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Gerüchte über Schließung

Stadt und Gemeinderäte fordern in offenem Brief den Erhalt der Handelslehranstalt Gernsbach

Die Stadt Gernsbach und große Teile des Gemeinderats machen sich in einem offenen Brief an das Regierungspräsidium Karlsruhe für den Erhalt der HLA Gernsbach stark. Die Zukunft der Schule gilt wegen sinkender Schülerzahlen als ungewiss.

Die Handelslehranstalt in Gernsbach besuchten zuletzt 372 Schüler. Im Schuljar 2014/15 waren es noch 471. Foto: Reinhold Bauer

Die Stadt Gernsbach und große Teile des Gemeinderats setzen sich in einem offenen Brief an Regierungspräsidentin Sylvia Felder für den Erhalt der Handeslehranstalt (HLA) Gernsbach ein. Zuletzt waren Gerüchte aufgekommen, wonach die Bildungseinrichtung wegen sinkender Schülerzahlen geschlossen werden könnte . Dagegen hatte sich Widerstand von Eltern und Kommunalpolitikern geregt.

„Die HLA Gernsbach ist grundsätzlich sehr gut und zukunftsorientiert aufgestellt”, betont Bürgermeister Julian Christ in dem Schreiben an das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe.

Rückgang der Schülerzahlen wegen demographischer Delle?

Nach Angaben des Landratsamtes Rastatt besuchten im Schuljahr 2014/15 noch 471 Schüler die Handeslehranstalt. Im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 372.

Diese Entwicklung führt Christ in dem offenen Brief auf eine „allgemeine demografische Delle” zurück. Gisela Merklinger, Pressesprecherin des Landkreises Rastatt, hatte dagegen gegenüber den BNN gesagt, ein derartiger Rückgang könne nicht nur mit der demografischen Entwicklung begründet werden.

Sinkende Schülerzahlen: Die Zukunft der HLA Gernsbach steht möglicherweise auf der Kippe. Foto: Reinhold Bauer

Das Schreiben der Stadt Gernsbach ist von den Fraktionen der Freien Bürger, SPD, von Bündnis 90/Die Grünen und der AfD-Gruppierung im Gemeinderat unterzeichnet.

Darin würdigt Christ die „überaus engagierte Lehrerschaft” und das „hervorragende pädagogische Konzept” der HLA Gernsbach. Es präge die Schüler nachhaltig und mache sie zu „selbstständigen und innovativen Mitgliedern unserer Gesellschaft.”

Hohe Investitionen in die HLA

Darüber hinaus habe die HLA mit der erfolgreichen Teilnahme an Wettbewerben überregional Aufmerksamkeit auf sich gezogen. „Daher ist es für uns ganz klar, dass die HLA an unserem Bildungsstandort Gernsbach erhalten bleiben muss”, betonten Christ und die Gemeinderäte.

Zudem habe der Landkreis Rastatt in den vergangenen Jahren rund zwei Millionen Euro in die HLA Gernsbach investiert. „Umso schwerer ist es für uns, nachzuvollziehen, dass diese Bemühungen womöglich nicht weiterverfolgt werden und eine Schließung der HLA als Option angesehen wird”, heißt es in dem Brief.

Die HLA hat eine Strahlkraft, die weit über die Grenzen Gernsbachs hinausgeht.
Julian Christ, Bürgermeister der Stadt Gernsbach

Anfang August war bekannt geworden, dass der Schulausschuss des Kreises nach der Sommerpause über die Zukunft der Handelslehranstalt beraten wird. Die Unterzeichner des Schreibens machen sich nun für den Erhalt der Bildungseinrichtung stark.

Sie schlagen „Kooperationen oder weitere Scherpunktsetzungen” vor, um den Standort zu sichern. „Die HLA hat eine Strahlkraft, die weit über die Grenzen Gernsbachs hinausgeht”, betonen sie. Die Schule sei „von struktureller Bedeutung für das gesamte Murgtal.”

CDU unterzeichnet Brief nicht

Die CDU-Fraktion hat den offenen Brief nicht unterzeichnet. „Wir halten dieses Vorgehen für kontraproduktiv”, erklärt Sprecherin Frauke Jung. „Es trägt nichts dazu bei, dass die Schülerzahlen wieder steigen.”

Man sollte das Problem nicht über die Öffentlichkeit lösen.
Frauke Jung, Vorsitzende der CDU-Fraktion im Gernsbacher Gemeinderat

Die Schule befinde sich nicht in städtischer Trägerschaft. Ihr Erhalt sei daher „nicht die kommunalpolitische Aufgabe des Gemeinderats”, so Jung: „Diese Entscheidung obliegt dem Landratsamt und dem Regierungspräsidium.”

Zwar wünsche sich auch die CDU-Fraktion eine Zukunft für die Gernsbacher HLA, schließlich würde dort eine gute Arbeit geleistet. „Man sollte das Problem allerdings nicht über die Öffentlichkeit lösen, sondern im direkten Gespräch mit den Verantwortlichen”, betont Jung.

Für das Gebäude sieht sie auch bei einer Schulschließung eine vielversprechende Perspektive: „Es würde dann für die Stadt interessant werden”, sagt Jung. Zum Beispiel als Standort für ein neues Rathaus, eine Kita oder wegen seiner Parkplätze in Altstadt-Nähe. „Wir sollten für alles offen bleiben.”

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