinrichtungen ihren Betrieb runter fahren, ist das für viele Schüler vor allem eine psychische Geschichte. Viele der jungen Menschen sorgen sich noch aus ganz anderen Gründen.

Bald wieder zu: Die Schulen, hier die Bühler Carl-Netter-Realschule, sind ebenfalls vom staatlich verordneten Stillstand betroffen. Foto: Jörg Seiler

Anni bringt es auf den Punkt: „Es ist schade, dass wir unsere Schulfreunde nun mindestens drei Wochen lang nicht mehr sehen“, sagt die 13-Jährige. Sie geht in die 8 b der Carl-Netter-Realschule (CNR) in Bühl. Und die macht von diesem Mittwoch an mit dem Beginn des zweiten staatlich verordneten Stillstands ebenso dicht wie alle anderen Bühler Bildungseinrichtungen. Zu denen gehört das Windeck-Gymnasium. „Die Klassen 5 bis 10 haben vorgezogenen Ferien“, berichtet Andrea Körner, die Leiterin des Windeck-Gymnasiums in Bühl.

Allerdings kommt der Betrieb nicht komplett zum Erliegen. Schulleitung und Sekretariat seien besetzt, zudem gebe es für die Klassenstufen 5 bis 7 eine Notbetreuung. „Da ist die Abfrage bei den Eltern bereits gestartet“, so Körner. Elft- und Zwölftklässler haben derweil Fernunterricht, bis sie am 22. Dezember in die Weihnachtsferien dürfen.

Für viele Schulkinder ist der Lockdown eine psychische Belastung

Es sind die nüchternen Fakten, die Vorgaben aus dem baden-württembergischen Kultusministerium. Die menschliche Komponente bleibt da erst einmal außen vor. Weitestgehender Stillstand – zum zweiten Mal binnen nicht einmal zwölf Monaten! Immerhin habe man noch ein gewisses Glück, „es verteilt sich auf zwei Schuljahre“, so Körner. Aber: „Für einzelne Kinder ist das eine immense psychische Belastung“, konstatiert sie.

Da fehlten die Strukturen, die Schüler können ihre Freunde nicht sehen, oft sitze die ganze Familie zu Hause. Doch es gibt noch mehr. „Manche verlernen das Lernen, tun sich teilweise schwer, einen längeren Aufsatz zu schreiben.“ Das Internet sei im Stillstand das Mittel der Wahl, sagt Körner, selbst Mutter, aber, gerade bei den Jüngeren, mit allen Nachteilen für die motorische Entwicklung. „Da kommen wirklich Probleme auf uns zu!“

Es ist die Ungewissheit, die an vielen Schülern nagt, berichtet Judith Feuerer, die Elternbeiratsvorsitzende des „Windeck.“ Und nicht nur das. Es ist auch der Druck, der auf jungen Menschen laste und zunehme: Denn ob es wirklich nach dem 10. Januar wieder weiter geht, wie derzeit mal vorgesehen, weiß keiner. Droht dann ein Marathon an Arbeiten? Bekomme ich überhaupt den ganzen Lernstoff bewältigt? Das sind die Fragen, die sich die Schüler stellen. Judith Feuerer ist selbst Mutter, ihre Jungs gehen alle in die Schule und sind sportlich aktiv. Und da ergebe sich das nächste Problem: „Es gibt ja keinen Ausgleich“, sagt Feuerer, die Sportvereine und alle anderen Freizeitmöglichkeiten haben den Betrieb eingestellt.

Dazu sitzen alle daheim, „da gibt es auch schnell mal einen Lagerkoller.“ Auch Realschülerin Anni spürt derzeit, wie hart es ohne den geliebten Sport ist. „Ich gehe normalerweise bis zu sechs mal pro Woche in eine Laufgruppe. Dies ist schon seit November nicht mehr möglich. Nun gehe ich eben alleine Laufen, auch wenn es in der Gruppe mehr Spaß macht.“ Generell verliere man seine Hobbys, sagt die 13-Jährige. Und anderes fällt auch einfach weg, weiß die Elternbeiratsvorsitzende. Landschulheimaufenthalte, Studienfahrten, Bogy-Praktika, Dinge, auf die sich Schüler freuen. Viele Eltern sind der Ansicht sind, man hätte den Lockdown auch erst Ende der Woche beginnen lassen können.

Jugendzentrum sowie Kifaz in Bühl machen dicht

Die Umsetzung der staatlichen Vorgaben bereitet bisweilen – vor allem wenn sie kurzfristig aufschlagen – einen Mehraufwand an Arbeit. Aber: „Es ist alles sehr unaufgeregt, wir sind gut vorbereitet“, sagt Michael Lebfromm, Schulleiter der Handelslehranstalt (HLA) Bühl. Für die HLA zahle es sich aus, dass sie früh eine Digitalisierungsoffensive gestartet habe. Blauäugig ist Lebfromm keineswegs. „Die Schwierigkeiten kommen vielleicht erst ab dem 10. Januar“.

Auch die CNR trifft der Lockdown nicht unvorbereitet, man habe so etwas angesichts der hohen Infektionszahlen erwartet und entsprechende Szenarien erarbeitet, so Schulleiter Steffen Faller. Wie an anderen Schulen gibt es eine Notbetreuung, Sekretariat und Schulleitung seien zu erreichen. Die Abschlussklassen erhalten Fernunterricht. Dass die Schüler das Lernen verlernen könnten, unterschreibt Faller nicht. Lang ist die Liste der Bühler Einrichtungen, die in Notfallbetrieb gehen oder schließen. Letzteres betreffe das Jugendzentrum Komm ebenso wie das Kinder- und Familienzentrum, erläutert Stadt-Pressesprecher Matthias Buschert.

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