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Fotos mit wilden Tieren

So sammelt eine Gaggenauerin Spenden mit Tier-Shootings

Mit einer Fotoaktion will die Gaggenauerin Jenny Sigges mindestens 1.000 Euro für die Wildtierstation Mittelbaden sammeln – die sucht derweil weiter nach einem neuen Standort: Was ist aus der Option Gaggenau geworden?

links eine Kamera, rechts ein Katzenbaby, das ins Objektiv schaut
Foto: Jenny Sigges

Liegt die Zukunft der Wildtierstation Mittelbaden in Gaggenau? Eine Frage, auf die es nach wie vor noch keine eindeutige Antwort gibt. Seit November letzten Jahres laufen die Verhandlungen – und ein Ende ist immer noch nicht in Sicht.

„Es stockt nicht“, betont Gaggenaus Bürgermeister Michael Pfeiffer. „Es geht nur nicht so schnell, wie man es sich wünschen würde.“ Als Baudezernent ist er intensiv in die Verhandlungen um das Grundstück auf Gaggenauer Gemarkung eingebunden.

Um welches es sich handelt? Darauf gibt er keine Antwort. Pfeiffer bestätigt lediglich, dass es sich nach wie vor um einen Standort in Bad Rotenfels handelt, der der Stadt gehört.

Verein muss Raumkonzept nach unten korrigieren

Auch Wolfgang Huber, Vorsitzender des Trägervereins der Wildtierstation, hält sich bedeckt. Sollten die Verhandlungen glücken, so wird die Station, die sich derzeit kurz vor dem Ortseingang von Bischweier befindet, nicht weit umziehen müssen.

Dreh- und Angelpunkt in der aktuellen Verhandlungsphase ist offenbar das Konzept. „Wir wollen ein rundes Konzept mit guter Lösung“, betont Bürgermeister Pfeiffer. „Da gibt es einiges an Gesprächsbedarf.“ Derzeit liege der Ball aber nicht bei der Stadt Gaggenau, sondern beim Verein und dem Landratsamt.

Da gibt es einiges an Gesprächsbedarf.
Michael Pfeiffer, Bürgermeister und Baudezernent

Laut Wolfgang Huber ist die Größe der zukünftigen Wildtierstation Hauptdiskussionspunkt. „Ich wollte doppelt so viel Gelände“, so der Vereinsvorsitzende. Das sei aber nicht zu haben, weil die Stadt Gaggenau mit der Fläche noch weitere Pläne habe. Für ihn bedeute das, das ursprüngliche Konzept anzupassen.

junger Feldhase, im Hintergrund Anja Starck, die ihn in die Kamera hält
Foto mit Tier: Anja Starck von der Wildtierstation präsentiert einen ihrer derzeitigen tierischen Gäste, einen jungen Feldhasen. Foto: Jenny Sigges

Für das Landratsamt ist das noch aus einem anderen Grund wichtig, betont Bau- und Umweltdezernent Sébastien Oser. „Wir wollen den noch relativ jungen Verein nicht in eine Situation bringen, in der er sich überlasten könnte.“ Solche Fälle habe es immer wieder bundesweit gegeben, nicht zuletzt auch mit der Wildvogelstation von Pierre Fingermann in Rastatt.

Wenn am Ende aber ein schlüssiges Konzept stehe, sei auch die Genehmigung kein Problem mehr – „und mit ihr können dann auch öffentliche Träger wie Kommunen oder der Landkreis gewonnen werden“, so Oser.

Wildtierstation braucht mehr Geldquellen

Einen großen Anteil in der Wildtierstation machen bisher auch Rehkitze aus. Ob diese an einem Standort Gaggenau weiterhin zur Pflegestelle gebracht werden können, bezweifelt der Umweltdezernent.

„Wir können nicht alles aufnehmen“, räumt auch Huber ein. „Da muss man gleich drei, vier Großgehege bauen. Das ist auch nicht sinnvoll.“ Die derzeit diskutierte Alternative – alles, was die Jagd betrifft, geht an die Jäger – behagt ihm aber auch nicht wirklich. „Die schießen die Tiere im Zweifel tot“, so seine Befürchtung.

Egal, worauf es am Ende genau hinauslaufe: „Wir brauchen mehr Geldquellen. Da müssen wir noch mehr tun.“ Laut Huber ist die Anzahl der Fördermitglieder der Wildtierstation zwar auf etwa 130 gestiegen. „Aber aktuell ist nicht die Zeit, in der man die Spender massenweise kriegt. Die haben derzeit andere Sorgen.“

Aber ich wollte mehr Aufmerksamkeit für die Arbeit dort.
Jenny Sigges, Initiatorin der Spendenaktion

Umso mehr freut sich Wolfgang Huber über Aktionen wie die von Jenny Sigges. Die Fotografin aus Hörden hat die Wildtierstation bei Spaziergängen entdeckt und sich vor Ort über die Arbeit informiert.

„Dann habe ich mich gefragt, wie kann ich helfen?“, erzählt Sigges. Natürlich hätte sie selbst spenden oder vor Ort mitarbeiten können. „Aber ich wollte mehr Aufmerksamkeit für die Arbeit dort. Selbst im Tierfutterhandel kannten sie die Station nicht.“

Um das zu ändern, hat Sigges eine Tierfoto-Spendenaktion ins Leben gerufen: Für 100 Euro können sich Menschen von Sigges mit ihren eigenen Haustieren oder aber vor Ort in der Wildtierstation fotografieren lassen und bei der Gelegenheit auch gleich hinter die Kulissen schauen.

Die Fotos gehen an die Auftraggeber, das Geld komplett an die Station – und wer will, kann sich sogar eine Spendenbescheinigung ausstellen lassen.

Ich bin positiv gestimmt, dass wir das schaffen.
Wolfgang Huber, Vorsitzender der Wildtierstation

Seit Mitte September wirbt Sigges auf Facebook für ihre Aktion. „Der Zuspruch ist sehr positiv“, freut sie sich. Dennoch habe es bisher nur zwei Fotoshootings gegeben, zwei weitere seien geplant. Das Ziel der Fotografin ist klar: Zehn Shootings bis Weihnachten. „Mit 1.000 Euro kann man schon was machen.“

Ein Igel wird fotografiert.
Tierisches Model: Um auf die Arbeit der Wildtierstation aufmerksam zu machen, fotografiert Jenny Sigges die Tiere, die dort gepflegt werden. Foto: Jenny Sigges

Igel in Wollschal
... und postet die Fotos dann in den sozialen Medien. Hier sorgen sie für allerlei Herzchen-Emojis. Foto: Jenny Sigges

Zwischenzeitlich fotografiere sie einfach die Pflegetiere. Und wenn die Aktion dann gut laufe, mache sie auch gerne noch länger weiter, sagt sie optimistisch.

Eine Grundhaltung, die auch Pfeiffer und Huber teilen. „Wir sind in allen Bereichen auf einem guten Weg“, sagt der Bürgermeister. Und der Vereinsvorsitzende betont: „Ich bin positiv gestimmt, dass wir das schaffen.“

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