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Wo ist „Walter“?

Hirsch lebt seit Monaten bei Forbacher Schafherde - jetzt ist er verschwunden

Seinen Namen erhielt er bei einer Facebook-Abstimmung und viele Spaziergänger hatten den ungewöhnlichen Besucher ins Herz geschlossen: Junghirsch „Walter“ hatte sich in der Brunftzeit der Schafherde des Gausbacher Landschaftspflegers Christian Striebich angeschlossen. Seit ein paar Tagen gibt es kein Lebenszeichen mehr von dem Hirsch.

Zu Gast bei Landschaftspfleger Christian Striebich: Rothirsch Walter fühlt sich zwischen Schwarznasenschafen auf der Weide der Tennetwiesen wohl. Foto: André Großmann

Mitsamt den drei männlichen Kollegen „Sam“, „Rocco“ und „Walter“ stehen beim 37-jährigen Landschaftspfleger Christian Striebich 70 Tiere auf den steilen Gausbacher Weiden. Wobei genaugenommen Walter gar nicht offiziell dazugehört: Denn anders als sein Geschlechtsgenosse „Sam“, der Stammvater des diesjährigen Schafnachwuchses, oder der stattliche Ziegenbock „Rocco“, ist „Walter“ ein bildschöner junger Rothirsch, ein einjähriger Spießer also.

Mitten in der Brunftzeit des Rotwildes, Anfang Oktober, schloss sich Walter freiwillig den Schafen und Ziegen Striebichs an. Nach Lust und Laune sprang er seither mal rein, mal raus, über den Zaun. Mal graste er friedlich mit den Buren-Ziegen, anderntags waren ihm anscheinend die flauschigen Schwarznasenschafe sympathischer.

Und Walter zog besonders an den Wochenenden scharenweise Besucher an. Allerdings, allzu neugierige und laute Menschen mochte er nicht so, er zog er sich dann doch lieber etwas zurück. Christian Striebich machte bei unserem Besuch einen etwas betrübten Eindruck: „Mit Walter kann ich heute leider nicht dienen.“ Der Landschaftspfleger erzählte, dass es für seine Ziegen und Schafe Zeit wurde, die oberen Weiden zu verlassen. Sie zogen talwärts zur dorfnahen Wiese beim Winterstall, um nun für die kalte Jahreszeit gerüstet zu sein. Die spannende Frage war, ob Walter den Viehabtreib mitmachen würde.

Kein Lebenszeichen von Hirsch Walter

Der junge Rothirsch folgte nicht den Schafen und Ziegen und blieb den ganzen Tag alleine auf der Weide der Tennetwiesen. Am nächsten Morgen wurde Christian Striebich unruhig, denn Walter war weder bei der Herde, noch auf den Tennetwiesen zu sehen. Kurzerhand trieb er seine Ziegen und Schafe wieder auf die tags zuvor verlassenen Weiden, in der Hoffnung, dass der gerngesehene Gast wieder auftauchen möge.

Doch die Mühe war leider vergebens und so zog der Landschaftspfleger, etwas traurig, mit seinen Nutztieren zum zweiten Male wieder talwärts. Seit mehreren Tagen gibt es nun also kein Lebenszeichen mehr von Walter, der seinen Namen am 6. November über eine Facebook-Abstimmung erhielt.

Allerdings haben der umtriebige Tierhalter und seine Freunde derzeit auch ohne den Gasthirsch genug zu tun. Volle Aufmerksamkeit verlangen die sieben Mitte November geborenen Lämmer und ihre Mütter, welche im Stall eine separate Ecke bewohnen dürfen. Die 35 Burenziegen, bei denen auch reichlich Nachwuchs ins Haus steht und die 34 Schwarznasenschafe erwarten täglich gefüllte Futterraufen. „1000 Heuballen, das sind 200 mehr als letztes Jahr, zum Stückpreis von zwei Euro, liegen auf dem Dachboden bereit“, erzählt der Tierhalter und deutet nach oben: „Im Speicher liegen zudem noch ausreichend Strohballen zum Einstreuen“.

Seit Monaten gibt es Ruhe vor dem Wolf

Außerdem bereichern Trester und verschiedene Lecksteine den Speiseplan. „Die lammenden Tiere bekommen auch noch Zusatzfutter“, erklärt Striebich und setzt sich zum quirligen Schafnachwuchs. Vertrauensvoll knabbert dabei ein Mutterschaf an seiner Jacke. Für Wellness und Massage der Tiere ist hier ebenfalls gesorgt. Wenn ihnen mal das Fell juckt, können sie sich an Bürsten reiben. Striebich ist glücklich, denn im neuen Winterstall lassen sich die täglichen Arbeitsabläufe deutlich optimierter als in den vielen Jahren zuvor erledigen.

Dazu kommen zusätzliche Arbeiten wie Klauen schneiden, Wurmkuren, Impfungen und die Schafschur. In den Weidemonaten sind die Zäune ständig auszumähen, denn die untere Elektrozaun-Litze darf keinen Bodenkontakt haben. „Sämtliche Zäune sind inzwischen wolfsabweisend erneuert, nachdem ich bei einem Wolfsangriff drei Tiere verloren habe. Doch ganz wolfssicher lässt sich bei unseren topografischen Bedingungen kein Zaun aufbauen“, weiß Striebich. Derzeit scheint diesbezüglich Ruhe eingekehrt zu sein, denn seit Monaten gibt es im Murgtal keinen Wolfsriss mehr.

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