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Dennoch zahlreiche Probleme im Wald

Befürchtete Borkenkäferplage im Murgtal bislang ausgeblieben

Die Prognosen waren ziemlich düster: Trockenheit und Borkenkäfer würden dem Schwarzwald in diesem Jahr ziemlich zusetzen. Zumindest für das Murgtal lässt sich aber festhalten: Die ganz großen Käferschäden blieben zunächst aus.

Die große Borkenkäferplage im Schwarzwald blieb 2020 aus - zumindest rund um das Murgtal. Dennoch bereiten viele Bäume Grund zur Sorge. Foto: Uli Deck

Die große Borkenkäferplage sei in diesem Jahr ausgeblieben, erklärte Markus Krebs von der Forst-Bezirksleitung Gaggenau unserer Redaktion gegenüber. So verzeichnete man im Murgtal von der Autobahn bis zur Schwarzenbachtalsperre (Stand 2. Septemberhälfte) 5.300 Festmeter Käferholz. Im vergangenen Jahr waren es dagegen mit 16.000 Festmeter rund dreimal so viel und 2018 immerhin 9.000 Festmeter. Krebs sprach von einer eindrucksvollen Entwicklung.

„Wir haben natürlich gewisse Schwankungen“, sagte Krebs, „und nicht überall sieht es gleich aus“. Als Schwerpunkt der Käferplage bezeichnete der Forst-Bezirksleiter die höheren Lagen im Murgtal, wo ein höherer Fichtenanteil vorhanden ist.

2020 kein extremes Dürrejahr

Der Borkenkäfer befällt vor allem Fichten, deren Flächenanteil im Stadtwald Gaggenau zehn Prozent und im Forbacher Wald hingegen 50 Prozent beträgt. In dem von der Forstbezirksleitung Gaggenau betreuten Wald im Murgtal beträgt der Anteil dieser Baumart 33 Prozent.

Den Rückgang an Käferholz führte Krebs unter anderem auf eine gewisse Wellenbewegung in der Natur, in erster Linie jedoch auf den Mischwald, zurück. „Die Vielfalt im Wald streut das Risiko“. Der Forst-Experte sprach auch davon, dass 2020 kein extremes Dürrejahr war.

So gab es in den zurückliegenden Monaten, außer im Monat April, immer wieder Regentage. Dennoch haben die Schäden seitdem Hitze- und Dürrejahr 2018 massiv zugenommen. Obwohl es immer wieder in diesem Jahr geregnet hat, konnten die Bodenwasservorräte in 1,80 Meter Tiefe, wie aus einer Untersuchung vom September 2020 hervorgeht, noch nicht wieder aufgefüllt werden. Wichtig sei es aber auch den Neubefall von Käferholz rasch zu erkennen, die betroffenen Bäume schnell zu identifizieren, aufzuarbeiten und aus dem Wald zu bringen.

Holzmarkt ist übersättigt

„Wir haben ein eingespieltes Forstteam, das die Käfersuche sehr ernst nimmt“. Sturmholz in den Wäldern ist für die Käfer ein perfekter Brutraum. Der Klimawandel begünstigt die nur wenige Millimeter großen Tiere, die ab einer Temperatur von 16 Grad zu Abermillionen ausfliegen. 300 bis 500 Borkenkäfer reichen aus, um beispielsweise eine Fichte zum Absterben zu bringen.“ Stark befallene Bäume werden von mehr als 10.000 Tieren bevölkert. Ein einziges Weibchen kann in einer Saison für 100.000 Nachkommen sorgen.

Krebs sprach auch davon, dass der Holzmarkt für Käferholz nicht mehr aufnahmefähig ist. Mehrere 1.000 Festmeter habe man daher in Lagerstätten im Rheintal ausgefahren. Ein Teil des Schadholz wurde ferner zu Hackschnitzel verarbeitet. Selbst zu Mittel, wie der Hand Entrindung von Bäumen wurde gegriffen. Dadurch habe man erreicht, dass die Käferlarven ausgetrocknet sind.

Erfreut zeigte sich Krebs, dass man bei allen Maßnahmen die Kapazitätsgrenze nicht überschritten habe. Wir sind ein eingespieltes Team und ich bin sehr dankbar, dass alle Kräfte „Gewehr bei Fuß“ standen.

Buchen bereiten Probleme

Die überregionalen Schäden haben dazu geführt, dass die Preise in den Keller gedrückt wurden. Die Aufarbeitung kostete mehr Geld als die Waldbesitzer als Erlös erhielten. „Vom Frühjahr 2020 an haben wir daher beim Frischholzeinschlag auf die Bremse gedrückt und den Einschlag von Fichten und Tannen massiv gedrosselt und dem Markt angepasst“.

Wie Krebs betonte, gibt es Waldbesitzer, die in diesem Jahr die „schwarze Null“ nicht erreichen werden. Sorgen bereitet Krebs bei den Laubbäumen die Buche, die unter dem Klimawandel leidet und von der Krone her abstirbt.

Die angespannte Situation führte mittlerweile dazu, dass von der Landesregierung neue Fördertöpfe für Waldbesitzer, so die unter anderem für die Aufarbeitung von Schadholz aufgelegt wurden, sagt der Forst-Bezirksleiter. Nach Aussage von Markus Krebs wird der Wald im Dauerstress bleiben. Bei jeder Baumart gebe es zudem Gegenspieler, die begünstigt werden, wenn das Ökosystem geschwächt ist.

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