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OB nimmt Fragen entgegen

Bis zu 200 Personen demonstrieren in Gaggenau gegen Corona-Teststrategie

Bis zu 200 Personen haben an einer Demonstration der Elterngemeinschaft „Gesunde Luft für Murgtal-Kinder“ teilgenommen und dem Gaggenauer Oberbürgermeister einen Fragenkatalog übergeben. Dabei ging es nicht immer ohne Querdenker-Floskeln zu.

Protest vor der Jahnhalle: Mit Plakaten wie diesen machten die knapp 200 Teilnehmer ihrem Unmut Luft. Foto: Foto: Swantje Huse

Auf den Plakaten steht „Quält uns nicht länger“, „Mama, ich friere so in der Klasse“ oder auch „Frische Luft für frische Kinder“.

Zwischen 150 und 200 Personen, so Polizeischätzungen, haben sich am Montagabend vor der Jahnhalle in Gaggenau versammelt und gegen die Teststrategie der Stadt, die Maskenpflicht an Schulen und grundlegende Corona-Regeln demonstriert.

Angemeldet worden war die Veranstaltung von einer bis dahin unbekannten Elterngemeinschaft „Gesunde Luft für Murgtal-Kinder“, hinter der unter anderem die Gaggenauerin Sara Wörner steht. Mit von der Partie war auch Eduard Meßmer, der seit Monaten Corona-Proteste in der Region organisiert.

Klaviatur wird von „Freiheit“ bis „Kinder an die Macht“ bespielt

Am 27. September habe man sich mit einem ausführlichen Fragenkatalog an Oberbürgermeister Christof Florus (FWG) gewandt und warte bis heute auf Antworten, so Wörner, die ihren Namen selbst nicht nannte, „weil wir uns selber schützen wollen“.

Man sei weder rechts, noch links, noch quer, kritisierte sie Medienberichterstattungen zum Thema, „wir sind Selbstdenker mit gesundem Menschenverstand und wollen die Meinungsfreiheit nutzen“.

Wir sind Selbstdenker mit gesundem Menschenverstand.
Sara Wörner, Mit-Initiatorin

Vor allem die geplante Teststrategie der Stadt mit PCR-Pooltestungen an den Schulen nahm sie in den Fokus. Der Spucktest werde schlecht geredet, die Gefahren der Stäbchentests dagegen ausgeblendet.

Es handle sich um einen „invasiven Eingriff, der mit Gefahren verbunden“ sei, erklärte nicht nur Wörner, sondern später auch Eduard Meßmer auf der Veranstaltung, die mit Liedern wie Westernhagens Einheits-Hymne „Freiheit“, Jacksons „They don’t care about us“, Nenas „99 Luftballons“, Grönemeyers „Kinder an die Macht“ oder „Wind of Change“ von den Scorpions untermalt wurde.

Menschenmenge: Nach Polizeischätzungen folgten rund 150 Demonstranten dem Zug von der Jahnhalle auf den Marktplatz, um dort weiter zu demonstrieren. Foto: Swantje Huse

Man habe einen Ordner mit allen wichtigen Fragen zusammengestellt, den man – so eine zweite, namenlose Rednerin – dem OB gerne vor Ort überreicht hätte. „Er muss ihn nur noch durcharbeiten, dann könnte er behaupten, zum Wohle der Kinder gehandelt zu haben.“

Zwar war Florus nicht als Redner auf die Demonstration gekommen, nahm die Mappe aber im Vorfeld der Gemeinderatssitzung in der Jahnhalle entgegen.

„Ich will keine Gräben schaffen, sondern Antworten geben“, sagte Florus gegenüber dieser Redaktion. Die Mappe werde nun gelesen und mit Unterstützung der entsprechenden Fachabteilungen bearbeitet. „Wir sind aber immer noch der Meinung, dass die Pooltestung der beste Weg ist“, so Florus.

Ich will keine Gräben schaffen, sondern Antworten geben.
Christof Florus, Oberbürgermeister

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die Stadt Gaggenau nach dem Herbstferien die Teststrategie an den Schulen ändern möchte.

Das Land lockert zudem die Maskenpflicht an Schulen ab dem 18. Oktober. Während bisher drei Mal pro Woche Antigen-Schnelltests genutzt werden, an vielen Grundschulen als Eigentestung zuhause, soll dann auf PCR-Pooltests umgestellt werden.

Ein Verfahren, das die Stadt bereits seit Monaten an ihren Kindergärten praktiziert. Eine Gruppe von rund 100 Eltern hat sich gegen die neue Teststrategie gewendet, deren Alltagstauglichkeit sie anzweifelt.

Vom Robert Koch-Institut sowie zahlreichen Medizinern werden die PCR-Tests begleitend zur Impfung als die sicherste Methode im Kampf gegen die Pandemie empfohlen.

Er ist ein Querdenker und schadet damit der Sache.
anonym, eine Demoteilnehmerin

„Ich finde die Maßnahmen, die die Politik bisher gefunden hat, ganz fürchterlich“, erklärte ein Vater mit Anti-Maskenpflicht-Schild seine Motivation, an der Demo teilzunehmen. Eine Mutter erklärte, ihr Drittklässler habe dank Maskenpflicht so lange wie nie zuvor mit einer Erkältung zu kämpfen.

Als Unterstützung für ihre Enkeltochter war wiederum eine andere Frau vor Ort, die wenig glücklich mit dem Auftritt von Meßmer bei der Demonstration war. „Er ist ein Querdenker und schadet damit der Sache. Hier geht es um die Kinder.“

Die Demonstration endete mit einem Zug über die Murg auf den Marktplatz, wo neben Wörner und Meßmer auch Teilnehmer das Wort ergriffen, darunter auch einige Kinder. Gegen 19.15 Uhr löste sich die Veranstaltung auf.

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