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Stammzellenspende

„Es war ein unbeschreibliches Gefühl“

Als Anna-Luisa Grimm 2015 von einem regionalen Aufruf der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) erfuhr, ließ sich registrieren. Vor wenigen Wochen kam dann der Anruf, sie könne einem krebskranken Menschen potenziell mit ihren Stammzellen das Leben retten.

Blut und Zeit geben die Stammzellenspender und retten so möglicherweise das Leben eines todkranken Blutkrebspatienten. Anna-Luisa Grimm war zwei Tage im Klinikum, um ihr Blut filtern zu lassen. Foto: dpa

Sie war schon immer sozial eingestellt, empfand Empathie für ihre Mitmenschen und brachte sich gerne hilfreich ein. Als Anna-Luisa Grimm 2015 von einem regionalen Aufruf der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) erfuhr, zögerte sich nicht lange und ließ sich als „Stammzellenspenderin“ registrieren.

Entscheidung für den Patienten

„Viele meiner Freunde und Bekannten fragten mich, ob ich denn nicht Angst hätte und ob ich mir auch der Risiken bewusst sei?“, erzählt die mutige junge Frau im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten. „Ich habe ihnen geantwortet: ‚Die Angst des betroffenen Patienten wird bestimmt größer sein, als meine Angst vor der Spende.‘“ Zudem: „Die Erfahrungsberichte der DKMS waren allesamt sehr positiv. Das gab mir als potenzieller Spenderin sehr viel Kraft und Energie.“

23-Jährige spendet

Würde es wieder tun: Anna-Luisa Grimm. Foto: Schapeler

Vor einigen Wochen kam die unverhoffte Nachricht, dass sie „in die engere Auswahl“ gekommen sei. Anna-Luisa Grimm: „Ein Leben retten? Mit Hilfe der Spende meiner Stammzellen? Ja!“ In einem Telefonat erklärte ihr eine Ansprechpartnerin der DKMS alles bis ins Detail. Neben elektronischem Fragebogen zu Person und Gesundheit sandte die 23-Jährige zwei vom Hausarzt abgenommene Kanülen Blut zurück, um Krankheiten zu 100 Prozent auszuschließen.

Sie zögerte nicht

„Die Nachricht, dass ich genetisch als potenzielle Stammzellenspenderin infrage käme und mit meinen Stammzellen einer krebskranken Person die Chance auf ein Weiterleben schenken könnte war ein unbeschreibliches Gefühl“, beschreibt Anna-Luisa Grimm ihre Emotionen. „Ohne zu zögern teilte ich der DKMS meine Bereitschaft zur Spende mit.“

Ich konnte danach kaum noch laufen.

Nach weiteren Instruktionen und Untersuchungen im Krankenhaus begann fünf Tage zuvor die Spritz-Phase: „Ich musste mir zu Hause zweimal täglich im Abstand von zwölf Stunden eine Injektion geben, damit die Stammzellen aus meinem Knochenmark ins Blut wandern. Die zehn Spritzen haben mich große Überwindung gekostet“, gesteht die junge Frau. „Ich konnte danach kaum laufen, war sehr müde und arbeitsunfähig, hatte starke Rückenschmerzen, meine Muskulatur war erschlafft.

18 Liter gefiltertes Blut

Mutter Edith Grimm stand ihrer tapferen Tochter hilfreich zur Seite, auch während der zwei Spendentage in der Klinik. Anna-Luisa Grimm: „Um die im Knochenmark sitzenden Stammzellen aus meinem Blut zu entnehmen, mussten an zwei Tagen über mehrere Stunden lang insgesamt 18 Liter Blut gefiltert werden“.

Bei Bedarf werde ich wieder spenden.

Erfuhr sie als Spenderin Näheres über die krebskranke Person? „Nein – nur, dass es sich um einen Mann über 30 aus Großbritannien handelt.“ Ein Kontakt sei erst nach zweijähriger Anonymitätsfrist möglich. Die Erfahrung will die junge Frau jedenfalls nicht missen: „Bei Bedarf werde ich wieder spenden. Ich fühlte mich bei der DKMS die ganze Zeit sehr gut aufgehoben. Alles war bestens organisiert: Aufenthaltsdauer während der Spende, Kostenerstattung, Lohnfortzahlung.“

Leben durch Stammzellenspende

Rät Anna-Luisa Grimm zur Registrierung bei der DKMS? „Unbedingt. Sich im Kampf gegen Blutkrebs typisieren zu lassen tut nicht weh. Es war für mich eine wunderbare Erfahrung, für jemanden genetisch bestimmt zu sein und ihm mit einer Stammzellenspende die Chance auf ein weiteres Leben zu schenken“

Von Elke Schapeler

In Deutschland erkranken jährlich mehr als 11 000 Menschen an Leukämie. Viele Blutkrebspatienten brauchen einen Stammzellenspender, um zu überleben. Nur ein Drittel findet innerhalb der Familie einen geeigneten; jeder zehnte Patient ist auf die weltweite Hilfe fremder Spender angewiesen.

Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS), eine gemeinnützige Organisation in Tübingen, setzt sich im Kampf gegen Blutkrebs für Knochenmarkspenden ein, um die Heilungschancen der Erkrankten zu verbessern. Als potenzielle Stammzellenspender kommen gesunde Menschen zwischen 17 und 55 Jahren infrage.

Bis August 2018 wurden weltweit über 73 900 Knochenmarkspenden vermittelt, davon rund 62 000 von der DKMS. Täglich werden weltweit rund 20 Stammzellentransplantate von registrierten Spendern an Blutkrebspatienten vermittelt, um ihnen eine zweite Chance auf Leben zu geben. Informationen unter: www.dkms.de.

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