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Mehr Mneschen als in den Vorjahre

Große Beteiligung an Gedenkfeier für die deportierten Gernsbacher Juden

Alljährlich findet auf dem Salmenplatz die Gedenkfeier für deportierte und ermordete jüdische Mitbürger statt. Zum Gedenken kamen mehr Menschen als noch in den Vorjahren.

31 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger von Gernsbach fanden in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten den Tod. Am Sonntag gedachte eine große Anzahl an Menschen den Opfern des Holocaust.
31 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger von Gernsbach fanden in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten den Tod. Am Sonntag gedachte eine große Anzahl an Menschen der Opfer des Holocaust. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Die in Gernsbach 1925 geborene Eva Stern war 15 Jahre alt, als das Grauen auf sie wartete. Im gleichen Alter wie die Schüler der Realschule Gernsbach heute. Sie holten am Sonntag die 1941 in Riga verstorbene Jugendliche mit einem fiktiven Briefwechsel aus dem Vergessen in ihre Mitte.

Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern des Albert-Schweitzer-Gymnasiums erinnerten sie an die letzten in Gernsbach verbliebenen Juden, deportiert am 22. Oktober 1940 nach Gurs, ein Konzentrationslager in den französischen Pyrenäen. Für die meisten von ihnen bedeutete dies den sicheren Tod. Jüdisches Leben fand mit diesem barbarischen Akt in Gernsbach sein Ende.

Der Arbeitskreis Stadtgeschichte lädt alljährlich am Jahrestag der Deportation zum Gedenken auf den Salmenplatz ein. Anne Dresel umrahmte die Feier auf ihrem Waldhorn musikalisch. Mehr Menschen als noch in den Vorjahren begleiteten dieses Mal das Gedenken. Eine mitgebrachte israelische Flagge wehte im Wind. Gedenkfeier, Fahne sowie die Anzahl der Gekommenen ist auch als Verurteilung des brutalen Terrorüberfalls der Hamas auf den Staat Israel zu betrachten. Wegschauen, Hinschauen, Vergangenheit und Gegenwart.

31 Bürger der Stadt Gernsbach wurden Opfer der Nationalsozialisten

Für die Schülerinnen und Schüler der beiden weiterführenden Schulen war es kein leichtes, sich mit Judenhass und Antisemitismus auseinanderzusetzen. Sie befassten sich mit den nationalsozialistischen Mördern, ebenso Thema war das Erstarken rechten Gedankenguts, verbunden mit den bekannten Ressentiments.

Die Gymnasiasten fragten nach dem Warum? Warum mussten so viele Mitbürger sterben und warum beteiligten sich viele Deutsche an dem Massenmord? Die Betroffenheit war den Jugendlichen anzusehen, darüber, dass in ihrer Heimatstadt solche Grausamkeiten begangen wurden und die meisten Menschen dazu schwiegen. Ihr Appell: Geschichte dürfe sich nicht wiederholen. Werde aus der Vergangenheit nichts gelernt, wird sie sich wiederholen.

31 Bürger der Stadt wurden Opfer der Nationalsozialisten. Impulse verlas Lisa Schwelle. Wissenswertes zu den deportierten Gernsbacher Juden wurde vom Arbeitskreis Stadtgeschichte Regina Meier zusammengefasst. In den Mittelpunkt rückte sie die Gedenkstätte Yad Vashem.

Die Namen der Ermordeten verlas der stellvertretende Bürgermeister Michael Chemelli: Hilda Dreyfuß, Arthur, Erna, Liselotte und Margit Kahn, .......... Bertha Marx und Hermann Nachmann. Chemelli dankte zudem den Initiatoren und den Jugendlichen für ihre Gedanken und Ausführungen. „Sie zeigen damit, dass sie bewusst durchs Leben gehen, sehr genau hinsehen, wenn es um Ungerechtigkeit geht. Das gibt Hoffnung für die Zukunft.“ Chemelli erweiterte die Namensnennungen zudem um die jüngsten Opfer von Antisemitismus und Hetze. Für jeden genannten Namen wurde eine Kerze angezündet und zu den Gedenksteinen am Nepomukplatz getragen. Ein Gebet sprach ein Vertreter der Jüdischen Gemeinde Baden-Baden.

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