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Gemeinde investiert Millionen ins Netz

Wie Forbach für besseres Trinkwasser sorgt

Die Qualität des Trinkwassers in Forbach hat lang zu wünschen übrig gelassen. Bis vor kurzem ging ohne Chlor nichts: Bei Proben wurden regelmäßig coliforme Keime gefunden. Doch die Gemeinde ist nicht untätig geblieben. Die BNN stellen vor, was die Verkeimung verursacht hat, was die Gemeinde unternommen hat und wie sie für weitere Verbesserungen sorgen will.

Sauberes Lebensmittel: Die Gemeinde Forbach hat in allen Wasserwerken neue Filteranlagen einbauen lassen, um dem Wasser nicht mehr ständig Chlor zusetzen zu müssen. (Symbolfoto) Foto: Lino Mirgeler/dpa

Warum musste das Wasser in Forbach dauerhaft gechlort werden?

In Wasserproben sind immer wieder coliforme Keime gefunden worden. Um sie abzutöten, ordnete das Gesundheitsamt in Rastatt eine Dauerchlorung mit bis zu 0,3 Milliliter freiem Chlor pro Liter an. Die Keime sind vorwiegend pflanzlichen Ursprungs, können aber auch von Fäkalien oder Tierkadavern stammen. „Sie machen zunächst einmal gar nichts“, sagt Martin Höfer, Teamleiter des Hygienekontrolldienstes. Sie könnten aber bei immungeschädigten Menschen Durchfall verursachen. Bestimmte Untergruppen könnten zudem Wunden infizieren.

In Ausnahmefällen sind auch E. Coli-Bakterien und Enterokokken gefunden worden. Dann waren bis zu 0,6 Milliliter Chlor nötig, die Verbraucher mussten das Wasser abkochen. PFC spiele in Forbach hingegen keine Rolle, sagt Höfer. „Das wurde regelmäßig untersucht.“

Wie gelangen die Keime ins Wasser?

Das Problem entsteht in erster Linie, wenn Oberflächenwasser ins Quellwasser gelangt. Das ist etwa bei Starkregen oder Schneeschmelze der Fall, wird aber durch trockene, rissige Erde oder Löcher im Boden begünstigt. Das Wasser wird nicht auf dem Weg durch die Erde gefiltert, sondern fließt mitsamt Gräsern und Dreck direkt ein. „Das ist eine grundsätzliche Problematik im Nordschwarzwald“, sagt der Forbacher Ortsbaumeister Oliver Dietrich. Der Bodenfilter ist relativ dünn, weil sich nahe unter der Oberfläche Fels befindet, bestätigt Martin Höfer. „Das ist der Nachteil im Gebirgsbereich. Das Wasser läuft einfach durch.“

Zudem kann es durch Lecks oder Rohrbrüche ungefiltert ins Netz gelangen. Deshalb überwacht das Gesundheitsamt seit 2013 auch Hausanschlüsse.

Wasserversorger müssen mindestens einmal pro Woche in Quellnähe nach Risikofaktoren wie umgerissenen Bäumen oder Tierkadavern suchen, ihr Leitungsnetz in Schuss halten und regelmäßige Tests machen. Dietrich: „Wir beproben derzeit zehnmal im Jahr alle Quellen.“

Was hat die Gemeinde Forbach unternommen?

Die Gemeinde investiert kräftig in ihre zehn Wassernetze. Allein die Verbesserung der Hochbehälter und Ersatzwasserversorgung dürfte laut einem Strukturgutachten von 2017 knapp zehn Millionen Euro kosten. Das ist jedoch lediglich eine Schätzung.

Die erste große Maßnahme war die Erneuerung des Wasserwerks Schwarzenbach. Mit dem Betriebsstart im Juli 2019 endete die Chlorung im Kernort und Raumünzach. Das Wasser wird nun entsäuert, in einer Ultrafiltrationsanlage gereinigt und mit UV-Licht bestrahlt. „Das funktioniert hervorragend, die Befunde sind einwandfrei“, urteilt Martin Höfer. Notfalls könnte das Wasser stationär gechlort werden. Alle anderen Wasserwerke sollen nach dem selben Schema erneuert werden. Das ist aber teuer und braucht Zeit. Deshalb hat die Gemeinde als Zwischenlösung alle Hochbehälter mit Ultrafiltrationsanlagen ausgestattet, aus Platzgründen aber zunächst in Containern. Später können sie fest eingebaut werden.

Als letzte ging die Anlage an der Roten Lache an den Start. Sie hat die Freigabe zur Netzeinspeisung am 31. August bekommen. Obwohl der Probebetrieb gut anlief, ist eine kurzzeitige Chlorung notwendig geworden. Das Problem waren Vorlagebehälter, die für die Reinigung der Filter gebraucht werden. Es gab Anzeichen, dass sich darin ein Biofilm bildet, auf dem Keime wachsen könnten. Sie wurden deshalb gesäubert. „Die Anlage selbst funktioniert“, betont Höfer.

Was plant die Gemeinde nun?

Wohl ab dem Frühjahr 2021 wird das Wasserwerk in Hundsbach runderneuert und mit einer Ersatzwasserversorgung ausgestattet, die auch Selbstversorger in Orten wie Erbersbronn ans Netz bringen soll. „Wir sind gerade in der Ausführungsplanung“, sagt Oliver Dietrich. Wenn alles glatt geht, will die Gemeinde bald mit ersten Ausschreibungen beginnen. Nach Hundsbach folgen Gausbach, Langenbrand und Bermersbach. „Dann wären wir weitgehend durch.“ Gerade die Ersatzwasserversorgung ist ein sehr wichtiges Thema, sagt Martin Höfer. Forbach ist vom Quellwasser abhängig. Fällt eines der Netze aus, könnten derzeit nur Tankwagen helfen.

„Es ist insgesamt eine gewaltige Herausforderung“, bekennt Dietrich. Die Gemeinde ist bekanntlich knapp bei Kasse. Zum Glück hat das Land die bisherigen Maßnahmen großzügig bezuschusst: Es steuerte je 80 Prozent der förderfähigen Kosten bei. Für Hundsbach sind das fast drei Millionen Euro. „Sonst wäre das nicht möglich“, sagt Dietrich. „Wir fühlen uns wirklich unterstützt.“

Doch eigentlich müssten auch die Wasserrohre saniert werden. „Das sind alte Bestandsleitungen“, erklärt Dietrich. Doch angesichts der Keim-Belastung hatte die Gemeinde „erst mal andere Sorgen“.

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