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Protest gegen Corona-Impfungen

Corona-Impfgegner hängen Plakate vor dem Gernsbacher Rathaus auf

Vor dem Gernsbacher Rathaus hingen am Donnerstag Plakate mit Äußerungen von Impfgegnern. Am Morgen entfernten Mitarbeiter der Verwaltung die Gegenstände.

Die Kerzen und Plakate haben Impfgegner nach Aussage des Gernsbacher Bürgermeisters Julian Christ am Mittwochabend vor dem Rathaus platziert. Foto: Sabine Rieger

„Nein! Zur Impfpflicht“, „DDR 2.0: Wollen wir wirklich da hin?“, „Sofortiger Impfstopp“ oder „Gernsbach weiß Bescheid“: Vor dem Gernsbacher Rathauses hängen am Donnerstagmorgen zahlreiche Plakate mit Äußerungen von Impfgegnern. Auf der Treppe vor dem Gebäude stehen Dutzende Kerzen.

Dazwischen liegen weitere Blätter mit Aufschriften wie „Wir sind alle gleich und gleich viel wert“ oder „Wenn die Impfpflicht für die Pflege kommt, seid euch bewusst, dass das System kollabiert.“

Die Impfgegner hätten die Kerzen und Plakate am Mittwochabend nach der Schließung des Rathauses platziert, sagt Bürgermeister Julian Christ (SPD) auf Nachfrage dieser Zeitung. „Bei der genauen Uhrzeit will ich mich nicht festlegen. Wir in der Verwaltung haben von der Aktion nichts mitbekommen.“ Das Gleiche berichtet auch die Polizei. Über den Vorfall sei nichts bekannt.

Ernst Fischer, Inhaber des gleichnamigen Sportgeschäfts am Salmenplatz, erzählt: Als er gegen 20 Uhr aus seinem Laden ging, sei ihm vor dem Rathaus nichts aufgefallen. „Die Aktion muss später gewesen sein“, sagt er. „Sie wollten nicht gesehen werden.“

Julian Christ erklärt, dass den Rathausmitarbeitern am Donnerstagmorgen die Kerzen und Plakate aufgefallen seien, als sie zur Arbeit kamen. Kurze Zeit später sind die Gegenstände weggeräumt worden. In Deutschland gebe es zwar eine Meinungsfreiheit, betont Christ. „Äußerungen wie DDR 2.0 haben am Rathaus aber nichts zu suchen. Es handelt sich um ein neutrales Gebäude.“ Außerdem fügt er an: „Die teilweise polemische Kritik teile ich nicht.“

Es gibt keine Hinweise auf die Drahtzieher

Trotzdem könne er den Frust der Menschen über die erneut verschärften Corona-Regeln nachvollziehen. Diese stammten aber nicht von der Stadt Gernsbach. Die Kommunen setzten lediglich um, was von der Politik vorgegeben wird. „Die Drahtzieher haben sich vermutlich einen Ort gesucht, an dem der Staat irgendwie erkennbar ist. In diesem Fall das Rathaus vor Ort“, so Christ.

Seiner Aussage nach gibt es keine Hinweise darauf, wer hinter der Aktion steckt. In Gernsbach ist es nicht die erste Protestaktion in der Corona-Pandemie: Im Juni vergangenen Jahres hatte eine dreifache Mutter aus Gernsbach eine Mahnwache auf dem Salmenplatz organisiert. Unter dem Motto „Wir für unsere Kinder“ wollten sie und die Teilnehmer auf die negativen Folgen der Corona-Maßnahmen für die Entwicklung von Kindern aufmerksam machen.

Der Protest zeigt die zunehmende Spaltung der Gesellschaft. Und das macht mir große Sorgen.
Julian Christ, Bürgermeister

Auf die Frage, ob die damals beteiligten Personen möglicherweise auch die jüngste Aktion auf die Beine gestellt haben, sagt Christ: „Ich will mich an den Spekulationen nicht beteiligen.“ Doch eines sei für ihn klar: „Der Protest zeigt die zunehmende Spaltung der Gesellschaft. Und das macht mir große Sorgen.“

Nach seinen Angaben ist er derzeit oft mit dem Frust, Ratlosigkeit und Emotionalität der Bürger konfrontiert. So erreichten die Stadtverwaltung regelmäßig anonyme Schreiben, die die Rathausmitarbeiter und ihn zum Teil aufs Schärfste angreifen. Als „hirnverbrannt“ habe beispielsweise jemand bezeichnet, dass er lange an den Plänen für den Gernsbacher Weihnachtsmarkt festhielt, erzählt Christ. Das Vokabular der Schreiben sei aber teilweise noch deutlich verletzender. „Harsche Kritik kommt sowohl von Impfgegnern, als auch von Impfbefürwortern.“

Bei umstrittenen Themen gehört Kritik auch einfach dazu.
Julian Christ, Bürgermeister

Was machen die anonymen Schreiben und die Protestaktion am Rathaus mit ihm? „Ich gehe damit sachlich um und lasse mich nicht davon beeindrucken“, betont der Bürgermeister. „Bei umstrittenen Themen gehört Kritik auch einfach dazu.“ Doch Christ wünscht sich, dass die Debatten weniger emotional geführt werden. In der aktuellen Krise müssten die Menschen zusammenhalten und Toleranz zeigen, statt gegeneinander zu hetzen.

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