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Betrieb endet spätestens 2023

Aus für die HLA Gernsbach: Kreistag stimmt für Schließung

Das Schicksal der HLA ist besiegelt: Der Kreistag in Rastatt hat sich mehrheitlich für eine Schließung der Handelslehranstalt in Gernsbach ausgesprochen. Ihr bleiben noch höchstens zwei Schuljahre.

Die Tage der HLA sind gezählt: Alle aktuellen Schüler sollen ihren Abschluss noch in Gernsbach machen. Foto: Reinhold Bauer

Die Handelslehranstalt (HLA) in Gernsbach wird geschlossen. Das hat der Rastatter Kreistag am Dienstagnachmittag entschieden. Damit steht die kleinste öffentliche berufliche Schule in Baden-Württemberg vor dem Aus.

Mit dem Beschluss ist der Kurs gesetzt: Der Landkreis Rastatt wird die HLA spätestens 2023 auflösen. Idealerweise soll es schon im Sommer 2022 so weit sein. Wenn möglich, sollen alle aktuellen Schüler ihren Abschluss noch in Gernsbach machen.

Die Bildungsangebote sollen auf drei kreiseigene Schulen verteilt werden: die Handelslehranstalten in Rastatt und Bühl sowie die Carl-Benz-Schule in Gaggenau. Die kaufmännische Berufsfachschule würde dabei wegfallen. Als Ersatz soll in Gaggenau eine Berufsfachschule Metalltechnik eingerichtet werden. Das Regierungspräsidium in Karlsruhe unterstützt diese Vorgehensweise.

Mit ihrer Entscheidung folgte die Mehrheit der Kreisräte einer Empfehlung des Ausschusses für Schulen und Kultur. Dieser hatte sich Ende April mehrheitlich für die Schließung ausgesprochen. Der Landkreis Rastatt als Schulträger und das Regierungspräsidium in Karlsruhe als Kultusverwaltung haben schon im November auf eine Schließung gepocht.

Das Hauptargument ist die sinkende Schülerzahl. Im laufenden Schuljahr verteilen sich 326 Schüler auf neun Bildungsgänge wie die Wirtschaftsoberschule, das kaufmännische Berufskolleg oder die Sonderberufsschule Wirtschaft und Verwaltung.

Alle Handlungsoptionen sind ausgeschöpft.
Katrin Höninger, Referatsleiterin für Berufliche Schulen

Nach mehreren Maßnahmen zur Unterstützung der Schule sehen die beiden Behörden keine Perspektive mehr für die Schule. Katrin Höninger, die zuständige Referatsleiterin im Regierungspräsidium, wiederholte am Dienstag in aller Deutlichkeit: „Alle Handlungsoptionen sind ausgeschöpft. Jetzt geht es um die Art der Schließung.“

Es gebe keinen Schutzmantel mehr für die Schule – sondern nur noch zwei Optionen: Entweder beschließt der Kreistag die Auflösung der HLA in einem geordneten Prozess. Oder die Schulaufsicht schließt einen Bildungsgang nach dem anderen, sobald die Mindestschülerzahl mehrfach unterschritten wird. „Das ist ein Sterben auf Raten“, sagte Höninger.

Es ist keine tragfähige Perspektive vorhanden.
Andreas Merkel, Fraktionsvorsitzender der CDU

Die CDU, die Grünen und eine große Mehrheit der Freien Wähler stimmten für die Schließung. „Die Fakten liegen auf dem Tisch“, sagte Andreas Merkel (CDU). „Es ist keine tragfähige Perspektive vorhanden.“ Ziel müsse ein attraktives berufliches Schulwesen im Landkreis sein, das künftigen Schülergenerationen nützt. Ähnlich argumentierte Manuel Hummel (Grüne): Es mache keinen Sinn, „Hoffnungen zu wecken, die sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht erfüllen werden“. Arne Pfirrmann (FW) sprach zudem die Fairness an: Die HLA sei besser versorgt worden als andere Kreisschulen – nicht zuletzt mit Lehrern, einer knappen und wertvollen Ressource.

Bürgermeister Julian Christ wirbt für den Erhalt der Schule

Für den Erhalt der Schule stimmten die SPD sowie Vertreter der FDP/FuR, der AfD und der Linken. Ihnen griffen die Argumente für eine Schließung zu kurz. Sie sprachen die Bedeutung der Schule für Ausbildungsbetriebe, Schüler und das Murgtal als Ganzes an, ihre prestigeträchtigen Projekte und verborgenen Potenziale. Nicht zuletzt verwiesen sie auf die große Wertschätzung und Unterstützung der Schule in der Bevölkerung.

„Die Handelslehranstalt hat die Chance auf eine positive Entwicklung, wenn man ihr die Möglichkeit dafür einräumt“, betonte der Gernsbacher Bürgermeister und Kreisrat Julian Christ (SPD). Weil er nicht an der Sitzung teilnehmen konnte, verlas Renate Schwarz (SPD) seine Stellungnahme. Darin warb er erneut für den interfraktionellen Antrag zum Erhalt der Schule, den 46 Kreisräte im Oktober unterzeichnet hatten.

Wir hätten uns gewünscht, dass echte Alternativen da sind.
Horst Fritz, SPD-Kreisrat

Christ pochte auf einen Schulentwicklungsprozess, an dem die Schule, Schüler, Lehrer, Eltern und Ausbildungsbetriebe aktiv mitwirken. „Einen solchen Prozess gab es bis heute nicht“, kritisierte er. „Die Schulentwicklung, von der der Landkreis spricht, ist die Abstimmung zwischen zwei Behörden: Regierungspräsidium und Landratsamt.“

„Wir hätten uns gewünscht, dass echte Alternativen da sind“, sagte auch Horst Fritz (SPD). Aus seiner Sicht hätte beispielsweise das Thema Industrie 4.0 Ansätze geboten. „Wir verstolpern uns jetzt, diese Schule zu schließen. Neue Möglichkeiten untersuchen wir nicht.“ Mehr noch: Die vorgestellten Optionen seien in Wirklichkeit keine Optionen, kritisierte Fritz. Angeboten werde nur die Schließung. „Ich frage mich, was wir dann entscheiden.“

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