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Gaggenauer Wirte: „Eine Katastrophe“

Abhol- und Lieferservice bei Gaggenauer Gastronomen läuft nur schleppend

Sie haben sich bis zuletzt gewehrt, genutzt hat es den Gastronomen nichts. Seit zwei Wochen sind die Restaurants dicht. Nur Abhol- und Lieferservices sind bis Ende November erlaubt. Doch in Gaggenau wird das Angebot, anders als im Frühjahr, eher wenig genutzt.

Zur Abholung bereit: Leon Weber und Philipp Heisch kaufen im „Miu Miu“ asiatische Spezialitäten bei Restaurant-Inhaber Imad Yassin. Foto: Ralf Joachim Kraft

Ein trüber, trister Novembernachmittag in Gaggenau. In der Fußgängerzone ist kaum was los. Die Läden sind auf, aber alle Gaststätten dicht. Menschen mit Alltagsmasken im Gesicht huschen rein in die Geschäfte und schnell wieder raus.

Vor den heruntergelassenen Rollos des Gasthauses „Zur Post“ steht ein Mann und knabbert an seiner Brezel. Nur wenige Schritte weiter kaufen Leon Weber und Philipp Heisch im „Miu Miu“ asiatische Spezialitäten bei Imad Yassin.

Der sagt: „Es läuft einigermaßen, weil uns die Stammgäste unterstützen. Aber das Mittagsgeschäft im Restaurant fehlt uns sehr.“ Den Abhol- und Lieferservice bewerkstelligt er mit seiner Geschäftspartnerin. Sie kocht, er hütet ihr Baby, bedient die Kunden oder liefert aus. Ab und zu kommt noch eine Aushilfe, vorher waren es vier.

Wir werden auch das irgendwie überstehen.
Imad Yassin, Inhaber des Asiarestaurants „Miu Miu“

„Wir haben die erste Schließung überlebt, wir werden auch das irgendwie überstehen“, erklärt Yassin. „Momentan komme ich klar. Aber eines ist sicher: Wenn ich den Laden mal zumache, dann mache ich ihn nicht mehr auf.“ Zumindest den Komplettausfall könne er durch sein Angebot verhindern, sagt der Wirt, der dringend auf die zugesicherte staatliche Unterstützung angewiesen ist, „denn ich muss meine Kosten abdecken und meine Miete überweisen“. Aber bislang wisse er noch gar nichts. Ein Formular liege ihm noch nicht vor.

Getrübte Stimmung bei den Gaggenauer Italienern

Nicht gut ist die Stimmung bei „Toni’s Pizza Express“, ebenfalls bekannt für seinen Abhol- und Lieferservice. „Die momentane Situation ist viel schlimmer als beim ersten Mal und für uns eine Katastrophe“, sagt Inhaber Agostino Mimmo. „Uns fehlt jetzt nicht nur das Lokal, es fehlen auch die Kunden, die ihr Essen abholen. Sie lassen es sich lieber liefern, aber auch hier sind es weniger als sonst.“

Nur mit der Auslieferung könne er seine Fixkosten nicht decken. Die staatliche Hilfe, so vermutet er, werde ihm kaum reichen „und ich weiß auch nicht, wie das laufen soll, denn ich hatte im November 2019 eine Woche lang zu“. Mimmo, der zuletzt starke Umsatzeinbußen hatte und jetzt wieder hohe Verluste durch die Absage von Feiern verkraften muss, glaubt nicht, dass die Gaststätten vor März öffnen dürfen.

Das werden sehr viele nicht überleben.
Agostino Mimmo, Inhaber von „Toni’s Pizza Express“

„Das werden sehr viele nicht überleben“, vermutet der Wirt, der zwei seiner zehn Festangestellten kündigen musste, vier in Kurzarbeit geschickt hat und statt 30 Aushilfen nur noch 15 beschäftigt.

Die Lieferung von Speisen lohnt nicht: Das Ratsstübel am Marktplatz bietet nur von Mittwoch bis Sonntag einen Abholservice an. Foto: Ralf Joachim Kraft

Sein Landsmann Camelo Verga, Inhaber des „Salmen“ in der Murgtalstraße, spricht ebenfalls von einer Katastrophe, „vor allem unter der Woche“. Am Wochenende laufe es besser. „Wir haben bisher auch ausgeliefert, aber mangels Nachfrage lohnt sich das für uns nicht. Jetzt lassen wir nur noch abholen, aber auch hier ist die Resonanz sehr schwach“, erzählt Verga: „Wenn ich nicht der Eigentümer des Gebäudes wäre, hätte ich den Laden längst dichtgemacht.“ Die zugesagten 75 Prozent würden ihm nicht reichen, um über die Runden zu kommen.

Unter der Woche ist das eine Katastrophe.
Camelo Verga, Inhaber des „Salmen“

Verhalten optimistisch zeigt sich in dieser Hinsicht die Inhaberin des Bistros „Ratsstübel“ am Marktplatz. „Die Frage ist halt, wie lange das alles dauert. Ich befürchte, dass wir 2020 nicht mehr öffnen“, sagt Michaela Scheffold, die zugleich betont, dass die aktuelle Situation im Vergleich zum Frühjahr eine andere sei. „Vermutlich kochen die Leute im November lieber selber.

Die Lieferung von Speisen würde sich für uns nicht lohnen. Wir bieten von Mittwoch bis Sonntag einen Abholservice an, die restlichen Tage kann man glatt vergessen.“

Wir wollen kein Geld vom Staat, sondern arbeiten.
Michaela Scheffold, Inhaberin des „Ratsstübel“

Sie halte mit ihren Köchen das Angebot aufrecht, um mit den Stammgästen in Kontakt zu bleiben; außerdem tue es ihr auch selber gut. „Wir wollen kein Geld vom Staat, sondern arbeiten. Wir sind für unsere Mitarbeiter verantwortlich“, sagt die Ratsstübel-Chefin und ergänzt: „Wir hoffen zumindest auf eine Nullrunde und darauf, dass wir nicht von den Kosten für Pacht, Löhne, Energie und Wareneinsatz aufgefressen zu werden.“

Im Moment hält Scheffold mit einer Notmannschaft den Betrieb am Laufen. Sieben Festangestellte seien in Kurzarbeit und 15 Minijobber freigestellt. „Ich hoffe alle wiederzusehen, wenn es wieder losgeht.“

Im Christophbräu ist man derweil noch am Überlegen, „ob wir überhaupt Essen zum Mitnehmen anbieten sollen“, sagt Koch Hendrik Reichert. „Aber was wir haben, ist ein Außer-Haus-Verkauf von Bier – und zwar immer samstags von 11 bis 15 Uhr.“

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