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Touristen ohne App chancenlos

Deutliche Kritik: Die wenigen öffentlichen Toiletten von Gaggenau sind zu schlecht ausgestattet

In Gaggenau gibt es kaum öffentliche Toiletten. Der Arbeitskreis Tourismus sieht dringenden Handlungsbedarf. Eine App zeigt mögliche Orte, doch die Vorhandenen sind denkbar schlecht ausgestattet.

Wenig einladend: Auf diese Toilette an der Kirche St. Josef geht nur, wer wirklich ein dringendes Geschäft erledigen muss. Foto: Joachim Kocher

Wer in Gaggenaus Innenstadt eine Toilette aufsuchen will, hat es zumindest als Auswärtiger, sofern er keine App auf seinem Handy hat, ziemlich schwer. Aber selbst Einheimische wissen zumeist nicht, wo man im Notfall zum „Erleichtern“ ein „stilles Örtchen“ findet.

Lediglich ein Hinweisschild auf dem Bahnhofsvorplatz macht im Kernstadtbereich auf eine Toilette in der Bahnhofspassage neben der Kirche „St. Josef“ aufmerksam. In der Fußgängerzone selbst sind keine Hinweisschilder auf eine Toilette angebracht. In den vergangenen Jahren wurde immer wieder, so auch von den BNN, auf die Problematik hingewiesen.

Das Rathaus hat jedoch nicht reagiert.

WC in der Bahnhofspassage hat viele Mängel

In Gaggenau gibt es aktuell nach Aussage von Pressesprecherin Judith Feuerer in der City fünf öffentliche Toiletten. Außerdem unterhält die Stadt am Bahnhof in Ottenau (hinter der Kirche) sowie im Kurpark in Bad Rotenfels Toiletten. Auf allen Friedhöfen stehen für die Besucher ferner WC zur Verfügung, deren Reinigung nach jeder Bestattung in der Regel erfolgt.

An den früheren Toiletten im Keller des Rathauses, über deren Vorhandensein nur absolute Insider informiert waren, findet man heute auf den Türen nur noch Hinweisschilder mit dem Hinweis Aufschrift, dass die Toiletten dauerhaft geschlossen bleiben. Außerdem wird auf die Alternativen im Bahnhof beziehungsweise auf die Toilette neben der katholischen Kirche „St. Josef“ verwiesen. Es wird aber auch darauf aufmerksam gemacht, dass während den Öffnungszeiten des Rathauses die Toiletten im Erdgeschoss des Rathauses benutzt werden können.

Nach Aussage von Judith Feuerer wurden die Toiletten im Rathauskeller geschlossen, da sie so gut wie nicht mehr genutzt wurden und sehr abgängig waren. Sie hätten auch renoviert werden müssen. Aufgrund der niedrigen Besucherzahlen entschied man sich dagegen.

Eine weitere öffentliche Toilette in der City befindet sich neben der katholischen Kirche “St. Josef“ in der Bahnhofspassage. Hierbei handelt es sich um die einzige öffentliche Behindertentoilette im Stadtkern.

Schmierereien und die Spinnweben

Urinale und Waschbecken mit fließenden Wasser sind dort zwar vorhanden, jedoch fehlten am vergangenen Dienstag gegen 12 Uhr sowie am letzten Freitag um 10 Uhr Papier und Trockentücher in der Herrentoilette. Ein Passant, der die Toilette aufsuchte, hatte keine andere Möglichkeit, als seine Hände am Kleidungsstück abzutrocknen. Gänzlich verzichten muss man am Waschbecken der Herrentoilette in der Bahnhofspassage auf einen Seifenspender.

Auch die Schmierereien und die Spinnweben im Deckenbereich oberhalb der Behindertentoilette sind alles andere als einladend. Wer als Kurzurlauber oder als Geschäftsreisender mit der Stadtbahn nach Gaggenau anreist und die Toilette im Bahnhofsbereich aufsuchen muss, der wird Gaggenau mit Sicherheit nicht in allerbester Erinnerung behalten.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofes wurde zwar veräußert, für die WC-Anlage gibt es jedoch einen Mietvertrag mit der Stadt Gaggenau, sagt Feuerer, die zudem auf Toiletten in den Stadtbahnwagen verweist. Zumindest am vergangenen Dienstag war die Herrentoilette um die Mittagszeit stark verschmutzt, eine Benutzung undenkbar.

Am Waschbecken ist weder ein Seifenspender noch eine Papierrolle zum Abtrocknen der Hände vorhanden. Aufgrund vorhandener Bohrungen in den Fliesen kann man davon ausgehen, dass die für Toiletten üblichen Einrichtungen schon einmal vorhanden waren. Im Toilettenbereich war zudem auch keine Reinigungsbürste angebracht.

50.000 Euro kosten die öffentlichen Toiletten im Jahr

Öffentliche Toiletten stehen nach Aussage von Judith Feuerer auch in der Parkgarage Murgtalcenter sowie in der Tiefgarage Murgufer zur Verfügung. Wie die städtische Pressesprecherin auf BNN- Anfrage mitteilt, werden die öffentlichen Toiletten täglich gereinigt.

Auch im Keller des früheren Rathauses in Bad Rotenfels gab es früher Toiletten. Die Türen sind jedoch verschlossen, ein Hinweisschild ist nicht vorhanden. Die Toilette sei aufgrund ihres baulichen Zustandes geschlossen worden, sagt die städtische Pressesprecherin auf BNN-Anfrage. Zudem werde das städtische Rathaus nicht mehr öffentlich genutzt.

Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Als Tor zur Stadt wünschen wir uns etwas anderes.
Manfred Vogt, Sprecher Arbeitskreis Tourismus und Freizeit

Die Toilette, vor allem auch die barrierefreien Anlagen, sind nach Aussage der städtischen Pressesprecherin auch auf der Bürger-App ausgewiesen. Die öffentlichen WCs sind nicht rund um die Uhr geöffnet, sondern sind über Nacht verschlossen. Beschädigungen und Verunreinigungen kommen nach Aussage von Feuerer immer mal wieder vor.

Für die Unterhaltung entstehen der Stadt jährlich an Personal-und Sachkosten rund 50.000 Euro. Der Sprecher des Arbeitskreises Tourismus Freizeit, Manfred Vogt, spricht insbesondere im Zusammenhang der Toilettenanlage beim Bahnhof von einem desolaten Zustand: „Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Als Tor zur Stadt wünschen wir uns etwas anderes.“

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