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Medizinische Angebote weiterhin denkbar

Welche Perspektiven hat das Krankenhaus Bühl noch, wenn das Zentralklinikum Mittelbaden kommt?

Droht dem Bühler Krankenhaus das Aus? Als Standort für ein mögliches Zentralklinikum kommt die Stadt nicht in Betracht. Doch es gibt einige Überlegungen für medizinische Angebote auch nach dem Bau eines Zentralklinikums.

Ein Standort der Gesundheitsversorgung: Seit 1967 ist das Bühler Krankenhaus am südlichen Stadtrand angesiedelt. Später kam ein Ärztehaus hinzu (links im Bild). Geplant sind aktuell ein Pflegeheim und ein Parkdeck. Foto: Foto: Bernhard Margull

Anfang Juli platzte die Bombe: Landrat Toni Huber präsentierte ein Gutachten zur Zukunft des Klinikums Mittelbaden (KMB), das empfiehlt, die bisherigen drei Akutkliniken in Rastatt, Baden-Baden und Bühl zu schließen und stattdessen an einem zentralen Standort ein neues Krankenhaus zu bauen.

In Auftrag gegeben hatte das Strukturgutachten der Aufsichtsrat des kommunalen Klinikverbunds in der Trägerschaft von Landkreis Rastatt und Stadt Baden-Baden. Sie alle wollen das KMB fit für die Zukunft machen. Doch was heißt das genau? Seitdem das Gutachten des Unternehmens aktiva publik geworden ist, war von den Verantwortlichen lange Zeit nichts zu hören. Im November sollte es dann mehrere Informationsveranstaltungen für die Öffentlichkeit geben.

Endet mit der Zentralklinik die Bühler Krankenhausgeschichte

Wegen Corona fand bislang nur eine statt, und die digital, eine weitere Online-Information folgt am 8. Dezember. In mehreren Sonderseiten stellen die BNN den Stand der Diskussion dar. Heute im Fokus: der Standort Bühl.

Bühl ohne Krankenhaus? Das gab es zuletzt vor mehreren Jahrhunderten. Gutleuthaus, Spital, städtisches Krankenhaus, Kreiskrankenhaus und seit 2003 Teil des Klinikums Mittelbaden – es ist eine Geschichte mit vielen Facetten, mit vielen Kapiteln. Wird es aber ein weiteres geben, wenn tatsächlich ein Zentralklinikum gebaut wird oder endet dann die Bühler Krankenhausgeschichte? Als Standort für ein künftiges Zentralklinikum für den Landkreis Rastatt und die Stadt Baden-Baden scheidet die Stadt Bühl wegen ihrer Lage in der Nachbarschaft zum Ortenaukreis aus.

Das gilt im Übrigen auch für eine mögliche Zwei-Standort-Lösung Rastatt/Bühl oder Baden-Baden/Bühl. Das Strukturgutachten sieht für diesen Fall in der dezentralen Lage des Standorts Bühl einen erheblichen Nachteil, weil der Ausbau des Klinikums erschwert würde, wegen der längeren Fahrzeiten würde die Personalsuche schwierig. Spätestens seit der Schließung der Geburtshilfe in Bühl 2016 ist beim Blick auf das Krankenhaus immer wieder von einem „Sterben auf Raten“ die Rede gewesen.

Jetzt ist es vor allem die Linke, die gegen das befürchtete Aus mobil macht: „Die Schließung der Bühler Klinik wäre ein Schlag gegen die wohnortnahe Krankenversorgung und verheerend für den Raum Bühl“, sagt Kreisrat Dieter Balle.

Medizinisches Versorgungszentrum möglich

Oberbürgermeister Hubert Schnurr, der auch im Aufsichtsrat des Klinikums Mittelbaden sitzt, widerspricht und begründet dies mit zwei Aspekten. Über Jahre hinweg sei versucht worden, unter den gegebenen Rahmenbedingungen einen wirtschaftlichen Klinikbetrieb aufrechtzuerhalten. Für eine Akutklinik seien die vorgeschriebenen Fallzahlen aber nicht mehr zu erreichen gewesen, „das ist eine Folge der Gesundheitspolitik des Bundes, die die Rahmenbedingungen immer weiter verändert hat“, sagt Schnurr.

Stattdessen seien einige neue Angebote in Bühl angesiedelt worden, seien es die Altersmedizin, die Handchirurgie oder die Sportmedizin. Dies, hier kommt der zweite Punkt ins Gespräch, weise auch in die Zukunft. Gemeinderat und Verwaltung seien sich im Ziel einig, Bühl als medizinischen Standort sichern zu wollen; die Notwendigkeit einer Zentralisierung werde anerkannt. Das geplante Pflegeheim auf dem Standort des im vergangenen Jahr abgebrochenen Schwesternwohnheims , das benachbarte Ärztehaus, das seien Dinge, die auch eine gewisse Weichenstellung bedeuteten.

Grundsätzlich wäre es auch denkbar, das Areal mit Blick auf eine Wohnbebauung zu überplanen, sagt Schnurr, aber die Lage spreche gegen ein Wohngebiet: „Zudem sind hier schon solche medizinische Pflöcke eingeschlagen, dass es am sinnvollsten wäre, artverwandte Vorhaben anzusiedeln.“ Mittel- bis langfristig sei auch ein Medizinisches Versorgungszentrum möglich. Auf diese Weise könne ein etwaiger Mangel an niedergelassenen Ärzten aufgefangen werden, und schon jetzt seien mehr als 700 Quadratmeter in der Bühler Klinik vermietet.

OP-Zahlen haben sich verdoppelt

Das bestätigt Thomas Iber, der Medizinische Geschäftsführer des KMB. So sei Bühl der Schwerpunktstandort Physiotherapie für das gesamte Klinikum Mittelbaden, und daran seien auch Partner beteiligt, die nicht zum Klinikum gehörten. Das Bühler Krankenhaus sei über die Jahre an die sich verändernde Medizinlandschaft angepasst worden. Der Trend zu ambulanten Operationen ist dafür ein Beispiel. „Früher hatten wir in Bühl im Jahr etwa 2.500 Operationen“, berichtet Iber. „Seit wir den Standort zum Zentrum für ambulante Operationen gemacht haben, sind es fast 5.000, und mehr als die Hälfte davon erfolgt ambulant.“

Durch immer schonendere OP-Techniken könnten heute Eingriffe „tagesgleich“ vorgenommen werden, nach denen vor einigen Jahren noch ein Klinikaufenthalt von fünf oder zehn Tagen notwendig gewesen sei. Dieser Trend werde sich noch fortsetzen: „Bei einem Leistenbruch bleibt der Patient derzeit noch eine Nacht in der Klinik. Das wird sich aber auch ändern.“ Iber schränkt jedoch ein: „Das geht aber nur, wenn der Patient zu Hause versorgt ist.“

Dann wäre das für uns eine gute Lösung.
Felix Brenneisen Vorsitzender Freundeskreis Bühler Krankenhaus

Ein Zentralklinikum biete die Möglichkeit, die spezialisierte Medizin an einem Standort zusammenzuführen. „Das lässt sich nicht parallel an drei Standorten abbilden. Dazu gibt es weder genügend Personal noch genügend Fälle“, sagt Iber. Das ist ein Aspekt, den auch Felix Brenneisen nennt.

Er blickt aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Diskussion um die Zukunft des Klinikums: Brenneisen ist seit 2016 Vorsitzender des Fördervereins Freundeskreis Bühler Krankenhaus, als Vorstand des DRK auch Geschäftsführer des Rettungsdiensts Mittelbaden und schließlich der Vorsitzende des Bereichsausschusses für den Rettungsdienst in Mittelbaden. Für den Rettungsdienst sieht er in einem Zentralklinikum mit Blick auf die Zukunft die einzige richtige Lösung, möglichen Synergien und Verbesserungen bei internen Verlegungen seien Gründe dafür.

Dass Notarztstandort und Rettungswache erhalten bleiben, sei sehr wichtig. Im Zusammenspiel von Rettungsdienst und Klinikum sei es entscheidend, dass bei „eigentlichen und tatsächlichen Notfällen gleich richtig entschieden und bei der Einsatzfahrt der entsprechende Spezialist angesteuert wird“. Dann sei es auch vertretbar, wenn die Fahrt einige Minuten länger dauere.

Als Vorsitzender des Fördervereins Freundeskreis Bühler Krankenhaus erkennt Brenneisen den wirtschaftlichen Druck an, der auf dem Klinikum laste. Er hoffe aber, dass es hier auch künftig medizinische Angebote gibt. Wenn Einrichtungen wie die Handchirurgie, die Sportmedizin oder das ambulante OP-Zentrum auch nach dem Bau eines Zentralklinikums hier blieben, „dann wäre das für uns eine gute Lösung“. Bühl also in zehn Jahren ohne Krankenhaus? Im Dezember 2020 lautet die Antwort: eher nicht.

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