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Arturo Laime startet Open-Air-Ausstellung

Peruaner will Gernsbachs Kunstszene mit den Tagen der offenen Fenster aus dem Corona-Koma holen

Die Pandemie hat Künstler hart getroffen. Ausstellungen in geschlossenen Räumen müssen ausfallen. Der peruanische „Gernsbacher Neubürger” Arturo Laime setzt der Krise jetzt ein kreatives Konzept entgegen.

Künstler, Kunstlehrer und kreativer Ideengeber: Arturo Laime ist der Initiator der Ausstellung „Tage der offenen Fenster“. Foto: Sabine Katz

Von Sigrid Preuss-Fieting

Da muss ein Künstler aus Peru kommen, um in Gernsbach das Karussell der Kunst anzukurbeln. Seit März 2020 lebt Arturo Laime in dem „wunderschönen Städtchen“, das coronabedingt in Starre versank. Zuvor war er sieben Jahre lang als Kunstlehrer in Frankfurt tätig. Hart getroffen hat die Pandemie Künstler aller Art, auch die der bildenden Kunst. Denn Vernissagen fanden ab März nicht mehr statt, auch Unterrichtsstunden mussten abgesagt werden.

Laime, der „Gernsbacher Neubürger“, wollte sich damit nicht abfinden. Eine konkrete Idee wirbelte bereits seine Gedanken, seine Kreativität auf. Warum sollte das, was einst in Oxford von Erfolg gekrönt war, nicht auch in Gernsbach funktionieren? Statt Ausstellungen in geschlossenen Räumen könnten Schaufenster der Geschäfte genutzt werden, um der Kunst ein Forum zu bieten. So könnte das Zentrum der Stadt zu einer Open-Air-Galerie und nebenbei ein Touristen-Magnet werden.

Der umtriebige Expressionismus-Maler suchte Kontakte zu hiesigen Künstlern, kontaktierte Sabine Katz, die Vorsitzende des Gewerbevereins. Diese zeigte sich begeistert und wirkte ihrerseits unterstützend mit. So auch Bürgermeister Julian Christ.

Kunstwerke unterschiedlichster Genres noch bis 30. August zu sehen

Die Gernsbacher Geschäftswelt freundete sich ebenfalls schnell mit der Idee an. Bis zum 30. August sind nun während eines gemütlichen Spaziergangs durch die Altstadt sehr differenzierte Arbeiten in aller Ruhe mit Corona-Abstand zu bestaunen. Ein vom Gewerbeverein herausgegebener Wegeplan liegt in allen Geschäften bereit.

Fünf Künstler unterschiedlichster Genres haben endlich Gelegenheit, ihre beeindruckenden Werke zu zeigen. Arturo Laime, der Ideengeber, liebt kräftige Ölfarben und einen markanten Pinselschwung. Die Altstadt ist eines seiner beliebten Motive. Stein und Holz sind die Materialien der Bildhauerin Annegret Kalvelage, die aus einem einfachen Baumstück ein himmlisches Wesen schafft.

Maria Mantis kreiert Kunstwerke durch das Objektiv ihrer Kamera. Zarte Aquarellarbeiten präsentiert Krystyna Lubanski. Mit sehr unterschiedlichen „Zutaten“, wie Wolle, Zahnstocher und Steine verschönt Mario Grau seine Malerei. Bereits 2018 überzeugte er mit seiner Ausstellung im Gernsbacher Rathaus. Last but not least gibt es da noch den Designer Heiner Strackharn, ebenfalls ein Neubürger. Im März kehrte er seiner Wahlheimat Mallorca den Rücken und ließ sich mit seiner Frau in Gernsbach nieder. Seine mit dezenter LED-Beleuchtung gezierten Wandobjekte im goldenen Design sind ein Hingucker, edel und attraktiv.

Stillstand darf es nicht geben. Kunst braucht immer kreative Ideen und jetzt noch mehr
Arturo Laime, Künstler

Zu einem Gespräch mit den BNN trafen drei der insgesamt fünf Künstler zusammen, um über Corona und die daraus entstandenen Probleme zu plaudern. Sie sprachen für alle Künstler die ohne Arbeit und Gage versuchen, über die Runden zu kommen.

„Aber Stillstand darf es nicht geben. Kunst braucht immer kreative Ideen und jetzt noch mehr“, lacht in optimistischer Weise Arturo Laime, der „Tage der offenen Fenster“ in Gernsbach zu einer tragenden Kultur-Säule werden lassen möchte. Noch mehr Künstler sollen sich künftig daran beteiligen. Er denkt auch daran, Musiker mit einzubinden. „Das heimelige Flair der Altstadt ist der ideale Rahmen für Kunst-Events“.

Auch die Fotografin Maria Mantis hat Einbußen hinnehmen müssen, doch seit Juni rollen die Aufträge zum Foto-Shooting wieder an. Arturo Laime hat es mit seiner engagierten Initiative geschafft, einen Stein ins Rollen zu bringen, der weiter rollen und die Stadt zu einem Kunst-Treff machen soll.

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