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Für das Insolvenzverfahren ist ein Ende in Sicht

Die Hauptgläubiger geben grünes Licht für das City-Kaufhaus Gaggenau

Für das City-Kaufhaus Gaggenau ist ein Ende des Insolvenzverfahrens in Sicht. Die Gläubigerversammlung hat den eingeschlagenen Kurs unterstützt und den Auftrag zur Vorlage eines Insolvenzplans erteilt. Aber die Sorge um die Corona-Entwicklung bleibt.

Die Perspektive ist gut: Nach der Gläubigerversammlung stehen die Zeichen auf Weiterführung des City-Kaufhauses Gaggenau. Die Abstimmung über den Insolvenzplan ist für Dezember geplant. Foto: Thomas Dorscheid

Auf dem Weg zu einer Normalisierung des Geschäftsbetriebs hat das City-Kaufhaus Gaggenau eine weitere Etappe zurückgelegt. Es befindet sich zwar weiterhin im Insolvenzverfahren in Eigenregie, doch ein Ende zeichnet sich ab. Am Freitag fand unter Corona-Bedingungen in den Räumen des Amtsgerichts Baden-Baden die Gläubigerversammlung statt.

„Wir haben viele positive Signale erhalten“, sagt Rechtsanwalt Matthias Kühne von der Kanzlei Nickert in Offenburg auf BNN-Nachfrage. Er ist Sachberater der Geschäftsführung, er steht an vorderster Stelle des Gaggenauer Insolvenzverfahren.

Die Versammlung habe den für das Verfahren wichtigen Auftrag zur Vorlage eines Insolvenzplans erteilt. Dieser sei auch bereits in Arbeit. Der weitere Zeitplan sieht die Abstimmung über den Insolvenzplan im Dezember vor. Wird auch hier Zustimmung erteilt, gilt das gewissermaßen als Auftakt zur Beendigung des Insolvenzerfahrens, das im Mai eingeläutet worden war. Dieses Verfahren steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der coronabedingten Schließung des Kaufhauses im Frühjahr.

Läuft es weiterhin nach Plan, könnte nach einigen dann noch notwendigen formellen Terminen das Insolvenzverfahren im ersten Quartal 2021 seinen Abschluss finden.

Angst vor neuem Shutdown

Jetzt hoffen alle Beteiligten, dass es mit Blick auf die derzeit stark ansteigenden Infektionszahlen nicht wieder zu einem allgemeinen Shutdown mit all seinen ökonomischen Konsequenzen kommen wird. Diese Sorge wurde auch auf der Mitarbeiterversammlung am vergangenen Donnerstag laut, berichtet Kühne, wiewohl auch dort die Stimmung aufgrund der jüngsten Entwicklung des Hauses „grundsätzlich positiv“ gewesen sei.

„Wir haben intern unsere Hausaufgaben gemacht, die äußere Entwicklung können wir nicht beeinflussen“, betont Sachberater Kühne mit Blick auf die Corona-Entwicklung. Konkret hat die Gläubigerversammlung – im Juristendeutsch ist korrekt von einem Berichts- und Prüftermin die Rede – den Sachberater und die Geschäftsführung mit der Vorlage eines Insolvenzplans beauftragt. Ein solcher Plan hält mit Blick auf die Altforderungen fest, welche Quote zu welchen Stichtagen fällig wird; auf den Rest müssen die Gläubiger verzichten.

Umsätze sind stabil

Die von den Summen gesehen größten Gläubiger seien am Freitag alle vor Ort und mit dem vorgeschlagenen Kurs – sprich der Quote – auch einverstanden gewesen, bilanziert Matthias Kühne und nennt vor allem die Hausbank des Kaufhauses, die Agentur für Arbeit und die Vertreter der großen Einkaufsverbände.

Die Arbeitsagentur hatte, wie bei einem Insolvenzverfahren üblich, die Gehälter der Angestellten für drei Monate gezahlt (von Mai bis Juli) und wird nach dem Stand der Dinge, wie die anderen Gläubiger auch, gemäß der Quote einen Teil des Geldes zurückbekommen. Einig seien sich die Gläubiger auch darin gewesen, das Verfahren in Eigenverwaltung wie auch den Geschäftsbetrieb fortzuführen.

Letzterer liefert offenkundig zufriedenstellende Zahlen: „Die Umsätze sind stabil und auch auf einem ordentlichen Niveau“, freut sich Kühne. Zudem steht das im Regelfall umsatzstarke Weihnachtsgeschäft vor der Tür, das dem Kaufhaus weiterhelfen würde – immer unter der Voraussetzung, dass nicht Corona noch einen Strich durch die Rechnungen macht.

Keine Kündigungen

Betriebsbedingte Kündigungen seien nach wie vor nicht vorgesehen, betont Rechtsanwalt Kühne auf Nachfrage. Allerdings sind auslaufende Zeitverträge im Angestelltenbereich nicht verlängert worden. Die bisherige Geschäftsführung mit Michael Meurers und Harry Schneider werde auch weiterhin die Geschicke des Hauses bestimmen. Über eine Verbesserung des Sortimentsbereichs werde nachgedacht – für Kühne indes „ein Dauerthema“.

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