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Hohe Kosten für Schausteller

Weihnachtsmarkt-Frust in vielen Städten in der Region

Es hat nicht sollen sein. Einige Weihnachtsmärkte sind abgesagt. Das frustriert die Schausteller. Andernorts brauchen Geimpfte und Genesene einen aktuellen Test, um in die Budenstädte zu dürfen. Ein Überblick über die Situation in der Region.

Populärer Weihnachtsmarkt: Der Sternlesmarkt in Ettlingen war vor Corona sehr gefragt. Jetzt wurde sehr kurzfristig die Reißleine gezogen. Doch auch andernorts ist der Frust groß. Foto: Werner Bentz

Von wegen Budenzauber! Etliche Weihnachtsmärkte in der Region dürfen nun doch nicht öffnen. Da ist der Frust bei Schaustellern groß. Und diejenigen Besucherinnen und Besucher, die hin wollten, sind enttäuscht.

Einige Städte halten an ihren Weihnachtsmärkten fest. Geimpfte und Genese, die einen Glühwein trinken wollen, brauchen in der Corona-Alarmstufe II aber zusätzlich einen aktuellen Testnachweis.

Ein Überblick über die Situation in der Region:

Karlsruhe

So früh wie nie zuvor wurde der Weihnachtsmarkt Karlsruhe bereits an diesem Montag eröffnet, da noch mit der 2G-Zugangsregel. Nachdem seit Mittwoch der Landesvorgabe zufolge 2G plus gilt, brach der Besucherzustrom ein. Die Schausteller wollen nun die nächsten Tage abwarten und dann entscheiden, ob der Christkindlesmarkt weiterläuft.

„Auch ein Abbruch ist denkbar, wenn zu wenige kommen und es sich nicht lohnt“, erklärte die Vorsitzende der Karlsruher Schausteller, Susanne Filder. Nächste Woche werde die Entscheidung fallen. Insgesamt gibt es rund 80 Buden, verteilt auf drei Areale: den Markt- und den Friedrichsplatz und das Gelände neben der Kirche St. Stephan. Die Budenstadt soll planmäßig bis 23. Dezember laufen. Sie öffnet täglich um 11 Uhr.

Bühl

Es wird ein Adventsmarkt wie kein anderer zuvor in Bühl. Wenn der Weihnachtsmarkt Bühl, der in Bühl Adventsmarkt heißt, am Freitag um 15 Uhr seine Tore öffnet, wird das hinter einer Absperrung geschehen. Bei 2G plus haben nur Geimpfte und Genesene Zutritt, die zusätzlich einen negativen Schnelltest vorweisen können.

„Dafür sind wir gerüstet“, erklärte Ordnungsamtsleiter Andreas Bohnert auf der Pressekonferenz. „Unmittelbar neben dem Adventsmarkt befindet sich direkt an der Bühlot eine Teststation. Deren Öffnungszeiten haben wir mit denen des Adventsmarktes abgestimmt.“

Ob der Adventsmarkt angesichts der rasant steigenden Infektionszahlen tatsächlich wie geplant bis zum 19. Dezember geöffnet bleibt, weiß aktuell niemand. „Wir wollen das Angebot so lange wie möglich aufrecht erhalten“, sagte Oberbürgermeister Hubert Schnurr (Freie Wähler).

Die Beschicker sind offensichtlich nicht alle optimistisch. Ein Imbissbetreiber, der gleich zwei Hütten betreiben wollte, hat bereits vor dem Startschuss die Konsequenzen gezogen. „Er hat Bedenken, dass sich sein Engagement finanziell nicht rechnet“, berichtete Bohnert. Zwei Stände müssen also wieder abgebaut werden. Es bleiben 25 auf dem Markt- und Kirchplatz.

Bretten

In Bretten und den Umlandgemeinden gibt es mittlerweile eine lange Liste mit abgesagten Weihnachtsmärkten. Demnach findet in diesem Jahr weder in der Fauststadt Knittlingen noch in den Gemeinden Gondelsheim, Sulzfeld, Zaisenhausen und Oberderdingen oder im Brettener Stadtteil Diedelsheim ein Budenzauber statt.

Eine zumindest vage Hoffnung besteht dagegen – zumindest nach jetzigem Stand – noch in der Melanchthonstadt Bretten. Wie Oberbürgermeister Martin Wolff auf Anfrage dieser Redaktion mitteilte, wird die endgültige Entscheidung darüber, ob der Weihnachtsmarkt in der Großen Kreisstadt auch tatsächlich über die Bühne gehen kann, am kommenden Montag, 29. November, getroffen.

Der Brettener Weihnachtsmarkt ist in abgespeckter Form als reiner Kunsthandwerkermarkt und definitiv ohne gastronomisches Angebot am dritten (10. bis 12. Dezember) und am vierten Adventswochenende (17. bis 19. Dezember) geplant. Die Buden und Hütten der Kunsthandwerker werden, sollte der Markt stattfinden, auf mehreren Plätzen rund um das Rathaus in der Unteren Kirchgasse aufgebaut.

Ettlingen

Sehr kurzfristig die Reißleine gezogen hat die Stadtverwaltung beim Weihnachtsmarkt Ettlingen, besser bekannt als Sternlesmarkt. Zunächst hatte man gehofft, eine abgespeckte Version des beliebten Hüttenzaubers mit einem dezentralen Konzept abhalten zu können: Glühwein und Bratwurst sollte es nur für Geimpfte und Genesene im Schlosshof geben, Kunsthandwerker hätten ihre Waren am Neuen Markt und im Stadtgarten feilbieten können.

Die verschärfte Corona-Verordnung vom 24. November sah dann aber 2G plus für den ganzen Weihnachtsmarkt vor, eine Einzäunung und Einlasskontrollen an sämtlichen Buden-Standorten wären notwendig gewesen. Deshalb wurde der Hüttenzauber letztlich einen Tag vor der geplanten Eröffnung am 25. November abgesagt.

Am Abend erfuhren die Marktbeschicker, dass sie ihre gerade erst eingeräumten Buden am nächsten Tag wieder ausräumen müssen. Die Frustration war am Donnerstagmorgen entsprechend groß. Viele Händler bleiben auf bestellter, teils verderblicher Ware sitzen, Tausende Euro Umsatz brechen ihnen weg. Den Mitarbeitern, die sie eigens für den Weihnachtsmarkt akquiriert haben, müssen sie absagen.

Hardt

Der Walzbachtaler Hüttenzauber ist abgesagt. Wie die Gemeinde am Mittwoch mitteilte, fällt der Adventsmarkt in Jöhlingen am 27. November aus. Auch der Markt in Wössingen ist gestrichen, er war am 11. Dezember geplant. Bürgermeister Timur Özcan (SPD) hielt bis zuletzt an den Veranstaltungen fest.

Nun ist die Entscheidung gefallen. „Leider steht fest, dass der für dieses Jahr geplante Walzbachtaler Hüttenzauber nicht stattfinden kann“, sagte Özcan. Die hohe Hospitalisierungsrate lasse das nicht zu. Walzbachtal zählte zu den letzten Kommunen im nördlichen Landkreis, die noch unentschlossen waren. Nun hofft Özcan auf das kommende Jahr.

Auch in Linkenheim-Hochstetten fallen Adventsmarkt sowie Kunst- und Hobbyausstellung aus. Beide Veranstaltungen sollten am kommenden Wochenende stattfinden. Die 2G-plus-Regel habe die Gemeinde dazu veranlasst, beide Termine abzusagen – das schrieb sie in den sozialen Netzwerken.

Im nördlichen Landkreis sagten Städte und Gemeinden in den vergangenen Wochen nach und nach ihre Märkte ab. Zuvor strichen Dettenheim, Stutensee, Eggenstein-Leopoldshafen, Weingarten und Graben-Neudorf ihre Adventsmärkte.

Rastatt

Die Schausteller des Rastatter Weihnachtsmarkts sind frustriert. Nachdem am Mittwoch die 2G-plus-Regel in Kraft getreten ist, ging die Kundenfrequenz spürbar zurück. Hugo Levy, der die große Glühweinpyramide im Zentrum des Markts und weitere Stände betreibt, sagt: „Ich schau mir das noch bis zum Wochenende an. Wenn sich dann nichts ändert, baue ich ab.“

Unter diesen Umständen rechne sich das Geschäft nicht. Hätten die Beschicker gewusst, dass 2G plus komme, wären sie erst gar nicht angereist: „Niemand von uns hätte seinen Vertrag unterschrieben.“

Die Stadtverwaltung plant bislang nicht, die Veranstaltung abzubrechen. Ein neues Testzentrum direkt am Markplatz soll es Besuchern einfacher machen. Die städtische Pressesprecherin Heike Dießelberg sagt: „Wir sagen ,Ja‘ zum Weihnachtsmarkt.“

Pforzheim

Drei Tage nach der Eröffnung am Montag war der Weihnachtsmarkt Pforzheim schon wieder vorbei. Am Mittwochmorgen ließ Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) das Aus für den Goldenen Weihnachtsmarkt und den Mittelaltermarkt im Herzen der 125.000-Einwohner-Stadt verkünden. Als Begründung nannte die Pforzheimer Verwaltungsspitze die neue Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg mit 2G plus und Zugangsbeschränkungen.

Diese Auflagen „zerstören jedes vernünftige Konzept“, so hieß es. Kritik gibt es aber auch an der Stadtverwaltung, sie hätte den Weihnachtsmarkt bereits im Vorfeld besser auf die sich abzeichnende Zuspitzung der Corona-Lage vorbereiten können. Die Absage sei „der falsche Weg“, erklärte der Pforzheimer FDP-Bundestagsabgeordnete Rainer Semet.

Gaggenau und Gernsbach

Die Stadt Gaggenau hält weiterhin an einem verkleinerten Adventsmarkt fest. Das teilte Judith Feuerer, Pressesprecherin der Stadt, auf Nachfrage dieser Redaktion mit. Es wird keinen Glühweinausschank und kein Bühnenprogramm geben. Ab diesem Freitag bis 12. Dezember werde nur Kunsthandwerk und Essen zum Mitnehmen auf dem Sandplatz neben dem Rathaus angeboten, so Feuerer.

„Wir wollen damit trotz Corona eine vorweihnachtliche Stimmung in der Innenstadt verbreiten“, sagt sie. „Die Markthändler sollen ihre bereits gefertigten Produkte anbieten können.“ Auch in Gernsbach setzt die Stadtverwaltung darauf, dass der Weihnachtsmarkt Gernsbach wie geplant am dritten Adventswochenende vom 10. bis 12. Dezember stattfinden kann.

Das teilt die städtische Pressesprecherin Nicoletta Arand mit. Das geplante Hygienekonzept sieht keine Trennung von Gastronomie und Kunsthandwerk und eine 2G-plus-Regel vor.

Baden-Baden

Der Weihnachtsmarkt Baden-Baden findet wie ursprünglich geplant vom 25. November bis einschließlich 6. Januar statt. Er ist in der Regel von 11 bis 21 Uhr geöffnet (abweichende Öffnungszeiten an einigen Feiertagen). Für Besucher gilt die 2G-plus-Regel, das heißt: Einlass erhält nur, wer geimpft oder genesen ist und zudem einen zertifizierten aktuellen negativen Schnelltest vorlegt. Die Eingänge mit den Kontrollstationen befinden sich bei den Kurhaus-Kolonnaden in der Kaiserallee und bei der Trinkhalle.

Das Sicherheits- und Schutzkonzept sieht vor, dass das Gelände des Weihnachtsmarkts komplett eingezäunt ist. Die Kolonnaden-Geschäfte und das Kurhaus bleiben zugänglich, sie liegen außerhalb des Marktgeschehens. Um den Besuchern mehr Abstand zu ermöglichen, sind nur 100 statt der früher üblichen 130 Hütten aufgebaut. Auf der Bühne der Konzertmuschel im Kurpark gibt es jeden Tag ein Live-Programm.

Achern

In Weihnachtsmarkt Achern öffnet an diesem Freitag um 16 Uhr in der „Light“-Version. Die Zahl der Buden ist auf etwa die Hälfte reduziert, es gilt natürlich 2G Plus – die Stadt hat neben dem Markt eigens eine Teststation aufstellen lassen. Die Händler seien anfangs skeptisch gewesen ob sich unter diesen Bedingungen noch ein Geschäft machen lässt, zumal just während des Aufbaus der Buden die Landesregierung über weitere Verschärfungen der Corona-Regeln beraten habe.

Doch man setze auf ein kaufwilliges Publikum: „Wer jetzt den Weihnachtsmarkt besucht, macht das wahrscheinlich bewusster als früher“, sagt Christian Zorn, Leiter des Fachgebietes Wirtschaftsförderung bei der Stadt. Der Markt soll bis zum 19. Dezember geöffnet sein, zur Eröffnung und am Samstag bis 21 Uhr, danach an den meisten Tagen von 16 bis 20 Uhr.

Der Zugang wird kontrolliert, außerdem müssen Besucher ihre Kontaktdaten hinterlassen.

Bruchsal

Von Stand zu Stand gegangen ist Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick, um die Beschicker zum Bleiben zu überreden. Eigentlich wollten einige schon nach dem ersten 2G-plus-Tag direkt wieder abbauen. Nun wollen sie zumindest bis Sonntag ausharren und hoffen, dass die Kunden die Regeln annehmen.

„Wir sagen den Markt nicht ab“, so die klare Ansage aus dem Rathaus. Rund 20 Buden sind dezentral über die Stadt verteilt. Am Dienstagabend war noch gut besucht, am Mittwoch dann aber die Frustration groß. „Die Leute lassen ihren Ärger bei uns raus“, berichtet Ingrid Alt. Sie betreibt die große Glühwein-Pyramide am Kübelmarkt. Die Stadt will so schnell wie möglich eine Teststation am Markt einrichten und die Beschicker bei den Kontrollen unterstützen.

Für diesen Beitrag recherchierten: Tina Givoni, Dirk Neubauer, Ulrich Coenen, Christof Bindschädel, Julia Trauden, Karoline Scharfe, Holger Siebnich, Daniel Streib, Adrian Mahler, Michael Rudolphi, Frank Löhnig, Dirk Neubauer und Christina Zäpfel.

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