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Belastung von Boden und Wasser

Wasserproblem ungelöst: Landwirte in Mittelbaden kämpfen weiter mit Folgen des PFC-Skandals

Die PFC-Problematik beschäftigt Landwirte in Mittelbaden bis heute. Noch immer haben viele Betriebe mit Einschränkungen und zusätzlichen Kosten zu kämpfen. Unterdessen wird weiter nach Lösungen gesucht.

Die Landwirtschaft musste sich in den vergangenen Jahren anpassen Foto: Patricia Klatt

Die Region Mittelbaden sieht sich seit Ende 2012 mit den Folgen einer großflächigen Belastung von Boden und Wasser durch per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) konfrontiert. Was bedeutet das für die Landwirtschaft, damals und heute?

„Man stellt sich von allen Seiten den Herausforderungen und versucht, Lösungen zu finden“, lautet das Resümee von Thomas Huschle, dem Kreisverbandsvorsitzenden des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) für die Region Rastatt/Bühl/Achern über die bisherigen Jahre der PFC-Belastung in Mittelbaden.

Die Situation sei von Anfang an schwierig für die betroffenen Betriebe gewesen. „Wo kommen die Stoffe her, wer ist verantwortlich, welchen Konsequenzen hat das für meinen Betrieb?“, das seien einige der Fragen gewesen, mit denen sich die Landwirte der Region ab dem Jahr 2013/2014 auseinander setzen mussten.

Landwirte sind in verschiedenem Ausmaß betroffen

1.159 Hektar rund 11 Prozent der insgesamt 10.162 Hektar Ackerland als belastet.

Auf Bühler Gemarkung sind 118 Hektar mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) belastet, die insgesamt 336 betroffenen Flurstücke verteilen sich auf Bühl (Bußmatten) sowie die Stadtteile Balzhofen, Vimbuch, Oberbruch und Weitenung. Rund 120 Landwirte sind heute in verschiedenem Ausmaß von den Konsequenzen der PFC-Belastung betroffen.

Da sind auf beiden Seiten die Emotionen hochgekocht.
Thomas Huschle, Kreisverbandsvorsitzenden des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes

Es habe zu Beginn weder Grenzwerte noch ausreichende wissenschaftliche Erkenntnisse gegeben, betont Huschle. Das Ministerium für Ländlichen Raum (MLR) hatte 2015 erlaubte PFC-Beurteilungswerte für die Feldfrüchte und Lebensmittel festgelegt.

Spargel, Erdbeeren und andere Produkte überschritten damals teilweise diese Werte und mussten deswegen untergepflügt werden. „Da sind auf beiden Seiten die Emotionen hochgekocht“, erinnert sich Huschle.

Niemand habe gewusst, was da noch kommen könnte, und so mancher habe sich gefragt, ob er womöglich noch den Ackerboden austauschen müsse. Das Landratsamt war allerdings bemüht, den betroffenen Betrieben Perspektiven aufzuzeigen.

Das Vorerntemonitoring zählt für Huschle ebenso dazu wie das individuelle Betreuungskonzept (BeMiKO) für jeden einzelnen Betrieb.

Das Problem ist damals wie ein Tsunami über uns gekommen.
Ein betroffener Landwirt

„Für die Landwirte galt es neben dem PFC-Problem ja ebenfalls die Fruchtfolge zu berücksichtigen, da die Ausschüttung von EU-Geldern auch daran geknüpft ist“, betont der Kreisverbandsvorsitzende. Manche Betriebe haben deswegen den Anbau umstellen müssen.

Auch da habe das Landwirtschaftsamt lösungsorientiert gearbeitet, so Huschle. Das sehen betroffene Landwirte ähnlich. „Das Problem ist damals wie ein Tsunami über uns gekommen“, so einer von ihnen, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Keine Hof-Aufgaben aufgrund der Problematik

Man habe heute natürlich nach wie vor Einschränkungen und Kosten, aber insgesamt sei man auf Landes- und auf Kreisebene offen mit der PFC-Belastung umgegangen. Irgendwie würden nun alle Betroffenen in der „Kette mit drin hängen und Federn lassen“, das ginge an niemandem spurlos vorbei.

Thomas Huschle hat insgesamt den Eindruck, dass sich der größere Teil der Betriebe gut begleitet fühlt, und er kennt auch keine Hof-Aufgaben aufgrund von PFC-Belastungen.

Das Ministerium für Ländlichen Raum hat bislang für die begleitenden Untersuchungen rund 1,2 Mio Euro in die Hand genommen. Mittlerweile sind die notwendigen Untersuchungen dort als Dauerausgabe eingeplant.

„Diese finanzielle Unterstützung ist momentan alternativlos und muss aufrecht erhalten bleiben“, lässt Huschle keinen Zweifel.

Die Landwirte, die sich zusätzlich noch mit PFC im Beregnungs- oder Tränkewasser konfrontiert sehen, würden sich allerdings über Unterstützung auch in diesem Bereich freuen.

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