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Mysteriöser Fall Rätsel auf

Zweijähriges Kind wird seit 14 Jahren vermisst: Neues Foto lässt Felix Heger altern

Ist der Junge tot oder nur vermisst? Felix Heger gibt der Polizei seit 14 Jahren Rätsel auf. Der damals zweijährige Junge ist seit dem Januar 2006 verschwunden. Jetzt soll eine neue fotografische Visualisierung bei der Suche helfen. Diese haben Experten der englischen Universität Bradford angefertigt. Der Fachbegriff für diese Methode heißt „Age-Progression“. Das Landeskriminalamt hat dieses Foto auf seine Homepage aufgenommen.

Felix Heger wird seit 14 Jahren vermisst. Wissenschaftler haben den Jungen jetzt virtuell auf 17 Jahre altern lassen. Der Verein Vermisster Kinder hofft auf neue Hinweise auf der Bevölkerung. Foto: pr

Die Polizei suchte im Frühjahr 2006 auch im Raum Bühl/Bühlertal mit Hundertschaften nach dem Kind, weil das Auto des Vaters am 10. Januar auf dem Parkplatz Wiedenfelsen entdeckt wurden. Die Leiche des Vaters wurde am 26. Februar im Bereich der Gertelbacher Wasserfälle vom Hund eines Wanderers entdeckt. Sie war von Wildtieren angefressen worden. Von Felix Heger fehlt seitdem jede Spur.

Norbert Schätzle, stellvertretender Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Mannheim, erklärt auf Anfrage dieser Redaktion, dass „Age-Progression“ eine anerkannte Disziplin sei. „In einem Fall in den USA hat ein solches Bild dazu beigetragen, dass eine vermisste Person wiedergefunden wurde“, sagt er.

Die Visualisierung des 17-jährigen Felix Heeger wurde allerdings nicht von der Polizei in Auftrag gegeben. Die Großeltern des Jungen fahnden bis heute nach dem Jungen. Auch der Verein vermisster Kinder Deutschland engagiert sich und zeigt das neue Foto im Internet sowohl auf seiner Homepage als auch im sozialen Netzwerk Facebook.

Erfolglose Suche: Mit Spürhunden suchten Polizeibeamte im Frühjahr 2006 den Schwarzwald im Bereich der Gertalbachfälle nach dem vermissten zweijährigen Felix Heger ab. Nur die Leiche des Vaters wurde entdeckt. Foto: Bernhard Margull

„Es gibt keine neuen Erkenntnisse“, berichtet Norbert Schätzle. „Wir können aber nicht sagen, ob der Junge wirklich tot ist.“ Solange noch ein Funken Hoffnung bestehe, wolle die Polizei die Akte nicht schließen.

Der Fall Felix Heeger hat in Mittelbaden vor knapp eineinhalb Jahrzehnten für großes Aufsehen gesorgt. Die Eltern waren geschieden. Der Vater holte das Kind am Dreikönigstag 2006 bei seiner Exfrau in Oftersheim im Rhein-Neckar-Kreis ab und brachte es nicht wie vereinbart zurück. Als die Frau ihren früheren Mann nicht telefonisch erreichen konnte, erstattete sie Anzeige.

Der weiße, auf dem Parkplatz Wiedenfelsen abgestellte Opel Astra des Vaters führte die Ermittlungen der Polizei nach Bühlertal. Bei den groß angelegten Suchaktionen mit Spürhunden und Helikopter vom 11 bis 14. Januar fanden die Polizisten zwar weder Vater noch Sohn, aber rund 300 Meter vom Parkplatz entfernt in einer Felsnische einen Unterstand mit Kleidung der beiden Vermissten.

Für Norbert Schätzle ist es denkbar, dass dieses provisorische Lager die Polizei lediglich auf eine falsche Spur führen sollte. Nach der Entdeckung des Camps wurden der Mann und das Kind nämlich in Mittelbaden mehrfach von Zeugen gesehen.

Der Polizeisprecher berichtet, dass Vater und Sohn in der ersten Januarhälfte im Raum Bühl von Zeugen beobachtet wurden, unter anderem am 11. Januar in einem Supermarkt in Bühl. Im Zusammenhang mit dem mysteriösen Fall wurde auch eine Flucht ins Ausland diskutiert. Mehrere Zeugen wollen die beiden Vermissten in der Nähe der Staustufe Iffezheim auf französischer Seite gesehen haben.

Ein Bild aus dem Familienalbum zeigt Felix Heger, bevor er im Januar 2006 auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Foto: pr

Auch der Tod des Vaters gibt Rätsel auf. Polizei und Staatsanwaltschaft schließen einen erweiterten Suizid nicht aus. Endgültige Klarheit gibt es wegen der Verletzungen an der vom Wildtieren angenagten Leiche aber nicht. Der Verdacht, dass der Mann zunächst das Kind und dann sich selbst umgebracht hat, steht im Raum. „Wir wollen aber nichts unversucht lassen, so lange es noch eine kleine Chance gibt“, konstatiert Norbert Schätzle.

„Aktenzeichen XY“ konnte nicht helfen

Die Familie des vermissten Jungen hat später einen Privatermittler eingeschaltet, der aber nach Auskunft des Polizeibeamten wenig verwertbare Ergebnisse vorlegen konnte. Die Großeltern von Felix gaben nicht auf. Am 30. März 2011 berichtet „Aktenzeichen XY“ im ZDF über den Fall. Schon damals hatten Experten das zweieinhalbjährige Kind für ein neues Fahndungsbild virtuell altern lassen.

Ohne Erfolg. Das neue virtuelle Foto, das den auf 17 Jahre gealterten Felix Heger zeigt, wurde von den englischen Wissenschaftlern im Auftrag des Vereins Vermisster Kinder angefertigt.

Dessen Vorsitzender Nils Wilhelm geht davon aus, dass der Vater sich im Januar 2006 mit seinem Sohn von einem Unbekannten vom Parkplatz Wiedenfelsen abholen ließ. Wilhelm vermutet, dass der Vater, der Kontakt zu esoterischen Sekten gehabt haben soll, das Kind an eine unbekannte dritte Person übergeben hat, um anschließend bewusst falsche Spuren zu legen.

Der Vorsitzende nennt die Blutspritzer im Auto, blutverschmierte Plastiktüten am Waldrand, den Unterstand in der Felsnische und einen handschriftlichen Brief an die Ex-Frau, der als Abschiedsbrief interpretiert werden sollte. Die Todesursache des Vaters ist nach Auskunft von Wilhelm, dem 500 Seiten Ermittlungsakten vorliegen, unklar. Ein Selbstmord sei nicht erwiesen, sagt er.

Verein Vermisster Kinder will 10.000 Flyer verteilen

Der Verein Vermisster Kinder will demnächst in Bühlertal und Mannheim 10.000 Flyer mit dem neuen Foto als Einwurfsendung verteilen. Unterstützt wird er dabei von einer Privatinitiative aus dem Umfeld der Familie von Felix. Ein anonymer Geldgeber lobt 75.000 Euro Belohnung für den Hinweis aus, wo sich Felix befindet. Bis zu 5.000 Euro soll es für andere Hinweise geben. Wilhelm hofft, dass die hohen Summen Mitwisser bewegen, sich bei der Polizei zu melden.

Informationen gibt es unter: felix@vvk-deutschland.de

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