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Stadt erhöht Subventionen

Zum neuen Fahrplan der Citylinie Bühl startet erstmals ein Elektrobus

Mit einem 450.000 Euro teuren Elektrobus startet die Citylinie Bühl am Sonntag in den neuen Fahrplan mit mehr Linien und einer besseren Taktung. Sechs weitere Busse sind dann mit Dieselantrieb unterwegs.

Der erste Elektrobus der Stadt: (von rechts) Geschäftsführer Jürgen Faller, seine Tochter Nicole und Jörg Zimmer von der Stadtverwaltung präsentieren das 450.000 Euro teure Fahrzeug. Foto: Ulrich Coenen

Er klingt wie ein ICE und beschleunigt wie ein Sportwagen. Der neue Elektrobus, den das Bühler Unternehmen Faller als Konzessionär der kommunalen Citylinie einsetzt, macht vieles anders als die üblichen Busse mit Dieselantrieb. Während die 230 Kilowattstunden (sprich 313 PS) galoppieren, müssen sich die Fahrgäste bei der offiziellen Präsentation des Fahrzeugs am Mittwoch bei einer nicht offiziellen Spritztour außerhalb des Fahrplans gut festhalten.

Schon ruft der Fahrer: „Achtung, ich gehe jetzt vom Gas!“ Die Wirkung ist verblüffend. Ohne dass der Mann hinter dem Lenkrad aufs Bremspedal tritt, bremst das Fahrzeug. „Und gewinnt dabei Energie zurück“, berichtet der Fahrer, der sichtlich Spaß am neuen Bus hat.

Das sollte er auch, denn sein Chef Jürgen Faller hat tief in die Tasche greifen müssen. 450.000 Euro hat der Bus des türkischen Herstellers Karsan mit der Modellbezeichnung Atak (Angriff) gekostet. Die Akkutechnik stammt von BMW. Ein vergleichbarer Bus mit Dieselantrieb kostet 150.000 Euro weniger. „Die Auswahl für Elektrobusse in dieser Größenordnung ist übersichtlich“, berichtet Faller.

Das Fahrzeug für die Bühler Citylinie verfügt über 34 Plätze, davon 22 Sitzplätze. Für Modelle in dieser Dimension gibt es noch zwei Konkurrenzprodukte aus Italien und Slowenien. Faller hat sich bewusst für den türkischen Anbieter entschieden.

Elektrobusse gibt es nicht preiswert

Weil der (wie auch die beiden anderen Modelle) kein Discount-Angebot darstellt, ist Stefan Maier von der Volksbank Bühl zur offiziellen Präsentation erschienen und hat eine Miniaturausgabe des Fahrzeugs als Präsent mitgebracht. Jürgen und seine Tochter Nicole Faller freuen sich über diese nette Geste. „Wir zahlen ja auch genug Zinsen“, scherzt der Chef.

Das Bühler Unternehmen hat in diesem Jahr zum wiederholten Mal bei der Ausschreibung die Konzession für die Citylinie gewonnen. Weil die Kommune kräftig in den ÖPNV investiert, muss dies der Konzessionär ebenfalls. „Mehr Busse, mehr Linien“, erklärt Matthias Buschert, Pressesprecher der Stadt.

Am 13. Dezember stellt Bühl den Fahrplan um und stärkt dabei den öffentlichen Nahverkehr mit erheblichem finanziellen Aufwand. Der jährliche Zuschussbedarf wächst deshalb um 450.000 Euro pro Jahr auf 1,1 Millionen Euro. „Und das in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“, sagt Buschert.

„Dem ist ein intensiver Planungsprozess vorausgegangen“, erklärt Jörg Zimmer, der im Rathaus für die Citylinie verantwortlich ist. „Im Zusammenhang mit unserem Klimaschutzkonzept haben wir die Bürger gefragt, was ihnen wichtig ist.“ Dabei standen die Citylinie beziehungsweise der ÖPNV ganz oben auf der Liste. „Es war eine strategische Grundlagenentscheidung des Gemeinderates“, meint Zimmer. „Die Verbesserung der Citylinie kostet viel mehr Geld.“

Da steht ein Einfamilienhaus.
Ein Besucher der offiziellen Präsentation über den E-Bus

Auch für den Konzessionär. „Da steht ein Einfamilienhaus“, stellt ein Gast beim offiziellen Termin in der Werkstatt der Firma Faller mit Blick auf den teuren Elektrobus anerkennend fest. Den hätte Faller laut Vertrag mit der Stadt eigentlich erst 2022 in Dienst stellen müssen. Er will aber bereits jetzt Erfahrung mit der neuen Technik sammeln. Aktuell sind für die Citylinie fünf Busse unterwegs, mit der Umstellung auf den neuen Fahrplan werden es sieben sein. Von denen müssen ab 2022 zwei einen Elektroantrieb haben.

Hier fährt der Chef: Jürgen Faller steuert den neuen Elektrobus auch im Linienverkehr der Citylinie. Foto: Ulrich Coenen

Der emissionsfreie Motor hat neben dem extrem hohen Kaufpreis einen weiteren Haken. „Niemand weiß, wie lange die Batterie hält“, sagt Faller. Von Elektrostaplern weiß man, dass nach rund fünf Jahren ein neuer Akku fällig ist. Für den Bus kostet ein solches Verschleißteil im Austausch rund 200.000 Euro.

Der neue E-Bus von Faller kommt komplett ohne fossile Energieträger aus. Auch für Heizung und Klimaanlage werden die nicht benötigt. Die Reichweite gibt der Hersteller mit rund 300 Kilometern an. „Im Winter und Sommer werden wir die unter anderem wegen Klimaanlage und Heizung nicht erreichen“, meint Faller. Vorsichtshalber hat er als Sonderausstattung kleine Schiebefenster für die Frischluftzufuhr an den beiden Langseiten des Busses einbauen lassen.

Die Passagiere müssen im Vergleich zum Dieselbus in Zukunft unter Umständen mit weniger angenehmen Temperaturen an Bord vorliebnehmen müssen, damit der Bus einsatzbereit bleibt. Die Linien, die Faller für die Stadt bedient, sind unterschiedlich lang. Je nach Einsatzbereich sind die Busse zwischen 100 und 350 Kilometer am Tag unterwegs. Wer rechnen kann, erkennt schnell, dass es mit einer Akkuladung eng werden kann. Plugin-Hybriden waren für Faller übrigens keine Alternative, weil die fast doppelt so teuer sind wie reine E-Busse.

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