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Fahrradhändler im Stress

Warum Fahrradfahrer gerade monatelang auf Reparaturen warten müssen

Seit Corona hat sich ein Run auf Fahrräder entwickelt. Das bereitet Fahrradhändlern so viel Stress, dass Fahrradfahrer häufig monatelang auf Reparaturen und Bestellungen warten müssen.

Eine gute Beratung: Vor allem die jüngeren Jahrgänge interessieren sich zunehmend für die sogenannten E-Bikes. Die Nachfrage steigt derzeit überdurchschnittlich. Foto: Bernhard Margull bema

Es ist kaum zu glauben: „Das Fahrrad meiner Tochter bremst nicht richtig. Kann ich schnell vorbei kommen?“, lautet die dringliche Frage an den Fahrradhändler. „Nein, wenn das Rad nicht bei uns gekauft wurde, müssen Sie sich einen Reparatur-Termin geben lassen. Und das wird vor Ende August wahrscheinlich nichts mehr“, erteilt der Mann vom Fahrradshop eine klare Absage. Auch bei anderen Fahrradläden in der Region ergibt sich das gleich Bild.

„Ganz abgesehen von den Reparaturen. Die meisten Fahrradhersteller sind leer gekauft und können zur Zeit nicht mehr liefern“, fasst Frank Schmidt, Inhaber des Radhauses in der Steinstraße die allgemeine Situation zusammen. Diese wird wesentlich durch die Faktoren Saison, Corona mit Produktionsausfällen bei den Herstellern und dem verstärkten Trend zum E-Bike besonders unter jungen Fahrern geprägt.

Was ist los bei den Fahrrad-Shops, wieso dauert es so lange, bis vom Service ein durchaus profaner Auftrag angenommen wird? „Alles hat seine Zeit. Und so gibt es natürlich auch bei uns saisonbedingte Boomphasen. Aber zurzeit spüren wir deutliche zusätzliche Impulse. Das liegt sich auch an der Auszeit durch Corona, als die Menschen zu Hause geblieben sind. Jetzt ist Bewegung angesagt und sie wollen etwas sehen. Das kann man hervorragend mit dem Fahrrad vereinen“, stellt Thomas Rest, Betriebsleiter des gleichnamigen Fahrradgeschäftes in Bühl und Achern fest. Die Mitbürger hätten wieder das Fahrrad als hervorragendes Transportsystem entdeckt.

„In dieser Lage ist es wohl verständlich, dass wir Stammkunden bevorzugen indem wir diesen den Vortritt geben. Das bedeutet eine Reparatur maximal in vier Tagen, weil wir nicht garantieren können, dass die entsprechenden Zulieferer ein gewünschtes Ersatzteil im üblichen Zeitraum hereinschicken“, setzt er auseinander. Normalerweise sei die saisonal starke Nachfrage zu diesem Zeitpunkt bereits am Abebben. „Aber in diesem Jahr geht die große Auftragslage bereits voll in den Juli über“, freut sich Thomas Rest über das gute Geschäft für seine rund 20 Mitarbeiter an den Standorten Bühl und Achern.

Trend zum E-Bike bleibt

Der Trend zum E-Bike setzt sich nach Angaben der Unternehmer in der Region deutlich fort. „In der Anfangsphase haben sich vor allem ältere Kunden für das Fahrrad mit Elektroantrieb entschieden, weil sie damit ihren Aktions-Horizont erweitern können. Mittlerweile ist dieses Image jedoch überholt, denn zunehmend jüngere Menschen zielen auf diese nicht ganz billige Komfortvariante“, weiß Thomas Rest.

Das Motto lautet 27-5 plus und bezieht sich auf die Dimension der Reifen der Mountainbikes. „Die Dimension und damit der Komfort nehmen ständig zu. Auch die Qualität der Rahmen, der Federung und natürlich des Designs.“ Nicht selten geht ein solches Fahrrad für 5.000 Euro aufwärts an den neuen Besitzer. „Es ist schlichtweg irre“, freut sich Joachim Weiss, Inhaber des Bühler Zweirad-Zentrums. Seiner Meinung nach komme nun voll und ganz der Nachholbedarf durch die Corona-Einschränkungen zum Tragen.

„Und auch das E-Bike hat sich vom typischen Oma-Fahrrad wegentwickelt. Ob nun von Bühlertal herunter zum Einkaufen oder nach Sasbach zum Geschäft oder in die Schule: Mit dem Fahrrad muss man nicht in den Bus steigen und auch nicht warten“, zeigt er die Vorteile auf. Auch bei Weiss kommt es zu deutlichen Wartezeiten, denn der Andrang beim Service sei ebenfalls hoch.

Fahrradfabriken können nicht liefern

„Was soll ich sagen? Wir haben für unsere Kunden im Hof ein Zelt aufgebaut, damit das Warten etwas bequemer ist. Reparaturtermine gibt es nicht vor Ende August und auch für die Beratung machen wir Termine“, schildert Heike Fuhr von Zweirad Fuhr in Sinzheim die Lage. „Fahrrad fahren ist für viele jetzt der Urlaub. Durch Corona ist das Bike in den Vordergrund gerückt. Die Kunden kaufen, was sie bei uns bekommen können.“

„Es ist manchmal unglaublich, auf was für Teile man warten muss. Die Fahrradfabriken können nicht mehr liefern nach den Produktionsausfällen. Sie sind schlicht leer gekauft. Viele Kunden nehmen deshalb auch, was sie kriegen, weil sie jetzt Fahrrad fahren wollen“, berichtet Inhaber Frank Schmidt vom Radhaus. Das E-Bike sei nun in allen Altersschichten angekommen „Hier stehen auch 14-Jährige und stellen sich ihr neues E-Bike zusammen. Wir hatten früher das Mofa“, sagt er und lacht.

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