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Maximale Besucherzahl unter Corona-Bedingungen längst nicht erreicht

Die Saison läuft im Igelbachbad Gernsbach schleppend an

Badegäste im Igelbachbad haben zurzeit viel Gesprächsbedarf, berichtet Betriebsleiter Matthias Heinrich. Vieles ist noch ungewohnt: angefangen bei der Online-Buchung bis hin zu den vorgegebenen Schwimmrouten.

Die Corona-Vorgaben hinterlassen ihre Spuren: Schilder, Sperrbänder und Warnkegel bestimmen derzeit das Bild im Igelbachbad Gernsbach. Der Betriebsleiter Matthias Heinrich steht hinter den Maßnahmen - aber er freut sich auf die Rückkehr in den Normalbetrieb. Foto: Christiane Widmann

Wie geht es euch mit der Corona-Pandemie? Was muss ich im Becken beachten? Muss der Einbahn-Verkehr wirklich sein? Badegäste haben zur Zeit viel Gesprächsbedarf, beobachtet Matthias Heinrich.

Kaum Senioren und Jugendliche besuchen das Bad

Er ist Betriebsleiter im Igelbachbad. Seit fast einer Woche hat es geöffnet. Vieles ist noch ungewohnt: angefangen bei der Online-Buchung bis hin zu den vorgegebenen Schwimmrouten. Möglicherweise sind auch deshalb die Kapazitäten des Schwimmbads längst nicht ausgereizt.

Je 219 Besucher dürften derzeit in der Vormittags- und Nachmittagsschicht kommen, doch bislang blieb die Zahl der Gäste darunter. Zwar werden es täglich mehr. Doch Matthias Heinrich fällt auf, dass ältere Stammgäste und Jugendliche fehlen. Er vermutet, dass die Buchung im Internet für Senioren eine Hürde ist. Die Jugendlichen suchen seiner Einschätzung nach eher Baggerseen und das Murgufer auf, weil es dort weniger streng zugeht.

„Ich wünsche mir etwas mehr Action“, sagt Heinrich offen. „Der Tag geht schon schneller rum bei 1.000 Gästen als bei 219.” Hinzu kommt, dass seiner Erfahrung nach Unfälle bei einer hohen Besucherzahl schneller auffallen. Auch deshalb ist ihm wichtig, „schnellstmöglich wieder in eine normale Saison zu kommen”.

Die üblichen Höchstzahlen bei gutem Wetter, 1.500 Besucher, wird er 2020 zwar nicht mehr erreichen. Doch die Stadt hat angekündigt, die Gästezahlen zu erhöhen, wenn der Corona-Betrieb gut anläuft. Dann könnten bis zu 532 Menschen pro Schicht kommen.

Keine Warmwasserdusche, kein Sprungturm, kein Volleyball

In den Freibädern in Reichental, Obertsrot und Lautenbach ist der Andrang schon am ersten Wochenende stärker gewesen als in der Kernstadt. „Die sind an ihre Grenzen gekommen”, sagt Heinrich. Er vermutet, dass der normale Kassenverkauf ein Vorteil ist.

Auch das Flair könnte eine Rolle spielen: Heinrich beschreibt das Igelbachbad als einen Ort, an dem Gäste normalerweise gemütlich zusammensitzen. Nun verbreitet das Gelände trotz der einladenden Außenbewirtung, der gepflegten Wiesen und schimmernden Becken ein gewisses Baustellen-Feeling. Sperrbänder, Warnkegel und Schilder bestimmen das Bild.

Attraktionen wie der Sprungturm und das Volleyballfeld sind tabu, die Warmwasserduschen geschlossen, die Bahnen für je 22 schnelle und langsame Schwimmer abgeteilt. Auch wenn Kinder im Wasser Ball spielen dürfen und Aquajogger unterhalb des Sprungturms trainieren können: Normalbetrieb ist das nicht.

Noch nehmen’s die Badegäste mit Humor.
Matthias Heinrich, Betriebsleiter im Igelbachbad

Die Aufgaben des Bademeisters haben sich indes kaum geändert. „Die Betreuung der Badegäste hat nochmal einen anderen Stellenwert.” Damit meint Matthias Heinrich nicht nur den hohen Gesprächsbedarf. Auch die Beckenaufsicht ist mit mehr Hinweisen verbunden: Bitte Abstand halten, bitte den Einbahn-Verkehr beachten, bitte den separaten Ausstieg benutzen.

„Aber noch nehmen’s die Badegäste mit Humor.” Spannend wird es, wenn mehr Besucher kommen und ins Wasser drängen. Dann heißt es auch: Bitte warten.

Ehrenamtliche Helfer entlasten Fachkräfte

Die Aufsicht an den Liegewiesen übernehmen derweil Ehrenämtler. Diese Entlastung findet Heinrich besonders in Bädern wichtig, die nur eine Fachkraft beschäftigen. Er selbst hat einen zweiten Fachmann an seiner Seite, ist aber dennoch froh über die Unterstützung. Der Personalmarkt im Bäderbereich ist schon seit Jahren angespannt.

Das gilt auch für Gernsbach: Wie 2019 ist dort jedes Bad mangels Personal einen Tag lang geschlossen. Die Stadt hat 2020 aber auch keine Stellen ausgeschrieben. Inmitten der Corona-Krise habe das keinen Sinn ergeben, heißt es aus dem Rathaus.

Es ist definitiv etwas umständlicher, aber es ist machbar.
Matthias Heinrich, Betriebsleiter im Igelbachbad

„Es ist definitiv etwas umständlicher, aber es ist machbar”, sagt Heinrich über die Arbeit im Freibad. Hygiene steht stärker im Fokus. Deshalb sind ganztägig Reinigungskräfte vor Ort. Die technischen Vorgaben haben sich nicht geändert. Die Wasserwerte „messen wir ein-, zweimal öfter, als wir müssten”, sagt Heinrich.

Darüber hinaus warten er und sein Kollege technische Anlagen, machen kleine Reparaturen, jäten Unkraut. Und wenn ein Kind sich verletzt, kriegt es sein Pflästerchen und ein süßes „Schmerzmittel“ – freilich mit Handschuhen und Mundschutz.

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