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Informationstafeln geplant

Gernsbacher Gemeinderat stimmt für den Erhalt des Kriegerdenkmals

Einhellig beschloss der Gernsbacher Gemeinderat, das Kriegerdenkmal auf dem Rumpelstein als Ganzes vorbehaltlich eventuell nötiger Maßnahmen für die statische Sicherung in seinem gegenwärtigen Zustand als Mahnmal und Lernort auf Dauer zu erhalten. Eine Reparatur des beschädigten Helms ist nicht ausgeschlossen.

Das Denkmal als Erinnerungsort wieder zum „Sprechen“ bringen sollen acht Informationstafeln mit QR-Code, die den historischen Kontext des Erinnerungsortes vom Ersten Weltkrieg bis zur Neuzeit aufarbeiten. Foto: Susanne Dürr

Das Kriegerdenkmal auf dem Rumpelstein in Gernsbach ist nachwachsenden Generationen fremd geworden. Als Denkmal und Erinnerungsstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichteten die Nazis 1936 hier weit sichtbar von der Stadtbrücke ein „Ehrenmal“ als Ausdruck eines Gefallenen- und Heldenkultes.

Im Umgang mit einer verantwortungsvollen Aufarbeitung der menschenverachtenden und kriegsverherrlichenden Ideologie im Dritten Reich bestimmte der Gemeinderat am 30. September Eckpunkte zum Erhalt des Denkmals.

Das hier erklärte Ziel lautet, das unter Denkmalschutz stehende Monument als „Mahnmal und Lernort“ des unheilvollen Naziregimes zu erhalten und einen würdigen alternativen Ort zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt zu schaffen. Nun lagen dem Gemeinderat die ausgearbeiteten Empfehlungen des Arbeitskreises „Kriegerdenkmal“ vor.

1953 angebrachter Helm soll wieder lesbar gemacht werden

Dieser hatte sich im Zuge einer Bürgerinformationsveranstaltung Ende 2020, bestehend aus zwölf Bürgern unter der gemeinsamen Leitung von Melanie Mußler, Sachgebietsleiterin Kultur und Tourismus, und Stadtarchivar Wolfgang Froese gegründet.

Einhellig stimmte der Gemeinderat hierbei vier Punkten der Beschlussvorlage zu. Dazu gehört, das Denkmal als Ganzes vorbehaltlich eventuell nötiger Maßnahmen für die statische Sicherung in seinem gegenwärtigen Zustand als Mahnmal und Lernort auf Dauer zu erhalten.

Hierbei solle eine Reparatur des beschädigten Helms nicht ausgeschlossen werden, so Froese, der darauf hinwies, dass die diesbezügliche Entscheidung in Abhängigkeit von der noch ausstehenden Expertise des Landesdenkmalamts getroffen werden soll. Das 1953 angebrachte Mosaik mit dem Namen der Toten soll gereinigt und damit wieder lesbar gemacht werden.

Das Denkmal als Erinnerungsort wieder zum „Sprechen“ bringen sollen acht Informationstafeln mit QR-Code, die den historischen Kontext des Erinnerungsortes vom Ersten Weltkrieg bis zur Neuzeit aufarbeiten. Die hierfür veranschlagten Kosten wurden mit 4.500 Euro beziffert.

Begriff „Ehrenmal“ wird durch die Bezeichnung „Denkmal am Rumpelstein“ ersetzt

Das Stadtarchiv wird beauftragt, das Denkmal als Zeugnis der NS-Ideologie und für den Umgang mit der NS-Zeit in seine historische Bildungsarbeit, etwa durch regelmäßige Führungen oder speziell zu erstellende Unterrichtsmodule für die Schulen in seine historische Bildungsarbeit mit einzubeziehen.

Ferner ist nun beschlossene Sache, dass die Stadt den Begriff „Ehrenmal“ durch die nun offizielle Bezeichnung „Denkmal am Rumpelstein“ ersetzt.

Der Vorschlag, eine neue künstlerische Gedenkstätte mit einem Kostenrahmen von bis zu 20.000 Euro in der Nähe des Denkmals am Rumpelstein zum Gedenken an alle Kriegs- und Gewaltopfer zu errichten, wie etwa behinderten Menschen, Juden oder Zwangsarbeitern, die bisher bewusst ausgeblendet wurden, scheiterte knapp.

Freien Bürger stellten den Antrag, auf das zusätzliche Denkmal zu verzichten

Im Vorfeld der Diskussion hatten die Freien Bürger den Antrag gestellt, auf das zusätzliche Denkmal zu verzichten, der von 13 Stimmen aus den Reihen der Christdemokraten und Freien Bürger bei 12 Gegenstimmen aus den Reihen der SPD und Grünen und zwei Enthaltungen unterstützt wurde. „Der Tod unterscheidet nicht zwischen den Opfern“, argumentierte Alexander Hoff (FBVG).

Stimmen aus den Reihen der Grünen und Sozialdemokraten hatten dafür plädiert, „aus Respekt vor den Opfern, diesen einen eigenen Platz, weg vom martialischen, monströsen Bau“ einzuräumen“, so Birgit Gerhard-Hentschel (Grüne). Der von Bürgermeister Julian Christ als Brückenschlag gedachte Vorschlag, erst mal Vorschläge zur Gestaltung der zusätzlichen Gedenkstätte einzuholen, vorzustellen und dann zu entscheiden, wurde in der Diskussion nicht berücksichtigt.

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