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Angst vor Lärm und Störungen

Anwohner protestieren gegen neues DHL-Logistikzentrum in Bad Rotenfels

Im Gewerbegebiet in Bad Rotenfels tut sich was. Auf einem Wiesengrundstück in der Franz-Görtz-Straße, das sich im Bebauungsplan Neuwiesenäcker befindet, will die Spedition Westermann ein neues Logistik-Zentrum errichten. Dies soll direkt an das Firmengelände anschließen. 

Auf dem freien Gelände in der Draisstraße Bad Rotenfels soll ein DHL-Depot entstehen Foto: Beatrix Ottmüller

Von Beatrix Ottmüller

Das moderne Depot soll 56 Andockstellen beinhalten, an denen Fahrzeuge beladen werden können. Laut Stadtverwaltung soll das neue Areal auf einer Grundfläche von 1875 Quadratmetern errichtet werden. Hierfür wurde bei der Stadt bereits eine Baugenehmigung beantragt. Eine Teilgenehmigung für die Erdaushubarbeiten wurde schon Ende Juni erteilt.

Am 9. Juli erging die Baugenehmigung für die Errichtung der Logistikhalle. Inzwischen ist auch ein Antrag für einen kleinen Sichtschutzwall bei der Stadtverwaltung eingegangen, der sich noch im Genehmigungsverfahren befindet.

Baufreigabe fehlt bisher

Eine Baufreigabe gibt es bisher noch nicht, berichten die Anwohner. Es sei geplant das Projekt bis Ende 2020 fertigzustellen und das Logistik-Zentrum noch vor dem Jahreswechsel in Betrieb zu nehmen. Das neue Areal soll von der Deutschen Post DHL Group genutzt werden, die bisher auf dem Gelände der ehemaligen Eisenfabrik in der Eisenwerkstraße untergebracht ist.

Zudem sollen alle weiteren Verteilzentren an dem neuen Standort in der Franz-Görtz-Straße untergebracht werden, die das Murgtal bis nach Forbach bedienen, erzählen die Anwohner, die die Pläne bereits einsehen konnten.

Sie haben inzwischen Widerspruch gegen das Bauvorhaben eingelegt. In einem Gespräch mit der Stadtverwaltung wurde den Bürgern das Vorhaben und der Gang des weiteren Verfahrens erläutert. Laut Stadtverwaltung sorgen sich die Anwohner vor allem um den Lärm durch Fahrzeuge. Hierzu liege jedoch ein Immissionsgutachten vor, das verdeutliche, dass die Werte der TA-Lärm eingehalten werden. Daher sei das Vorhaben aus Sicht der Stadtverwaltung genehmigungsfähig. Deshalb sei die Genehmigung erteilt worden.

Die Anwohner jedoch trauen dem Braten nicht. Vor allem die angegebenen Rollzeiten des Schallgutachtens zweifeln sie an. Diese errechneten eine Durchschnittsbelastung, die sich auf 27 Stunden pro Tag stütze, betonen sie. Das Gutachten gehe von dem Einsatz von Elektro-Scootern aus. Mit diesen habe die Deutsche Post AG jedoch aktuell Probleme.

Vermehrt Dieselfahrzeuge im Einsatz

Reihenweise gibt es Berichte von in Flammen stehenden Fahrzeugen. Daher sei davon auszugehen, dass auch Dieselfahrzeuge vermehrt eingesetzt würden, die eine ganz andere Lärmbelastung mit sich brächten. „Es ist ein gravierender Unterschied, wenn morgens um 4 Uhr bis zu 56 Elektro-Scooter starten oder es sich um laute Dieselmotoren handelt“, sagt eine Anwohnerin im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten (BNN).

Vor allem die Bewohner der Eichelbergstraße seien betroffen, deren Schlafzimmerfenster fast ausnahmslos in Richtung der geplanten neuen Hallen gerichtet seien. Zu bezweifeln seien auch die im Gutachten genannten Belastungszeiten. „Wenn dort ab 4 Uhr morgens gearbeitet wird, reisen die Mitarbeiter bereits früher an“, gibt ein Anwohner zu bedenken.

Auf dem freien Gelände in der Draisstraße Bad Rotenfels soll ein DHL-Depot entstehen Foto: Beatrix Ottmüller

Das verursache also schon früher Lärm, vor allem, wenn Routen durch das Wohngebiet genommen werden, die, je nach Arbeitsweg, für die Mitarbeiter kürzer seien. Von Vorteil für die Kommune sei der neue Standort aus ihrer Sicht nicht. Denn neue Arbeitsplätze würden nicht geschaffen, da lediglich bestehende umgesiedelt würden.

Fragestunde bei Bauausschusssitzung wurde genutzt

Um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten, nutzten die Anwohner die Chance in der Fragestunde bei der jüngsten Bauausschusssitzung. Doch das sei sehr frustrierend gewesen, sagen sie. Auf keine ihrer Fragen bezüglich des Vorhabens in der Franz-Görtz-Straße hätten sie eine Antwort erhalten. „Ich kann nun verstehen, warum es eine Politikverdrossenheit bei uns gibt“, sagt einer der Anwohner, der sich gewünscht hätte, das sich die Verantwortlichen Zeit für die Bedenken der Menschen nehmen würden.

„Es wäre doch eine gute Idee gewesen, wenn man die Bürger eingeladen hätte. Der Bauherr und DHL sowie Vertreter der Stadtverwaltung hätten darlegen können, was genau auf dem Gelände und mit der neuen Logistikhalle passiert. Dann wären viele unserer Fragen geklärt gewesen“, sagt er.

Jetzt planen die Anwohner ein Gegengutachtern erstellen zu lassen und somit einen Aufschub des Vorhabens zu erreichen. „Wir planen den Siedlerbund Bad Rotenfels mit ins Boot zu nehmen“, betonen die Anwohner und hoffen so ihre Interessen besser vertreten zu können.

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