Skip to main content

Ungewöhnliches Hobby

Gernsbacherin fährt gegen 33 Männer Motorradrennen

„Kaffeefahrten“ auf dem Motorrad sind für Franziska Dehn keine Option. Die 32-Jährige aus Scheuern hat ein ungewöhnliches Hobby. Mit ihrer Yamaha R6 fährt die TV-Planerin bei einer Agentur in Baden-Baden in ihrer Freizeit Motorradrennen. 

Franziska Dehn mit ihrer Yamaha R6 auf der Rennstrecke Foto: Michael Schmieder

Von Susanne Dürr

Dieses Wochenende beendete die ambitionierte Bikerin ihre erste Rennsaison bei den internationalen German-Moto-Masters mit insgesamt sechs Rennwochenenden, auf Strecken in Deutschland, Tschechien und der Slowakei mit dem Saisonfinale in Oschersleben (Sachsen-Anhalt).

Wie sind Sie zum Motorradrennsport gekommen?
Franziska Dehn

Im Jahr 2011 habe ich zusammen mit meinem Papa den Motorradführerschein gemacht und mich dann auf den Straßen im Schwarzwald in die Kurven gelegt. Die Begeisterung für Motorradrennen hat mein damaliger Freund in mir geweckt, den ich zu seinen Motorradrennen begleitet habe. Meine Eltern haben mir 2015 ein Einsteigertraining für die Motorsport Arena spendiert und so wechselte ich von der Straße auf die Rennstrecke. Seither bin ich dran geblieben, meine Maschine, die bei einer Werkstatt in Bühl steht, ist eh nicht mehr straßentauglich, da alle Teile, die bei einem Rennen abfliegen können, abgebaut sind. Letztes Jahr habe ich dann, motiviert durch meine guten Rundenzeiten im Slovakiaring beschlossen, eine volle Rennsaison durchzustarten.

Wie bereiten sie sich auf ein Rennen vor ?
Franziska Dehn

Zur Entschleunigung mache ich Autogenes Training, gehe reiten und fahre gemütlich mit dem Mountain Bike den Merkur hoch. Bei meinen regelmäßigen Joggingeinheiten hingegen laufe ich auf Zeit. Natürlich achte ich auf eine gesunde Ernährung und mein Gewicht. Vor einem Rennen studiere ich per Video genau den Steckenverlauf. Meine Lieblingsstrecke ist der Slovakiaring mit seiner Langstrecke, auf der ich mit Topspeed von 260 km/h den sechsten Gang voll ausfahren kann. Bevor das Rennen losgeht, gibt es Trainingsläufe und die Qualifying zur Ermittlung der Startaufstellung.

Im Motorradrennsport sind Frauen eine Seltenheit, haben sie Nachteile in der Männerdomäne?
Franziska Dehn

In meiner 600 ccm Klasse bei den German-Moto-Masters sind 35 Fahrer am Start. Außer mit fährt noch eine Schwäbin aus Ulm mit. Im Fahrerfeld sind wir komplett gleichgestellt, im Motorradrennsport gibt es keine Geschlechtertrennung. An eine Männerüberzahl habe ich mich schon durch meine sechs Jahre bei den Feldjägern gewöhnt. Der Ton hier ist kumpelhaft, man kennt sich zwischenzeitlich. Ich fühle mich respektiert und anerkannt. Klar, kann ich die Basics an meiner Maschine selber schrauben, doch bei größeren Problemen bekomme ich auch Unterstützung von den Mechanikern und Fahrern vor Ort.

Damit ist ja schon fast die Frage beantwortet, wie ihre Umwelt auf ihre Liebe zur Rennstrecke reagiert.
Franziska Dehn

Ja, ich erlebe eine große Unterstützung aus meinem privaten Umfeld für meine Rennleidenschaft. Wenn etwa meine Eltern oder Freunde nicht live bei den Rennwochenenden dabei sein können, schauen sie sich die Videoübertragung im Internet an und geben mir dabei das Gefühl, mit dabei zu sein. Die meisten finden es echt cool, auch wenn sie selber tausend Tode sterben würden.

Haben schon sie sich schon mal verletzt ?
Franziska Dehn

Ja, beim Regenrennen in Most, ist mir bei 140 km/h das Hinterrad in einer Kurve weggerutscht und ich habe mich mehrfach überschlagen. Die Folgen waren ein gebrochener kleiner Finger, Prellungen und eine Gehirnerschütterung. Allerdings sah das Motorrad schlimmer aus als ich. Das hält mich jedoch nicht davon ab das letzte Rennen noch mitzufahren, auch wenn Regen angesagt ist. Gern würde mich zur die Rennsaison 2021 anmelden, auch wenn das zeitintensive Hobby ganz schön ins Geld geht und ich gerade noch auf Sponsorensuche bin.

nach oben Zurück zum Seitenanfang