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Erinnerung an früheres Gotteshaus

Gernsbacher „Synagogenweg“ soll jüdische Vergangenheit der Stadt ins Bewusstsein der Menschen rücken

Der Fuß- und Radweg zwischen der Gernsbacher Austraße und dem Blumenweg hatte lange Zeit keinen Namen. Seit Mittwoch heißt er nun offiziell „Synagogenweg“. Damit soll an ein dunkles Kapitel in der Gernsbacher Geschichte erinnert werden.

Bürgermeister Julian Christ und Regina Meier vom Arbeitskreis Stadtgeschichte bei der Einweihung des neuen Straßenschildes Foto: Stadt Gernsbach

Der bislang namenlose Fuß- und Radweg zwischen Austraße und Blumenweg trägt jetzt den Namen „Synagogenweg“. Am Mittwochvormittag weihte Bürgermeister Julian Christ das Straßenschild im Beisein von Regina Meier als Vertreterin des Arbeitskreises für Stadtgeschichte ein. Der Arbeitskreis hatte die Namensgebung angeregt.

Seit Juli 1928 stand in der Austraße 3 die Gernsbacher Synagoge. Die feierliche Einweihung des von dem renommierten Karlsruher Architekten Richard Fuchs entworfenen Gotteshauses fand seinerzeit unter Teilnahme von Vertretern der politischen Gemeinde sowie der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinden statt.

Gernsbacher Synagoge wurde 1938 zerstört

Doch keine fünf Jahre später begann in der Zeit des NS-Regimes auch in Gernsbach die systematische Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung der Menschen jüdischen Glaubens. Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge von Nazi-Schergen geschändet, angezündet und zerstört.

Der Arbeitskreis für Stadtgeschichte beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem jüdischen Leben in Gernsbach, das im Oktober 1940 mit der Deportation der letzten neun Juden nach Gurs sein Ende fand. Neben vielen anderen Aktionen zur lokalen jüdischen Geschichte veranstaltete der Arbeitskreis 2018 eine Ausstellung zur Gernsbacher Synagoge, an die seit 1985 ein Gedenkstein erinnert.

„Im Rahmen der Ausstellung wurde uns bewusst, dass vielen Menschen aus der Region nichts von der Existenz einer Synagoge in Gernsbach bekannt war. Dieses Bewusstsein zu stärken und die Vergangenheit der jüdischen Gemeinde Gernsbachs vermehrt ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, ist uns ein wichtiges Anliegen“, begründete Regina Meier vom Arbeitskreis Stadtgeschichte den an die Stadt Gernsbach gerichteten Antrag, dem Fuß- und Fahrradweg zwischen Austraße und Blumenweg den Namen ‚Synagogenweg‘ zu geben.

Verbindungsweg hat keine direkten Anwohner

Die Stadt Gernsbach stand dem Antrag von Anfang an wohlwollend gegenüber. Nach Prüfung der rechtlichen und verwaltungstechnischen Aspekte gab das Rathaus grünes Licht, zumal der Verbindungsweg keine direkten Anwohner hat und somit keine Adressänderungen mit der Umbenennung einhergehen.

„Gerne unterstützen wir das Ansinnen des Arbeitskreises Stadtgeschichte zur Namensgebung ‚Synagogenweg‘ für den bisher namenlosen Fuß- und Fahrradweg. Mein Dank gilt hier den Aktiven des Arbeitskreises für ihren Einsatz. Gemeinsam mit ihnen setzen wir als Stadt damit ein weiteres Zeichen des Erinnerns und der Verbundenheit mit unseren ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in Gernsbach“, betont Bürgermeister Julian Christ.

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