Skip to main content

Gedenken in Oberweier

Engländer besuchen Gedenkfeier für Opfer eines Bomber-Absturzes 1944

Mit einer Gedenkveranstaltung in Oberweier wird am Samstag, 16. März, an einen Bomber-Absturz bei einem Luftangriff 1944 erinnert. Die Initiatoren richten eine „Gedenkstelle“ mit Eichenkreuz ein. Der Neffe eines der Opfer und sein Sohn kommen dafür aus England angereist.

Mitinitiator der Gedenkveranstaltung am 16. März: Helmut Böttcher blättert in den Unterlagen zum Bomberabsturz bei einem Luftangriff Ende Juli 1944. Der Oberweierer hat die grauenvollen Ereignisse von damals aufgearbeitet – insbesondere im Hinblick auf die Schicksale der beteiligten Personen.
Mitinitiator der Gedenkveranstaltung am 16. März: Helmut Böttcher blättert in den Unterlagen zum Bomberabsturz bei einem Luftangriff Ende Juli 1944. Der Oberweierer hat die grauenvollen Ereignisse von damals aufgearbeitet – insbesondere im Hinblick auf die Schicksale der beteiligten Personen. Foto: Ralf Joachim Kraft

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges verstärkten die amerikanische Luftwaffe tagsüber und die britische Luftwaffe nachts ihre Luftangriffe auf deutsche Städte. Am 29. Juli 1944 stürzte ein britischer Lancaster-Bomber über Oberweier ab, nachdem er über Durmersheim abgeschossen worden war.

An Bord des Flugzeugs befanden sich sieben Besatzungsmitglieder, zwei Engländer und fünf Kanadier. Zwei Kanadier konnten mit dem Fallschirm abspringen und landeten auf Oberweierer Gemarkung. Die anderen fünf Besatzungsmitglieder starben beim Flugzeugabsturz.

Ein Lancaster-Bomber der britischen Royal Air Force während des Zweiten Weltkrieges über Deutschland.
Ein Lancaster-Bomber der britischen Royal Air Force während des Zweiten Weltkrieges über Deutschland. Foto: picture alliance

Einer der gefallenen Engländer war Kenneth Ernest Nottage. Dessen Neffe Barry Glew wird am Samstag, 16. März, zusammen mit seinem Sohn Lawrence Oberweier besuchen, um an einer Gedenkveranstaltung teilzunehmen. „Die beiden Engländer werden sich von Freitag bis Sonntag in der Region aufhalten“, berichtet Helmut Böttcher, der die Tragödie von damals akribisch aufgearbeitet hat.

In einem Vortrag schilderte der Oberweierer im Mai 2022 in der Eichelberghalle die grauenvollen Ereignisse jener Nacht und erzählte von den Schicksalen der Beteiligten. Dabei berichtete er auch, dass sich beim Abschuss zwei Bomben aus ihren Verankerungen lösten und die Trichter noch heute erkennbar sind.

Eichenkreuz soll an die Schicksale der Opfer erinnern

Julien Jendral, Mitinitiator der Veranstaltung am 16. März, suchte Böttcher bereits vor Beginn der Pandemie in Oberweier auf, „um mehr über die Ereignisse von damals zu erfahren“, so Böttcher. Jendral will, wie er im BT-Gespräch sagt, provisorisch ein Eichenkreuz und später eventuell einen Gedenkstein an jener Stelle aufstellen, an der einer der beiden überlebenden Kanadier erschossen wurde.

Das Vorhaben sollte schon früher umgesetzt werden, verzögerte sich aber insbesondere durch die Corona-Pandemie. Jendral fand die Familie Glew übers Internet, steht seit August 2019 mit ihr in Kontakt und lud sie jetzt zur Veranstaltung ein.

An dieser wird nach den Worten von Jendral auch Michael Beckert vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Bezirksverband Nordbaden, teilnehmen. Das vorläufige Programm von 9 Uhr bis 12.45 Uhr sieht nach der Begrüßung einen Rundgang mit Schilderung der damaligen Ereignisse vor.

NSDAP-Kreisleiter ließ einen Überlebenden ermorden

Dann folgt eine Kranzniederlegung beim Ehrenmal auf dem Friedhof und die Fahrt zur „Gedenkstelle“ an der Grenze zu Muggensturm. Auf einem Feldweg neben dem Beniacker wurde der erst 26-jährige kanadische Bordschütze Conrad William Martens mit zwei Schüssen getötet. Den Befehl dazu hatte NSDAP-Kreisleiter Heinrich Dieffenbacher gegeben. Zwei Tatbeteiligte verurteilte das Kriegsgericht später zum Tode.

Dieffenbacher tauchte unter. Er wurde nie für seine Taten belangt. Das zweite überlebende Besatzungsmitglied, Willibald Archibald Macdonald, landete auf einem Grundstück von Qualbert Hornung. Ohne zu zögern, gewährte der Oberweierer dem Flugsergeant Zuflucht und versteckte ihn auf dem Dachboden seines Schuppens. Am Ende gelang es, ihn unbeschadet aus dem Dorf zu bringen. Dank Hornung überlebte Macdonald den Krieg in einem deutschen Kriegsgefangenenlager in Polen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang