Skip to main content

Corona wirkt nach

Urlaub im Inland wegen Corona sorgt für steigende Gäste-Zahlen in Bühl und Bühlertal

Der Einbruch war gewaltig, die Erholung dauert. Die Gästezahlen der Ferienregion Bühl-Bühlertal steigen, aber Corona-Folgen werden lange zu spüren sein.

Blick auf Bühl: Die Ferienregion registriert wieder steigende Gästezahlen. Corona hat der Tourismus-Branche aber auch im vergangenen Jahr den Stempel aufgedrückt. Foto: Wilfried Lienhard

Je nach Gemütslage kann die Gäste- und Ferienstatistik der Ferienregion Bühl-Bühlertal für 2021 mit großem Wohlgefallen oder einiger Besorgnis gelesen werden. Wohin die Waagschale ausschlägt, liegt am ausgewählten Vergleichsjahr. Gegenüber dem Vorjahr legten die Gesamtankünfte um 23,3 Prozent auf 42.190 zu, die Gesamtübernachtungen weisen eine Steigerung um 28,2 Prozent auf 121.191 auf.

Die Frage ist nur, ob dies der richtige Vergleich ist. 2020 war das erste Corona-Jahr, und es hatte erhebliche Beschränkungen gebracht. Deshalb schaut Tino Rettig, der Geschäftsführer der Ferienregion, auch auf das letzte Vor-Corona-Jahr: 2019 wies die Statistik 42,3 Prozent mehr Ankünfte und rund 34 Prozent mehr Übernachtungen auf als 2021.

Corona, lässt sich daraus schließen, hat der Tourismusbranche auch 2021 den Stempel aufgedrückt. Rettig bestätigt das. Touristische Übernachtungen seien bis ins Frühjahr hinein untersagt gewesen, aber auch Übernachtungen aus beruflichem Grund habe es deutlich weniger gegeben. „Der Sommer war dann ordentlich und der Herbst gut“, so Rettig.

Schwarzwald profitierte von Corona-Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr

Wie der ganze Schwarzwald habe die Region auch im zweiten Jahr der Pandemie von Beschränkungen und Unsicherheiten im internationalen Reiseverkehr profitiert. Wer statt auf das Flugzeug auf Bahn oder Auto setzte, wählte überdurchschnittlich oft ein Reiseziel im Inland. Damit korrespondiert die Bedeutung ausländischer Gäste. Ihr Anteil an den Übernachtungen ist im vergangenen Jahr leicht auf 14,7 Prozent gestiegen (2020: 13,3), er liegt aber noch deutlich unter den fast 20 Prozent von 2019.

Die Niederlande, die Schweiz, Frankreich, Österreich und Ungarn sind die fünf wichtigsten Herkunftsländer. Daran hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert – mit einer Ausnahme: Österreich hat Russland verdrängt. Viele Übernachtungen ausländischer Gäste seien geschäftlich bedingt. „Das unterliegt immer Schwankungen“, sagt Rettig.

Vor wenigen Jahren noch sei China stark vertreten gewesen. Corona habe das Pendel in die andere Richtung ausschlagen lassen; die rigorose chinesische Corona-Politik schlage sich auch hier nieder. Mit Blick auf den Krieg Russlands in der Ukraine erwartet Rettig weitere Folgen: „Das Russland-Geschäft hat im vergangenen Jahr schon nachgelassen und wird jetzt noch deutlich geringer ausfallen.“

Übernachtungen von Geschäftsreisenden immer noch weniger als vor Corona

Die meisten Gäste kommen nach wie vor aus Baden-Württemberg, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen – je weiter die Anreise, desto länger der durchschnittliche Aufenthalt. Insgesamt sieht Rettig die Ferienregion auf dem Weg in Richtung Normalisierung. Das Ziel sei aber noch ein gutes Stück weg, gerade weil viele Übernachtungen auf Geschäftsreisende zurückgingen.

„Dieses Segment ist nach wie vor problematisch“, sagt der Experte. Corona habe die Veränderungen beschleunigt, etwa durch die massive Digitalisierung. „Das wird nachwirken“, ist sich Rettig sicher. „Es wird auch künftig mehr Online-Treffen geben.“ Einiges werde zurückkehren, der Umfang wie 2018 oder 2019 sei aber wohl nicht mehr zu erreichen.

Aktuelle politische Entscheidungen wie die Einführung eines befristeten Neun-Euro-Tickets im öffentlichen Personennahverkehr könnten ohne Frage den Tagestourismus ankurbeln. Die Frage sei nur, wie sich das auswirke. Rettig hält ähnliche Erscheinungen wie in der Corona-Zeit für denkbar, als es an einzelnen Ausflugspunkten zu starkem Andrang kam: „So etwas will man einerseits, andererseits kann es aber gerade am Wochenende zu Überlastungstendenzen führen.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang