Skip to main content

Forbach ließ Konzept entwickeln

Planen für den Notfall: Was tun, wenn tagelang der Strom ausfällt?

Wenn mehrere Tage lang großflächig der Strom ausfällt, kann das katastrophale Folgen für das tägliche Leben haben. Vorsorge ist das A und O, bei Behörden wie bei Betrieben und Bürgern.

Kerzen und Kaminfeuer: Licht und Wärme sind bei einem Stromausfall keine Selbstverständlichkeit mehr. Zum Glück sind Netzunterbrechungen normalerweise kurz. Trotzdem sorgen Kommunen für mehrtägige, großflächige Stromausfälle vor - und Bürger sind gehalten, es ihnen nachzutun. Foto: Symbolfoto: Rolf Vennenbernd / dpa

Die Gemeinde Forbach hat sich einen Notfall-Plan zurechtgelegt. Wie dieser aussieht, wie Bürger selbst vorsorgen können und wie wahrscheinlich ein solcher Stromausfall überhaupt ist:

Was, wenn in Forbach mehrere Tage lang der Strom ausfällt? Die Gemeinde hat ein Konzept zur Vorsorge erstellen lassen. Foto: Reinhold Bauer

Wie wahrscheinlich ist ein mehrtägiger, großflächiger Stromausfall?

„Deutschland hat eines der sichersten Stromversorgungssysteme der Welt”, versicherte die Bundesregierung 2018 gegenüber dem Bundestag. Die Versorgungssicherheit liege Studien zufolge bei mehr als 99,99 Prozent. Nach den aktuellsten Zahlen der Bundesnetzagentur fiel im selben Jahr pro Verbraucher im Schnitt 14 Minuten lang der Strom aus. Grundsätzlich seien die Notfallpläne der Energieversorger sehr ausgereift, sagt auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Trotzdem hält es das Thema für sehr wichtig. „Es wird als ‘low propability, high impact’-Szenario angesehen”, schreibt die Pressestelle. „Das bedeutet, dass es eher unwahrscheinlich ist, jedoch nicht ausgeschlossen werden kann und bei Eintreten große Herausforderungen mit sich bringen würde.” Die Abhängigkeit von der Stromversorgung reicht vom heimischen Kühlschrank über Verkehrs- und Kommunikationssysteme bis zu Beatmungsgeräten im Krankenhaus. „Dauert ein großflächiger Stromausfall 24 Stunden oder länger, kann das katastrophenartige Auswirkungen nach sich ziehen”, betont das BBK. Empfohlen ist deshalb, zumindest für einen 72 Stunden langen Stromausfall vorzusorgen.

Was könnte einen solchen Ausfall auslösen?

Naturereignisse, technisches oder menschliches Versagen sowie gezieltes Handeln: Diese drei Beispiele nennt das BBK als mögliche Ursachen. Das Münsterländer Schneechaos im Dezember 2005 ist ein bekanntes Beispiel. In 25 Kommunen brach die Stromversorgung zusammen. Ein Teil der Betroffenen musste bis zu fünf Tage lang ohne Strom auskommen. Unter der Last von Schnee und vereisten Leitungen waren Hochspannungsmasten eingeknickt, abgebrochene Äste hatten weitere Leitungen beschädigt. Für Aufregung sorgte auch ein kurzzeitiger Stromausfall im Jahr darauf. Er betraf sieben Länder. Grund war eine schlecht geplante Abschaltung zweier Hochspannungsleitungen in Niedersachsen. Bislang seien Ausfälle jedoch entweder lang oder großflächig gewesen, betont das BBK - nicht beides zugleich.

Was plant die Gemeinde Forbach?

Das Ettlinger Ingenieurbüro RBS Wave hat 2019 ein Konzept für die Gemeinde vorgestellt, das bei einem kreisweiten Stromausfall eine Mindestversorgung für drei Tage ermöglichen soll. Es behandelt unter anderem Themen wie die Trinkwasserversorgung (sie funktioniert in Forbach glücklicherweise in weiten Teilen stromlos), den Kraftstoffvorrat (6.300 Liter Diesel und 1.400 Liter Benzin für Notstrom-Aggregate und Einsatzfahrzeuge), Kommunikationswege (Satellitentelefone, Funkgeräte, Boten) sowie wichtige Gebäude. Das Feuerwehrgerätehaus soll als Einsatzzentrale für die Verwaltung und Rettungskräfte dienen. Das Rathaus ist als Anlaufstelle für Forbacher vorgesehen. In der Murghalle und im Haus des Gastes in Hundsbach könnten Essensversorgungen und Notunterkünfte eingerichtet werden. Damit die vier Gebäude ihren Zweck erfüllen können, hat der Gemeinderat beschlossen, Notstrom-Aggregate zu kaufen und die nötigen Einspeisestellen installieren zu lassen. Der Haken: Das erste Notstrom-Aggregat sollte eigentlich in diesem Jahr fürs Feuerwehrgerätehaus angeschafft werden. Der Gemeinderat hätte dafür in der jüngsten Sitzung grünes Licht geben sollen. Er hat das Thema jedoch mit Blick auf die finanzielle Schieflage der Gemeinde vertagt.

Ist mit Unterstützung von außen zu rechnen?

Wenn weiträumigere Ausfälle auftreten, sind die Einrichtungen erst einmal mit sich selbst beschäftigt. Das Regierungspräsidium in Karlsruhe findet im Musternotfallplan von 2014 deutliche Worte: „Behörden, Betriebe und Kommunen müssen mit eigenen Mitteln auskommen.” Entsprechend individuell sind Notfall-Konzepte bislang geplant. Ein kreisweites Konzept stehe auf der Agenda, sagt Kreisbrandmeister Heiko Schäfer. Doch „das nimmt alles Zeit in Anspruch. Da geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit.” Schon jetzt gilt: Je nachdem, wie sich die Lage entwickelt, kommen nach und nach weitere Akteure und Hilfskräfte ins Spiel. „Von der unteren Verwaltungsebene geht’s hoch bis ins Ministerium.“

Wie sollten die Bürger selbst vorsorgen?

Kommunen sind zwar gehalten, eine Grundversorgung zu gewährleisten. Doch das Regierungspräsidium in Karlsruhe macht in seinem Musternotfallplan deutlich, dass die Bürger selbst Vorsorge treffen müssen. Es setzt auf Eigenverantwortung und Nachbarschaftshilfe. Das BBK bietet Broschüren mit Tipps für die Vorbereitung und den Katastrophenfall an. Im Vorfeld ist wichtig, sich über Ansprechpartner zu informieren und Vorräte anzulegen. Trinkwasser, Lebensmittel und Hygieneartikel gehören dazu, aber auch Batterien und Gaskartuschen. Ohne sie sind Campingkocher, Taschenlampen, Rundfunkgeräte und Radios wenig wert. Auch Rauchmelder, Feuerlöscher und Löschdecken sind wichtig. Eine eigene Notstromversorgung ist ebenfalls eine Überlegung wert. Nicht zuletzt sollte ein Gedanke pflegebedürftigen Angehörigen gelten. Brauchen sie Hilfe, müssen sie betreut werden? Vorbereitung ist in all diesen Bereichen Gold wert.

nach oben Zurück zum Seitenanfang