Skip to main content

Wie brisant ist das Sickerwasserkonzentrat aus der Deponie?

Gaggenau-Oberweier: Bürgerinitiative kritisiert „illegale Sondermüllentsorgung“

Der Abfallberg bei Gaggenau-Oberweier produziert kontinuierlich Sickerwasser, das in einer Anlage gereinigt wird. Das verbleibende Konzentrat kommt wieder auf die Deponie, informiert eine örtliche Bürgerinitiative. Sie nennt das eine „illegale Sondermüllentsorgung“.

Bestandteil der Deponie Oberweier: die Sickerwasserreinigungsanlage. Dort trafen sich Mitglieder der Bürgeriniative gegen die Deponieerweiterung und Mitglieder des Gemeinderats Bischweier. Foto: Joachim Kocher

Die Bürgerinitiative „Keine Deponieerweiterung - Kein PFC“ im Gaggenauer Stadtteil Oberweier fordert den sofortigen Stopp der Rückführung von Sickerwasserkonzentrat auf die Deponie des Landkreises Rastatt bei Oberweier. Das Konzentrat bleibt als Rückstand nach einer Behandlung des Sickerwassers, das aus dem Abfallberg aufgefangen wird.

Dem Deponiebetreiber wirft die Initiative „eine illegale Sonderabfallentsorgung mit unkalkulierbaren Folgen für Mensch und Umwelt“ vor. Auf einen Fragenkatalog erwartet die Bürgerinitiative bis zum 21. April eine Antwort aus dem Rastatter Landratsamt.

Zur Sprache kam das Thema bei einem Deponiebegehung von Vertretern der BI und Mitgliedern des Gemeinderates Bischweier im Bereich „Hintere Dollert“. Die beiden Sprecher der Initiative, Toni Böck und Dietrich Knoerzer gingen dabei auf die Planungen des Abfallwirtschaftsbetriebes des Landkreises Rastatt ein. Demnach sei die Ablagerung von weiteren 600.000 Tonnen auf der bestehenden Deponie vorgesehen.

Böck und Knoerzer informierten darüber, dass die Initiative die Bevölkerung künftig mit Fachauskünften zu detaillierten Vorgängen transparent informieren wolle. Unter die Lupe genommen wurde zudem die Sickerwasseranlage, die sich gegenüber der Ursprungsdeponie befindet.

Hier war nach Aussage der beiden BI-Sprecher über drei Monate eine Pilotanlage zur Filterung von PFC aufgebaut. Bis zum heutige Tage wisse die Bürgerinitiative aber nicht, was bei den Messungen für Ergebnisse herauskommen seien.

In diesem Zusammenhang wurde das Konzentrat aus dem Sickerwasser angesprochen, das laut einer Presseinformation der BI seit 1986 herausgefiltert und wieder auf die Deponie verbracht werde. Aus 25.000 Kubikmeter Sickerwasser seien 20.000 Kubikmeter gereinigtes Wasser und rund 5.000 Kubikmeter hoch belastetes und mit Schadstoffen angereichertes Konzentrat geworden.

Initiative fürchtet „unkalkulierbare Folgen für Mensch und Umwelt“

Wie aus der Presseinformation weiter hervorgeht, müsste das Sickerwasserkonzentrat zumindest in einer Kläranlage mit einer vierten Reinigungsstufe oder noch besser thermisch entsorgt werden. „De facto handelt es sich somit um eine illegale Sonderabfallentsorgung mit unkalkulierbaren Folgen für Mensch und Umwelt.“

Die Deponienachsorge werde so zur „unendlichen Geschichte“. Die Bürgerinitiative fordert daher den sofortigen Stopp der Rückführung von Sickerwasserkonzentrat auf die Deponie. Sie wurde diesbezüglich mit sieben Fragen beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Rastatt vorstellig. Antworten werden bis zum 21. April gefordert.

Informationsveranstaltung auf dem Sportplatz geplant

Unter anderem will die BI wissen, ob das Konzentrat aus der Sickerwassereinigungsanlage Sondermüll beziehungsweise gefährlicher Abfall ist und, ob es zutrifft, dass dieser Sondermüll seit 1986 nicht fachgerecht entsorgt, sondern teilweise sogar per Tankwagen auf der Deponie wieder versickert wurde.

Über die Antworten will die Initiative am 2. Mai um 11 Uhr auf dem Sportplatz im Gaggenauer Stadtteil Oberweier informieren.

Falls die Erweiterung der Deponie genehmigt werde, so Böck, soll ab dem Jahre 2028 mit der weiteren Verfüllung begonnen werden. Die Einlagerung soll sich über einen Zeitraum von 16 Jahren ziehen. Die Deponie müsse dadurch in Teilbereichen um 40 Meter aufgeschüttet werden.

Im Zuge der Maßnahme würde dann die bisherige Zufahrtsstraße zur Deponie unter dem Müll verschwinden. Stattdessen sei eine neue dreispurige Zufahrtsstraße zur Deponie geplant. Knoerzer sprach von einem unstabilen Untergrund. Das bestätigte Ortsvorsteher Michael Barth der unter anderem auf abgesenkte Bereiche der Zufahrtsstraße verwies.

Erfolgt Anlieferung auch sonntags?

Auf Anfrage aus den Reihen der Kommunalpolitiker betonte Böck, dass es der BI nicht um die Müll-Umladestation gehe. Hausmüll werde in Oberweier nicht deponiert, sondern nur umgelagert und weitergeliefert. Die Bürgervertreter aus Bischweier wollten wissen, was für Material sich im Deponiekörper befinde.

„Wir wissen es aktuell nicht, wir bekommen immer nur Teil-Auskünfte,“ betonte Böck. Die Sprecher der BI ging zudem auf Anlieferungen ein. Nach Bürgerinformationen erfolgten diese auch außerhalb der Betriebszeiten, auch sonntags. Was da angeliefert wurde, sei nicht bekannt. Laut Knoerzer sei da nicht nur Hausmüll drin, sondern unter anderem PFC-Schlämme.

Initiative fordert von Landkreis und Stadt mehr Tansparenz

Böck wies auch auf anstehende Gespräche des Abfallwirtschaftsbetriebes mit der Stadtverwaltung Gaggenau und Gutachtern hin. Die Bürgerinitiative sei hierzu nicht eingeladen, betonte Böck. Er frage sich, wo da die Transparenz bleibe.

nach oben Zurück zum Seitenanfang