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Unterwegs im Untergrund

Ehemaliger Luftschutzbunker in Langenbrand soll Teil eines historischen Ortsrundgangs werden

Im Forbacher Ortsteil Langenbrand soll der alte Luftschutzbunker Teil eines historischen Dorfrundgangs werden. Für die Umsetzung sollen Fördermittel beantragt werden.

In der Langenbrander Unterwelt: Im Frühjahr 1944 wurde mit dem Bau des Bunkers für die Bevölkerung begonnen. Im Inneren des Stollens fließt auch heute immer Bergwasser. Die Männer der Feuerwehr geben einen guten Größenvergleich ab, um die Dimensionen auf zu zeigen. Foto: Reinhold Bauer

Der Eingang zum ehemaligen Langenbrander Luftschutzbunker liegt mitten im Ort. Was nicht jeder weiß: Hinter einer Holzverschalung verborgen geht es 60 Meter weit in den Berg hinein. Der Langenbrander Ortsvorsteher Roland Gerstner will die Geschichte aufarbeiten und in einen historischen Ortsrundgang einbinden. Hierfür sollen Leader-Forder-mittel beantragt werden.

Dörfliche Heimat soll erhalten bleiben

Die Idee entstand bereits vor einigen Jahren: Beim 26. Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gewann Langenbrand 2018 die Goldmedaille. Gewürdigt wurde dabei das Engagement des Forbacher Ortsteils, die dörfliche Heimat erhalten zu wollen. Und zukunftsfähig zu machen: Der Langenbrander Ortschaftsrat formulierte damals, neben anderem, auch den Entschluss einen historischen Rundweg einrichten zu wollen.

Der ehemalige Luftschutzbunker nimmt bei den Überlegungen eine zentrale Rolle ein. Es ist selbstverständlich, dass 76 Jahre nach dem ersten Spatenstich des Stollens, der Sicherheitsgedanke für den Ortschaftsrat an erster Stelle stehen muss. Wegen möglicher Einsturzgefahr wird es keinen unkontrollierten Stollenspaziergang bis in den hintersten Winkel geben können.

Wie ein Blick in die Bunkeranlage sich künftig auch gestalten wird, er wird mit Auflagen und Kosten verbunden sein. Um an Zuschüsse aus Leader-Fördergelder zu kommen, muss neben der Kostenermittlung ein gesamtheitliches Gesamtkonzept erstellt werden, dem auch der Forbacher Gemeinderat zustimmen muss, lässt Ortsvorsteher Roland Gerstner wissen. Etliche Gründe also, warum die Sache noch nicht so richtig in Fahrt kommt.

Stollen führt 60 Meter in den Granit

Gerstner hält eine Realisierung des historischen Rundweges frühestens nächstes Jahr für möglich. Doch was sich hinter dem zugemauerten Stolleneingang mit dem massiven Holztor versteckt, beschäftigt auch heute noch viele Menschen und regt deren Fantasie an. Mit dem Bau des etwa 60 Meter tiefen Schachts wurde erst im Frühjahr 1944 begonnen, zu einem Zeitpunkt, als sich im Zweiten Weltkrieg bereits die Niederlage von Deutschland abzeichnete.

Eigentlich sollte die Höhle einen zweiten Zugang über die Hohlgass, unweit des Landgasthofes zum Ochsen bekommen, doch dazu kam es nicht mehr. Also blieb den Schutzsuchenden nur der Eingang über die Langenbrander Straße, etwa 50 Meter nördlich vom ehemaligen Rathaus.

Im letzten Kriegsjahr wurde nach Alarmierung bei Fliegerangriffen der Bunker öfters von der Bevölkerung aufgesucht. 20 Meter nach dem Stolleneingang traten die Schutz suchenden Mütter mit ihren Kindern und Alte in ein breites Höhlengewölbe. Hier scheint sich der Gang zu teilen, ein kurzer Seitenzweig führt nach rechts, um wenig später abrupt zu enden.

1944 mit Bau begonnen

Der Hauptstollen führt durch stabiles Granitgestein in einer rechts, links Kurvenkombination tiefer in den Berg. Gut zwei Meter hoch und ähnlich breit ist dort der Gang, drei Mann können jedenfalls bequem nebeneinanderstehen. Bergwasser fließt träge durch lehmige Wasserpfützen in Richtung Ausgang. Tatsächlich fühlt sich im Mittelteil das Höhlengewölbe an wie aus Beton gegossen, kein Stein brach bisher aus Decke und Wand. Bei den Bauarbeiten wurde der Abraum mit einer Lore-Bahn weggefahren, die Abdrücke der Schwellen sind noch gut zu erkennen.

Ein alter Bakelit-Isolator, als historisches Überbleibsel der Beleuchtung im stockdunklen Tunnel liegt auf dem kiesig feuchten Boden, die rostige Halterung steckt noch im Felsen. Still ist es hier drin, kein Ton dringt von außen in den Bunker. Totenstill. Nach etwa 60 Meter wird der Gang merklich enger und am Stollen-ende verhindern hüfthohe Schuttberge und loses Geröll ein Weiterkommen.

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