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Gernsbacher Experten klären auf

Fichten, Eidechsen, Schmetterlinge: Das sind die Gewinner und Verlierer der Sommerhitze

Ein Moos übersteht die Hitze im „Trockenschlaf”, vertrocknete Bäume werden von Käfern geliebt. Trockenheit und Hitze setzen der Natur zu - es gibt aber auch Profiteure.

Mag es warm: Die Mauereidechse. Foto: Sina Schuldt picture alliance/dpa

Von Susanne Dürr

Dachgeschossbewohner kennen das Problem: tropische Sommertage, in denen sich die Wohnung in einen Gluthölle verwandelt und durchwachte Nächte den Organismus belasten. Nicht minder leiden Tiere, wie etwa Fledermäuse, wenn ihre angestammten Wochenstuben unterm Dachgebälk überhitzen, die sie als Sommerquartier zur Geburt und Aufzucht ihrer Jungen aufsuchen.

Vor etwa vier Wochen packten die Wimpernfledermäuse in der Gernsbacher Klingelkapelle ihren flugunfähigen Nachwuchs auf der Flucht vor der tödlichen Hitzefalle im Dachstuhl und bezogen als Ausweichquartier das Innere der Kapelle. „Dies war ein kräftezehrendes Unterfangen für die kleinen Säuger“, erklärt Naturschützer Stefan Eisenbarth im BNN-Gespräch. Doch nicht immer findet sich eine Ausweichmöglichkeit oder die Jungtiere stürzen beim Umzug ab. Hitzeperiode, Stürme und Überschwemmungen als Folge des Klimawandels werden mit den Jahren nicht ohne Folgen für die Flora und Fauna in unserer Region bleiben, darüber sind sich Naturschützer Stefan Eisenbarth und Naturexperte Charly Ebel vom Fachbereich Besucherinformation im Nationalpark Schwarzwald einig.

Inwieweit es Gewinner und Verlierer geben wird, hängt nicht zuletzt von der Anpassungsfähigkeit und Mobilität der Lebewesen ab und da haben Bäume schlechte Karten. Gegenüber der Tanne mit einer Pfahlwurzel, die bis zu drei Metern ins Erdreich vordringen kann, verdursten Fichten als Flachwurzler deutlich schneller, so Ebel. Angezogen vom geschwächten Geruch der kränkelnden Fichten profitieren ihrerseits Insekten, wie der Buchdrücker, von der Brutstätte.

Auch bei Insekten und Spinnen macht sich der Klimawandel bemerkbar. Insekten und Spinnen, wie zum Beispiel die Wespenspinne und die Europäische Gottesanbeterin, sind zwischenzeitlich in Gernsbach angekommen, so Stefan Eisenbarth, der Schmetterlingsarten wie den „Großen Fuchs“ oder den „Admiral“ ebenso zu den Gewinnern des Klimawandels zählt, wie die Mauereidechsen. Da die kleinen Reptilien ähnliche Habitate wie die Zauneidechsen beanspruchen, „wäre es möglich, dass hier der Bestand zurückgeht“, mutmaßt der Naturschützer.

Sommerhitze: Vor etwa vier Wochen packten die Wimpernfledermäuse in der Gernsbacher Klingelkapelle ihren flugunfähigen Nachwuchs auf der Flucht vor der tödlichen Hitzefalle im Dachstuhl und bezogen als Ausweichquartier das Innere der Kapelle. Foto: Stefan Eisenbarth

Unter den Moosen gibt es Arten wie etwa das Felsmoos, das sich einfach in einen „Trockenschlaf“ fallen lassen kann und lange völlig ausgetrocknet bis zum nächsten Regen überdauern kann, samt den darin lebenden Kleinlebewesen. Ebenso können Pilze mit ihrem unterirdischen, weitverzweigten Wurzelgeflecht lange der Trockenheit trotzen, dann allerdings stellen die Fadenwesen ihr Wachstum ein und bilden keine Fruchtkörper aus, weiß Charly Ebel.

Amphibien trifft der Klimawandel hart

Amphibien zählen für Eisenbarth zu den Verlierern des Klimawandels, ausgetrocknete Laichgewässer dezimieren hier den Nachwuchs. Besonders betroffen hiervon ist die Gelbbauchunke, die ausschließlich temporäre Gewässer wie Pfützen, die durch Fahrspuren entstanden sind, zur Fortpflanzung und Laichablage aufsucht, da diese keine angestammten Fressfeinde haben.

Die regionale Zusammensetzung der heimischen Vogelarten wird sich laut Expertenmeinung weiter verändern. Wärmeliebende Neuzugänge, wie der Bienenfresser, der Alpensegler oder der Orpheusspötter sind bereits angekommen. Hier sieht Eisenbarth einen Nachteil für Zugvogelarten und Langstreckenzieher, wie die Nachtigall, die nach ihrer Rückkehr im Frühjahr oft nur noch besetzte Brutgebiete vorfinden und zudem mit einem reduzierten Nahrungsangebot vorlieb nehmen müssen, da sich viele Insekten bereits früher entwickeln.

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