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Schulfusion im Gespräch

Droht Handelslehranstalt Gernsbach wegen sinkender Schülerzahlen Schließung?

Die Zukunft der Handelslehranstalt in Gernsbach steht möglicherweise auf der Kippe. Die Schülerzahlen sind in den vergangenen Jahren eingebrochen. Auch eine Fusion mit der Gaggenauer Carl-Benz-Schule ist im Gespräch. Eine Elternvertreterin setzt sich mit einer Online-Petition für den Erhalt der HLA ein.

Sinkende Schülerzahlen: Die Zukunft der HLA Gernsbach steht möglicherweise auf der Kippe. Foto: Reinhold Bauer

Die Schülerzahlen an der Handelslehranstalt (HLA) in Gernsbach sinken. Am 29. September berät der Rastatter Schulausschuss deshalb über die Zukunft der Bildungseinrichtung. Ob die HLA geschlossen wird, ist derzeit noch offen. Auch eine Fusion mit der Carl-Benz-Schule in Gaggenau ist im Gespräch. Eine Elternvertreterin setzt sich mit einer Online-Petition für den Erhalt der HLA ein.

Die Zahlen sind deutlich. Nach Angaben des Landratsamtes Rastatt besuchten im Schuljahr 2014/15 noch 471 Schüler die Handeslehranstalt. Im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 372.

Rückläufige Schülerzahlen

„Die Schülerzahlen sind enorm rückläufig“, sagt Pressesprecherin Gisela Merklinger. „Das lässt sich nicht nur mit dem demografischen Wandel erklären, da steckt mehr dahinter.“

Der Kreis müsse sich daher Gedanken um die Zukunft der Schule machen. Das werde nach der Sommerpause geschehen, kündigt Merklinger an. Es stünden verschiedene Vorschläge im Raum, unter anderem eine Fusion mit der Gaggenauer Carl-Benz-Schule.

Der Landrat will alle an der HLA angebotenen Schularten erhalten.
Gisela Merklinger, Pressesprecherin des Landkreises Rastatt

„Der Landrat will alle an der HLA angebotenen Schularten erhalten“, betont Merklinger. Ob der Standort derselbe bleibt, ist dagegen noch unklar. „Wir müssen die Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr abwarten“, sagt Merklinger. Sie lägen bislang noch nicht vor.

Bereits 2012/13 stand die Zukunft der HLA wegen sinkender Schülerzahlen auf der Kippe. Damals wurde sie um die Wirtschaftsoberschule ergänzt, was den Standort Gernsbach zunächst stärkte – allerdings nur kurzfristig.

Kreis investiert in Gebäude

Der Landkreis investiert aktuell größere Summen in das Gebäude. Für 270.000 Euro wurde ein neuer Aufzug eingebaut. Die Beleuchtung wird erneuert, das EDV-System erweitert.

Außerdem soll die Barrierefreiheit am Eingang und den Toiletten hergestellt werden. Arbeiten, die laut Merklinger wegen der Corona-Pandemie noch nicht ausgeführt wurden.

Irene Feilhauer, Pressesprecherin im Karlsruher Regierungspräsidium (RP), bestätigt interne Gespräche zwischen RP, Schulträger und der HLA-Leitung. Dabei handele es sich um einen Routine-Austausch. Weitere Angaben dazu macht das RP nicht.

Allerdings dementierte Feilhauer Medienberichte, wonach die Karlsruher Behörde dem Schulträger eine Empfehlung zur weiteren Verfahrensweise aussprechen werde.

Stadt will HLA erhalten

Für Gernsbachs Bürgermeister Julian Christ steht fest: Die HLA muss erhalten bleiben. „Sie ist sehr gut und zukunftsorientiert aufgestellt“, betont der Rathauschef auf BNN-Anfrage.

Für mich ist ganz klar, dass die HLA an unserem Bildungsstandort in Gernsbach erhalten bleiben muss.
Julian Christ, Bürgermeister der Stadt Gernsbach

„Das hervorragende pädagogische Konzept prägt und stärkt die Schüler nachhaltig.“ Sie würden durch ihre Ausbildung zu selbstständigen und innovativen Menschen. Christ: „Daher ist für mich ganz klar, dass die HLA an unserem Bildungsstandort in Gernsbach erhalten bleiben muss.“

Die Stadt Gernsbach werde „alles daran setzen, dass die HLA mit ihrem pädagogischen Konzept und Erfolg überzeugen kann und nicht geschlossen werden muss.“

Elternvertreterin startet Online-Petition

Sandra Riedinger-Huck hat von den Gerüchten über eine mögliche Schulschließung im Urlaub erfahren. „Ich war darüber sehr erschrocken“, sagt die engagierte Elternvertreterin. Mittlerweile hat sie eine Online-Petition für den Erhalt der HLA gestartet, an der sich mehr als 200 Menschen beteiligt haben.

Gemeinsam mit ehemaligen Schülern plant sie zudem ein Imagevideo über die Schule für Instagram. „Ich hoffe, dass die HLA erhalten bleibt“, sagt Riedinger-Huck, „es geht schließlich um Kinder, um unsere Zukunft.“

Nach ihrer Beobachtung unterliegen die Schülerzahlen einer ständigen, wellenförmigen Bewegung. Sie rechnet deshalb damit, dass sie sich bald wieder erholen: „Nach der Ebbe kommt die Flut.“

Man dürfe den ländlichen Raum nicht weiter schwächen, fordert Riedinger Huck und verweist auf geschlossene Krankenhäuser, Geburtenstationen und Kaufhäuser. Die HLA biete Familien mit Kindern eine Zukunftsperspektive, was der Bevölkerungsentwicklung der Stadt Gernsbach zugute komme.

Auch profitierten die umliegenden Geschäfte von der Kaufkraft der Schüler. Riedinger-Huck sieht für die HLA zudem eine vielversprechende Möglichkeit: „Sie könnte durch ihre überschaubare Größe zum Pilotprojekt für die Digitalisierung im Schulwesen dienen.“



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