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Gemeinde war gegen die Gründung

In Forbach ist die Stimmung zum Nationalpark noch immer durchwachsen

Im Januar 2014 wurde der Nationalpark Schwarzwald gegründet – zum Unmut vieler Forbacher. Laut einer damals durchgeführten Bürgerbefragung, lehnten 82 Prozent das Vorhaben ab. Doch wie sehen Bürger und Lokalpolitiker das Schutzgebiet mittlerweile?

Der „Huzenbacher See“, ein Überbleibsel der Gletscher aus der letzten Eiszeit Foto: Reinhold Bauer

Im Januar 2014 wurde der Nationalpark Schwarzwald gegründet – zum Unmut vieler Forbacher. Im Vorfeld hatte eine Bürgerbefragung mit satten 75 Prozent Beteiligung ergeben, dass 82 Prozent das Vorhaben ablehnten. Der damalige Bürgermeister Kuno Kußmann und viele Gemeinderäte stemmten sich gegen das Projekt. Doch wie sehen Bürger und Lokalpolitiker das Schutzgebiet mittlerweile?

„Unsere schöne Heimat wurde durch den Nationalpark geadelt. Wir stehen in einer Linie mit den weltweit großen Parks und jeder Park präsentiert sich im Nationalparkhaus als Informationszentrale“, findet Hubert Bauer, Globetrotter aus Gausbach. Als der Park entstand, hätte seiner Ansicht nach die Fichtenmonokultur entfernt werden sollen. „Das hätte die natürliche Renaturierung deutlich beschleunigt.“

Anne Heiler aus Langenbrand empfindet den Nationalpark Schwarzwald als eine Bereicherung, die Informationen der Parkverwaltung als „transparent und umfassend“. „Die Busverbindung vom Murgtal ins Höhengebiet sollte allerdings verbessert werden.“

„Park nicht per se Heilsbringer“

Hansjörg Albrecht aus Hundsbach arbeitet zwar mit seinem Forstbetrieb auch Aufträge vom Park ab und versteht sich gut mit den Beamten. Trotzdem sieht er den Park noch genau so kritisch wie zu Beginn. „Naturgut wird hier vernachlässigt. Ich arbeite seit 44 Jahren im Wald und mir tut es weh, dass wertvolles Holz verrottet und dadurch kein Erlös mehr generiert wird.“

Der Hobby-Mountainbiker und Vorsitzende des Skiclubs Hundsbach steht auch den Durchgangsverboten und Einschränkungen auf Waldwegen ablehnend gegenüber. Hier würde er sich mehr Fingerspitzengefühl der Verwaltung wünschen.

„Nach meinem Empfinden haben wir uns von den Unkenrufen der Gründungszeit in vielen Bereichen entfernt. Der Park ist nicht per se Heilsbringer und noch viel weniger haben sich Schwarzmalereien aller Art bewahrheitet“, sagt Bürgermeisterin Katrin Buhrke. Sie stellt das Potenzial für die Zukunft heraus: „Gerade in den ersten Jahren wurden viele Weichenstellungen vorgenommen, deren Ergebnisse vielleicht erst in Jahrzehnten richtig zu sehen sein werden.“ Sie sieht den Park als wichtigen Partner für die umliegenden Städte und Gemeinden. „Er setzt Impulse für die regionale Entwicklung und bietet als Leuchtturmprojekt gerade im touristischen Bereich Chancen.“

Wegenutzung steht in der Kritik

Auf der Agenda stehen unter anderem die Eröffnung des Nationalparkzentrums am Ruhestein, der Bau des Infozentrums in Herrenwies und die Umsetzung des neuen Verkehrskonzepts. „Es liegt auch an uns, an den Kommunen und den Menschen der Region, dass Chancen auch genutzt werden“, betont Buhrke.

Sie gibt jedoch zu: Es gebe „ab und an Punkte, in denen der Park und seine speziellen Regeln negativ wahrgenommen werden, gerade im Bereich der Wegenutzung“. In dieser Frage hält sie einen Kompromiss zwischen Naturschutz und Nutzerinteressen für notwendig.

„Die mit der Gründung des Nationalparks verbundenen Befürchtungen, aber auch Hoffnungen sind nicht eingetreten“, sagt indes Harald Mungenast (SPD). „Der Nationalpark tritt zumindest auf Forbacher Gebiet, mit Ausnahme der Beschilderung, wenig in Erscheinung.“ Er kritisiert die Prioritäten: „Es drängt sich der Eindruck auf, dass beide Nationalparkteile in ihrer touristischen Bedeutung unterschiedliche Gewichtung erfahren. Der südliche Nationalparkteil profitiert klar vom Standort als Nationalparkzentrum. Demgegenüber ist im Nordteil nicht allzu viel passiert. Der geplante Ausbau des Rossstalls in Herrenwies ist aufgrund der Kostensteigerungen beim Nationalparkzentrum fraglich und das Verkehrskonzept stuft die Achse Forbach/Schwarzwaldhochstraße in ihrer Bedeutung herab, obwohl hier eine hervorragende S-Bahn-Verbindung nach Karlsruhe existiert.“

In der SPD-Fraktion bestehe dennoch Hoffnung, dass sich neue Impulse im touristischen Bereich ergeben, die sich positiv auf die leerstehenden Hotels in den Höhenortsteilen auswirken.

„Der Nationalpark wurde gegen den deutlichen Willen der hiesigen Bevölkerung eingeführt. Nun gilt es, das Beste daraus zu machen und positive Entwicklungen für Forbach zu generieren“, sagt Sabine Reichl (CDU). Sie erhofft sich zum Beispiel vom neuen Verkehrskonzept eine bessere Anbindung der Höhenortsteile. Attraktiv für Touristen sei jedoch in erster Linie „unsere besonders schöne Natur“, nicht „ein millionenschweres Infozentrum am Ruhestein“ und schon gar nicht „rückgebaute Wanderwege oder Beerensammelverbote“. Ferner betont sie: „Die massiven Besucherzuwächse in diesem Jahr sind coronabedingt.“ Ob und inwieweit sich die Einstellung der Waldwirtschaft auf den Borkenkäferbefall ausgewirkt hat, möchte sie als Laiin nicht beurteilen.

„Wir sind nach wie vor überzeugt, dass die Schaffung von Wildniszonen und damit der Erhalt der Artenvielfalt gerade in Zeiten des Klimawandels von großer Bedeutung sind“, sagt Margrit Haller-Reif (Grüne). „Schon nach sechs Jahren sind die positiven Effekte des Prozessschutzes – Natur Natur sein lassen – sichtbar.“

Kritische Situation der Wälder durch Sommerhitze

Die Einrichtung des Nationalparks habe nicht zu einer Verschärfung der Borkenkäfer-Problematik beigetragen, betont sie. „Die kritische Situation vieler Wälder ist der zunehmenden Hitze im Sommer geschuldet und zeigt sich vornehmlich in Fichtenmonokulturen.“ Zudem habe sich gerade in Corona-Zeiten gezeigt, dass die Menschen den Wald nicht mehr nur als Wirtschaftsfaktor, sondern als Erholungsort und Gesundheitsquelle wahrnähmen.

„Die Region profitiert von den zahlreichen Besuchern und der Schaffung einer modernen Verkehrsinfrastruktur. Die kommerzielle Nutzung dieses Potenzials gelingt indes nur mit privatem und öffentlichem Engagement in den Nationalparkgemeinden.“

„Ich war noch nie ein Gegner des Nationalparks“, sagt Bärbel Ruckenbrod (FWG). „Es ist eine so geringe Fläche und ich finde es richtig und wichtig, dieses Stück Natur Natur sein zu lassen.“ Erfreulich findet sie, „dass auch Kritiker mittlerweile die Einstellung haben, dass alle versuchen sollten, das Beste daraus zu machen.“

Die Befürchtungen haben sich ihrem Eindruck nach nicht bewahrheitet. „Ein stetiger Anstieg vor allem auswärtiger Besucher ist zu erkennen. Auch das neue Nationalparkhaus wird sich sicherlich zu einem Besuchermagneten entwickeln.“

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