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Wirte und Sportler geschockt

Verärgerung und Fassungslosigkeit über „Lockdown light“ in Bühl

Die Wirte und Hoteliers der Region sind wegen des zweiten Corona-Stillstands geschockt und verärgert, sie hätten sich eine andere Lösung gewünscht. Die Schwimmer des TV Bühl sitzen mal wieder auf dem Trockenen und bei den Bundesliga-Volleyballern gibt es eine traurige Premiere.

Nicht begeistert: Jürgen Kohler, Inhaber des „Engel“ in Vimbuch und Bühler Kreisvorsitzender der Dehoga hätte sich eine andere Lösung als nächsten Zwangsstillstand gewünscht. So sehen es auch seine Kollegen. Foto: Bernhard Margull

„Wenn ein zweiter Lockdown käme, wäre das fatal“, sagte Jürgen Kohler noch Anfang dieser Woche. Und die schlimmsten Befürchtungen des Kreisvorsitzenden des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Bühl und Inhaber des Hotel-Restaurants „Engel“ in Vimbuch sind jetzt eingetroffen.

Die Küchenchefs – und nicht nur die – kochen, allerdings nicht, wie in Baden gewohnt, qualitätvoll am Herd, sondern emotional. Kohler hat nach dem staatlich verfügten erneuten Stillstand zwei Stunden per Telefon mit seinen Kollegen konferiert. Der Tenor ist klar: „Da hätte es andere Lösungen gegeben, zum Beispiel mit einer vorgezogenen Sperrstunde und Kontrollen.“

Es trifft damit eine Branche ins Mark, die im Ländle angesichts ihrer Bedeutung und ihrer Leistungen immer gern auf den Schild gehoben wird.

Bundesliga-Volleyballer ohne Einnahmen

Die Bühler Bundesliga-Volleyballer blicken derweil ihrem ersten Geisterspiel entgegen, und Manager Oliver Stolle benötigt keinen Taschenrechner, um die hohen Verluste vorzurechnen: „Uns fehlen die kompletten Einnahmen durch den Kartenverkauf und die Gästebewirtung.“ Dazu komme die emotionale Komponente: „Das ist natürlich nicht der Bühler Hexenkessel, wenn die Zuschauer fehlen.“

Die erfolgreichen Bühler Schwimmer fragen sich ebenfalls, wie es weiter geht. Das Schwarzwaldbad macht vorerst dicht, Schulsport darf aber vermutlich stattfinden, Vereinssport nicht: „Wir stellen auf jeden Fall schon mal auf individuelles Trockentraining um“, erklärt Trainer Christian Hensel. Über die Sorgen in der Kleinkunst-Szene wurde an diesem Donnerstag berichtet, Rocksänger Peter Teichmann und Rüdiger Schmitt als Schüttekeller-Impressario sprachen über ihre Sorgen.

Jürgen Kohler verdeutlicht die schwierige Situation der Gastronomen und Hotelliers eindrücklich: Viele Betriebe hätten kräftig investiert, teils im fünfstelligen Bereich, um den Anforderungen der Corona-Verordnung zu genügen. Und kaum sei nach dem ersten Stillstand alles halbwegs wieder angelaufen, kommt die zweite Zwangspause.

Die Gemütslage beschreibt der Bühler Dehoga-Chef knapp: „Wir sind alle geschockt, damit haben wir nicht gerechnet.“ Die Probleme liegen auf der Hand, es geht um immense Verluste. Perspektiven, die Ausfälle vielleicht irgendwie ein bisschen kompensieren zu können, tun sich in den nächsten Monaten nicht auf.

Gastronomen ohne Weihnachtsfeiern

Das lässt sich an den Weihnachtsfeiern ablesen, im Spätjahr eigentlich der Quotenbringer der Gastronomen. „So gut wie keine“ gebe es, konstatiert Kohler. Klaus Flaig berichtet, Ab- und Zusagen hielten sich derzeit in seinem Betrieb noch die Waage. Wenn aber noch weitere Hiobsbotschaften kämen, wäre das schlecht, sagte der der Inhaber des „Ochsen“ in Unzhurst vor ein paar Tagen. Genau das ist jetzt geschehen.

Viele Unternehmen verzichten in diesem Jahr auf das traditionelle, gesellige Beisammensein in den letzten Wochen des Jahres, weiß Flaig. Bei manchen Firmen seien diese gemeinsamen Essen sogar untersagt. Jochen Ebner und sein Team haben auf die Corona-Pandemie reagiert: Im „Sternen“ in Bühl bleibt die Küche über die Weihnachtsfeiertage kalt, berichtet der Chef.

Christian Röck, Inhaber „Linde“ erwartet geschäftlich einen „harten Winter“. Wie seine Kollegen tut Röck alles, um die Corona-Verordnung einzuhalten, hat ein ausgefeiltes Hygiene-Konzept umgesetzt. Und nun kommt trotzdem der Lockdown.

Die Ungewissheit, sie nagt aber nicht nur am Gemüt der Gastronomen. „Planen können wir nichts“, sagt Trainer Christian Hensel, denn wie (oder auch ob) es im Dezember weiter geht, sei nicht abzusehen. Volleyball-Manager Stolle will zumindest versuchen, einen Teil der entgangene Einnahmen über Fördertöpfe hereinzuholen. Und in einem Punkt gibt er sich kämpferisch: „Wir wollen die Spiele vor leeren Rängen trotzdem gewinnen.“

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