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Vorsichtiger Kontakt

Wiedersehen zwischen Jennifer aus Bühl und ihrem Vater in Bremen

Die 17-jährige Jennifer galt 2020 monatelang als vermisst, wurde dann Ende Dezember in Bremen gefunden, um kurz später erneut abzutauchen. Nun hat der Vater seine Tochter am Mittwoch in Bremen wiedergesehen.

Großer Einsatz: Mit Flugblättern hat Jennifers Familie im vergangenen Jahr nach ihr gesucht. Foto: privat

Das Treffen erfolgte im Beisein von Mitarbeitern des zuständigen Jugendamtes in der Wohnung des Vaters von Jennifers Freund, S.. Das berichtet Jennifers Vater, Dimitri M., während seiner Rückreise nach Bühl.

Wie er erzählt, hatten Nachbarn von S. Vater die Familie M. am Dienstag informiert, das Mädchen vor der Wohnung beobachtet zu haben. „Wir haben die Polizei und das Jugendamt Bremen in Kenntnis gesetzt. Ich und Jennifers Onkel sind letztlich einfach losgefahren, da die Behörden uns signalisierten, dass wir Jennifer weiterhin nicht sehen dürften.“ In Bremen angelangt, habe S., nachdem sie an der Wohnung geklingelt hätten, nicht geöffnet, sie beschimpft und dann die Polizei informiert.

Das erwies sich letztlich als Glück aus der Sicht von Jennifers Vater. „Die Polizisten kamen an, als wir gerade mit den Nachbarn sprachen. Die Beamten gingen davon aus, dass wir Waffen bei uns trugen, da S. das behauptet hatte. Wir wiesen uns aus und boten ihnen an, uns und das Auto zu durchsuchen.“

Jugendamt Rastatt wirkt positiv auf Sachbearbeiter ein

Die Beamten hätten die Situation – auch die Verzweiflung der Familienangehörigen – schnell richtig eingeschätzt. „Sie riefen die Sachbearbeiter des Jugendamtes hinzu.“ Denn inzwischen sei Jennifer in Bremen in die Obhut des Jugendamts übergeben worden, bestätigt die Bremer Polizei.

Die Sachbearbeiter des Jugendamts seien bisher sehr abweisend aufgetreten, so Dimitri M.. „Sie glauben offenbar S.s Version der Dinge. Er hatte unter anderem angegeben, Jennifer habe Angst vor uns, da wir sie wiederholt geschlagen hätten. Er schreckt vor keiner Lüge zurück.“

Dass die Sachbearbeiter letztlich doch auf die Bitte eingegangen seien, dem Vater ein Gespräch mit seiner Tochter zu ermöglichen, führt der auf das Einwirken des Jugendamtes Rastatt zurück. „Der Leiter der Außenstelle in Bühl, der unseren Fall seit langem begleitet und die familiären Hintergründe kennt, hat wohl telefonisch etwas erreichen können.“

Zur Erinnerung: 2020 war in Baden-Baden gerichtlich ein Kontaktverbot zwischen Jennifer und ihrem Freund verfügt worden; das Gericht sah eine Kindeswohlgefährdung.

Das Gespräch mit seiner Tochter, sagt Vater M., sei gut verlaufen. „Ihr Freund blieb in einem anderen Zimmer. Ich habe Jennifer als Zeichen des Friedens ihre Versicherungskarte gegeben, damit sie endlich medizinisch versorgt wird. Sie war ein bisschen zurückweisend, aber ich gehe davon aus, dass das auch mit der negativen Einflussnahme durch S. zu tun hat.“

Vater weinte viel auf der Heimfahrt - auch vor Glück

Er und seine Frau, obschon sorgeberechtigt, respektieren Jennifers Wunsch, bei ihrem Freund in Bremen zu bleiben. „Natürlich hätten wir uns erträumt, sie mit nach Hause zu nehmen. Aber immerhin haben wir jetzt endlich wieder Kontakt. Sie hat mir auch ihre Handynummer gegeben.“

Für Dimitri M. hat sich die lange Fahrt nach Norddeutschland gelohnt. Er habe viel geweint, sagt er, am Ende auch vor Glück. Immerhin gebe es nun eine Basis für die künftige Kommunikation. „Das Wichtigste ist: Jennifer ist gesund. Und das Bremer Jugendamt hat zugesagt, sie ins Krankenhaus zu begleiten und sich auch weiterhin um ihr Wohlergehen zu kümmern.“

Eins hat er seiner Tochter klar gemacht, wie er glaubt: „Sie darf jederzeit zu uns zurück. Wir werden ihr niemals Vorwürfe machen: Sie ist unser Kind, und wir lieben sie, was auch immer geschieht.“

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