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Kreistag vertagt die Entscheidung

Zukunft der Geburtshilfe in Rastatt bleibt offen

Der Kreistag hat seine Entscheidung über die Zukunft der Geburtshilfestation in Rastatt vertagt. Es sollen noch weitere Details und Fakten zu dem Thema gewonnen werden.

Keine Klarheit: Ob die Geburtsstation in Rastatt nochmals geöffnet wird , bleibt äußerst fraglich. Die Tendenz geht zu einem Standort in Balg. Die finale Entscheidung steht aber noch aus. Foto: Hans-Jürgen Collet

Die Zukunft der Geburtsstation im Rastatter Klinikum bleibt weiterhin offen. In der Sitzung des Kreistags am Dienstag in Bühl einigte sich das Gremium fraktionsübergreifend darauf, in einer der beiden nächsten Sitzungen das Thema erneut auf die Tagesordnung zu nehmen.

Wie Sitzungsleiter Hartwig Rihm formulierte, sei damit der Wunsch verbunden, sich mit der Stadt Baden-Baden abzustimmen, und dann zu einem gemeinsamen Beschlussantrag zu gelangen.

Vorausgegangen war dabei eine ausführliche Präsentation der Situation durch den medizinischen Geschäftsführer Thomas Iber, die er bereits bei einer Informationsveranstaltung in der vergangenen Woche in Kuppenheim vorgestellt hatte. Darin war klar geworden, dass die Lösung, künftig nur noch eine Geburtenstation in der Klinik in Balg zu betreiben, vonseiten des Klinikums klar bevorzugt wird.

Versorgungssicherheit steht an oberster Stelle

Iber verwies vor allem nochmals auf die Versorgungssicherheit, aber auch die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal und die Wirtschaftlichkeit als vorherrschende Leitgedanken. „Die Wahrscheinlichkeit eines Todesfalles erhöht sich bei weniger hohen Geburtenzahlen“, erklärte Iber, und diesen Rückgang an Geburten konstatiert er auch für die Entwicklung der Zahlen in Rastatt.

Keine Klarheit: Ob die Geburtsstation in Rastatt nochmals geöffnet wird , bleibt äußerst fraglich. Die Tendenz geht zu einem Standort in Balg. Die finale Entscheidung steht aber noch aus. Foto: Hans-Jürgen Collet

Insgesamt schreite die Zentralisierung der Geburtenstationen in Deutschland allgemein voran. Seit 1991 sei ein Rückgang um 43 Prozent der Geburtshilfe-Abteilungen zu verzeichnen. Ein zentraler Standort habe zudem eine Attraktivitätssteigerung gegenüber dem Ortenau-Klinikum zur Folge. Überdies sei von einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit auszugehen.

Wir stehen im Wort gegenüber der Öffentlichkeit.
Andreas Merkel, CDU-Fraktionssprecher

Hartwig Rihm hatte eingangs der Sitzung von einer „nicht ganz einfachen Thematik“ gesprochen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Merkel erkannte seinerseits die „schwierige Materie“ und sah in der Kommunikation gar ein „Desaster“. Schließlich sei bei der Entscheidung zur Schließung der Station in Rastatt nur Corona als Grund genannt worden.

„Alle sind davon ausgegangen, dass der Betrieb dann nach Corona dort auch wieder aufgenommen wird.“ Merkel meinte, dass „wir deshalb im Wort stehen gegenüber der Öffentlichkeit und der Politik“. Er befürchte einen Verlust an Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Iber hatte „neue Entwicklungen seit 2020“ als Grund für die Zuneigung zu einer Ein-Standort-Lösung vorgebracht. Nach Merkels Meinung sind einige Entwicklungen aber schon früher zu erkennen gewesen, und so sieht er noch einigen Klärungsbedarf.

Auch, ob es für die Zahl der Geburten ausreicht, in Balg mit fünf Kreißsälen zu agieren, sei noch zu prüfen. Merkel lobte das partnerschaftliche Verhältnis zur Stadt Baden-Baden und schlug deshalb einen gemeinsam mit Baden-Baden ausgearbeiteten konkreten Beschlussvorschlag zu dem Thema vor.

Es muss Klarheit und Transparenz herrschen.
Karsten Mußler, Vorsitzender der Freien Wähler

Karsten Mußler, Vorsitzender der FW-Fraktion, erinnerte daran, dass die Geburtshilfe das ganze Jahr über im Aufsichtsrat des Klinikums diskutiert worden sei. Auch er erkannte noch Informationsdefizite: „Es muss Klarheit und Transparenz herrschen, deshalb haben wir schon mit einem Vertagungsantrag geliebäugelt.“

Aus Sicht von Manuel Hummel (Bündnis 90/Die Grünen) ist die kurzfristige Schließung der Station in Rastatt Teil des notwendigen Gesamtkonzepts. Aus den vorliegenden Daten ergäben sich aber keine medizinischen Nachteile für Gebärende in Rastatt. „Wir sollten den Leuten reinen Wein einschenken“, meinte Hummel.

Leistungsfähige Strukturen gefordert

Für den Vorsitzenden der SPD-Fraktion, Walter Jüngling, ist vor allem die Frage zu klären, „wie wir zu leistungsfähigeren Strukturen kommen, gerade im Blick auf die Konkurrenz der Kliniken in Karlsruhe.“ Die Sicherheit von Mutter und Kind besitze oberste Priorität. „Bereits im Februar hätte man die Bevölkerung aufklären müssen“, meinte Jüngling.

Volker Kek (AfD) fehlte bei der Präsentation von Iber „die Sicht der Betroffenen.“ Lutz Jäckel (FDP) befand: „Wir brauchen einen Beschluss über die Realität in Bezug auf die Fakten.“ Einen Antrag von Dieter Balle (Die Linke), die Geburtsstation in Rastatt wieder zu öffnen, lehnten die Kreistagsmitglieder am Ende der Diskussion ab.

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