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Ärger mit dem Rasen

FV Bad Rotenfels investierte hunderttausende Euro in Naturrasen - und brauchte doch einen neuen Kunstrasen

Der Weg zum Rasen war für den Gaggenauer Verein schwierig: Der erst 2019 gebaute Naturrasen erwies sich als untauglich. Ein Kunstrasen musste her.

Der Ball kann rollen: Jugendspieler Rouven Wieser testet den neuen Kunstrasen des FV Bad Rotenfels.
Der Ball kann rollen: Jugendspieler Rouven Wieser testet den neuen Kunstrasen des FV Bad Rotenfels. Foto: Thomas Senger

Es war ein langer Weg. Ehe Pfarrer Tobias Merz mit einem satten Elfer am linken Pfosten vorbei ins Netz den neuen Trainingsplatz endgültig einweihen konnte, hatte der Herrgott viel Schweiß beim FV Bad Rotenfels gesetzt: Für den neuen Kunstrasen mussten die Mitglieder in unzähligen Stunden erst den alten Sandplatz abräumen.

Dabei wäre der Kunstrasen gar nicht notwendig gewesen. Doch der erst 2019 eröffnete Naturrasenplatz unmittelbar daneben ist nicht funktionstüchtig. Nach derzeitigem Stand wird er komplett neu gebaut werden müssen.

Von Ärger über den schlecht entwässernden Naturrasenplatz war am Donnerstagabend nur wenig zu hören. Er war zwar auch an diesem sonnigen Donnerstag gesperrt – aber im Mittelpunkt der Einweihungsfeier für den neuen Kunstrasen standen die Freude und die Dankbarkeit, dass das künstliche Grün noch in diesem Jahr in den Trainingsbetrieb gehen kann.

Rasenplatz aus dem Jahr 2019 war zu weich und zu nass

Zu weich und zu nass ist der Rasenplatz von 2019 für mehrere Hunderttausend Euro. Nachbesserungen infolge eines Gutachtens führten nicht zum gewünschten Erfolg, woraufhin sich im FVR die Taskforce-Gruppe „Neubau Rasen“ gründete. Philipp Rieger, der zweite Vorsitzende, gewährte in seiner Rede am Donnerstag weitere Einblicke.

Nach über drei Jahren und vielen Mühen sei man immer noch in zähen Gesprächen mit der Rasenbaufirma: „Es kristallisierte sich leider ein kompletter Neubau des Platzes heraus, da mehrere Themen im Rasenaufbau nicht in Ordnung waren.“

Häufig habe man den Platz sperren müssen, insbesondere in der kalten Jahreszeit. Folge: „Es fehlten ausreichend Trainings- und Spielfläche für unsere 250 Kinder, zwei aktive Herrenmannschaften, unsere Damenmannschaft sowie unsere Alte Herrenmannschaft. Darüber hinaus belasteten Sprint- und Koordinationsübungen unsere Naturrasenflächen so stark, dass diese verboten werden mussten.“

Ein Kunstrasen hingegen sei ganzjährig immer gleich gut bespielbar, „kein Matsch und weniger Verletzungen durch Schürfwunden“ als auf einem Hartplatz. 2020 reifte die Idee heran; Anfang 2022 wurde das Projekt Kunstrasen deutschlandweit ausgeschrieben. Nach der Auftragsvergabe im Juni wurden ab Juli in mehreren Arbeitseinsätzen die Voraussetzungen für den Neubau geschaffen: „Wir mussten die vorhandene Einfassung der Tennenfläche inklusive H-Steinen zurückbauen, den Betonkeil rausmeißeln und den Ballfangzaun zum Wald hin abbauen.“

Fluchtlichtmasten verfügen über energiesparende LEDs

Es war bereits Anfang September, als mit dem Abtrag der Tennenfläche begonnen wurde: 600 Tonnen Erdaushub wurden ausgebaut und abgefahren; im Anschluss folgten unter anderem der Einbau von Drainage und einem Sickerschacht für den Platz. Er hat die Maße 37,5 auf 37,5 Meter. Für den neuen Flutlichtmasten mit energiesparenden LED-Strahlern mussten ein Fundament gesetzt und ein Kabel verlegt werden. Ende September erfolgte der Einbau der neuen Schottertragschicht, am 6. Oktober begann der Einbau des Kunstrasens.

Riegers Bilanz: „Innerhalb von sieben Wochen haben wir eine alte, nicht mehr bespielbare Tennenfläche mit großen Steinen in einen modernen Kunstrasen verwandelt.“ Rückblickend sagte der zweite Vorsitzende zu den Arbeitseinsätzen schmunzelnd: „Ich kann keine H-Steine mehr sehen.“

Seit Anfang der Woche werde nun auf dem neuen Kunstrasen trainiert – zur Freude der Spieler, wie Rieger mit dem Zitat eines E-Jugendspielers belegte: „Ey, Digga, fühlt sich das cool an!“

Viel Lob gab es auch von Oberbürgermeister Christof Florus: „Vorbildhaft“ sei der FV Bad Rotenfels, „ihr zeigt, dass man mit Ehrenamt viel erreichen kann.“ Mit zwei Rasenplätzen, einem Hartplatz und einem Kunstrasenplatz sei der Verein ganz auf der Höhe der Zeit. Die rund 190.000 Euro Gesamtkosten wurden nicht nur von der Stadt Gaggenau bezuschusst, sondern auch von rund 40 Sponsoren. Dank an alle Beteiligten äußerte auch Rudi Drützler. Als Vorsitzender und Kassierer des Vereins ist er ebenfalls eine tragende Säule des Kunstrasenprojekts.

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