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Ehrenamt in der Pandemie

Coronahilfen im Murgtal: Manche Vereine wollen kein Geld, andere kriegen es nicht

Viele Vereine im Murgtal haben bislang darauf verzichtet, Corona-Hilfen zu beantragen. Einige, weil sie gar kein Geld wollen - und andere, weil sie ohnehin durchs Raster fallen. Denen schmeckt das nicht unbedingt.

Monika Werner bei der Übergabe der Rettungsteddys. Die kleinen Bären werden an alle Rettungsteams ausgegeben und jährlich kostenlos an 1.000 bis 1.200 kleine Patienten verteilt. Foto: Hans Peter Werner/KIK Landesschatzmeister

Wir brauchen nichts und wollen anderen das Geld nicht wegnehmen. Mit einem Statement wie diesem zeigen im Murgtal die sozial ausgerichteten Vereine Kante ins Sachen Corona-Hilfe. „Wir kommen klar“, ergänzt Ulrike Tobisch-Kohlbecker von der Tafel Gaggenau ihre Einschätzung der Sachlage weiter. Sprich einen entsprechenden Antrag habe man von daher auch gar nicht erst gestellt.

Der Türkische Schul- und Elternverein dagegen schon. „Wir haben Unterstützung bei der Beschaffung von digitalen Medien gestellt“, erklärt Mahmut Pervanelli. „Einen Bescheid haben wir noch nicht bekommen“, habe man allerdings noch Hoffnung.

Aufwand wächst über den Kopf

Ebenfalls keine Anträge haben auch andere Vereine, die ehrenamtlich im Einsatz sind, um anderen zu helfen. Und genau das sei ja auch der Grund, warum man nicht um Hilfe ersucht habe, unterstreicht Karl Pawlitschko von der Arbeitslosenselbstorganisation Run. „Was wir tun, manchen wir aus unserem Herzen heraus und nicht für Geld“, formuliert er seine Sicht aufs Ehrenamt.

Obendrein sei man Teil einer bundesweiten Organisation, die gegenwärtig einmal wöchentlich per Videokonferenz in Kontakt miteinander trete. „Insofern fehlt uns aktuell nichts.“ Auch die ehrenamtliche Einkaufshilfe, bei der er sich engagiert und der der Aufwand im Augenblick über den Kopf zu wachsen droht, weil nur mehr fünf Personen die Anfragen alleine wuppen müssen, bekommen in der Regel keinen Fahrgeldersatz oder ähnliches. „Also haben wir auch hier nichts beantragt.“

Bei der Akik sieht das anders aus. Das Aktionskomitee Kind Gaggenau/Baden-Baden/Rastatt im Krankenhaus hat beim Land einen Antrag gestellt. „Aber wir fallen durchs Raster. Es gab nichts“, bedauert Monika Werner. Obendrein mache der Akik Corona noch auf ganz anderer Ebene zu schaffen. „Wir können gegenwärtig im Grunde gar nichts machen.“ Es finden weder Messen noch Infoveranstaltungen statt und die Krankenhäuser haben strikte Auflagen, wer dort wann hineindarf.

Nicht ganz leicht für die Organisation, die sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanzieren muss. „Im Sommer hatten wie eine kleine Pause“, waren die Mitglieder froh, dass sie wenigstens kurzzeitig den Bücherdienst in den Krankenhäusern leisten konnten. Aber nun ist es – zumindest in der Öffentlichkeit relativ ruhig geworden. Die politische Lobbyarbeit läuft hinter den Kulissen weiter. Und auch die Aktion „Rettungsteddy“ läuft weiter. Die kleinen Bären werden an alle Rettungsteams ausgegeben und jährlich kostenlos an 1.000 bis 1.200 kleine Patienten verteilt. Auch diese Kosten laufen trotz Corona weiter. Doch bekommen hat Akik nichts.

Kein Geld für den Blindenverein

Eine nicht unähnlichen Problematik sieht der Blindenverein Südbaden, Bezirksgruppe Mittelbaden. Leiter Hans Kühn hat keine Mittel beantragt. „Wir sind eine ehrenamtliche Selbsthilfegruppe“, ist er überzeugt, dass ihnen die in Aussicht gestellte Förderung nicht zustehen würde. „Aber das mindert unsere Arbeit dennoch nicht.“ Vor allem aber weiß er um die Bedeutung, welche die Arbeit seines Vereins hat. „Wir unterstützen Betroffene in vielen Lebenslagen.“

Wenn verunfallte Personen etwa nach einer OP in die Reha kommen, ist der neue Alltag für Erblindete dagegen ungemein schwer. „Und wenn ich in den 20 Jahren, in denen ich tätig bin, nur einem einzigen Menschen habe helfen können, dann hat es sich für mich schon gelohnt.“ Nach jetzigem Stand der Dinge ist er – so er wieder gewählt wird – bereit noch vier weitere Jahre im Amt zu verbleiben.

Die Arbeit selbst ist im Augenblick sehr eingeschränkt. Treffen können nicht stattfinden. „Das bedeutet, wir haben viel Telefonarbeit und wir halten auch Videokonferenzen ab“, verweist er auf die freien Programm, die ja nicht nur Bilder sondern vor allem auch Stimmen übertragen. „Wir müssen uns beim Sprechen ja nicht sehen.“

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