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Wut-Kommentare auf Facebook

30 Euro mehr Hundesteuer: Tierbesitzer in Gernsbach sprechen von „absoluter Frechheit“

Die Erhöhung der Hundesteuer in Gernsbach löst große Diskussionen aus. Statt der ursprünglichen 90 Euro pro Jahr kostet ein Hund jetzt 120 Euro. Hundebesitzer Daniel Bogos wirft der Stadt Gernsbach „jahrelange Misswirtschaft“ vor.

Besonders betroffen: Menschen mit mehreren Hunden zahlen in Gernsbach pro weiterem Hund den doppelten Betrag wie beim vorherigen. Der erste kostet 120 Euro jährlich, der zweite bereits 240 Euro. Foto: Gareth Fuller/dpa

„Dann kann ich ja jetzt die Hundescheiße liegen lassen, oder?“ Das ist einer von zahlreichen Kommentaren auf Facebook, mit denen Hundebesitzer aus Gernsbach die Erhöhung der Hundesteuer von 90 auf 120 Euro kritisieren.

Die Nutzer der sozialen Plattform bezeichneten die Anhebung unter anderem als „Schweinerei“, „krank“, „nicht gerechtfertigt“ und „absolute Frechheit“.

Sie machten auch darauf aufmerksam, dass die Hundesteuer in Gaggenau nur bei 75 Euro liegt und in Baden-Baden mit 110 Euro auch niedriger als in Gernsbach ist.

Ärger der Hundehalter entlädt sich auf Facebook

Einige Hundebesitzer richteten ihren Unmut direkt an Bürgermeister Julian Christ. Ein Nutzer schreibt etwa: „Dafür sollte man die Kackbeutel dem Christ bringen“.

Christ sagt auf BNN-Nachfrage: „Ich bedaure solche persönlichen Angriffe. Ich kann nur an alle appellieren, sich an die Grundregeln des Anstands zu halten.“

Der Rathauschef erklärte auf Facebook, dass die höhere Hundesteuer einen Beitrag dazu leiste, Kosten in der Infrastruktur wie bei den Schulen, Bädern und Kindergärten auszugleichen.

Dass es gleich 30 Euro mehr kostet, ist extrem dreist.
Daniel Bogos, Hundebesitzer aus Gernsbach

Hundebesitzer Daniel Bogos aus dem Stadtteil Hilpertsau hatte den Stein ins Rollen gebracht. Sein Beitrag „Hundesteuer in Gernsbach um 30 Prozent erhöht. Wird das Pfleiderer-Areal zu teuer?“ traf auf viel Zustimmung bei den Facebook-Nutzern. Er sagt auf BNN-Nachfrage: „In Gernsbach wird seit Jahren Misswirtschaft getrieben. Da ist irgendwo was falsch gelaufen.“

Mit der Erhöhung der Hundesteuer wolle die Stadt nun Fehlplanungen kompensieren. „Dass es gleich 30 Euro mehr kostet, ist extrem dreist“, sagt Bogos.

Bei zehn Euro mehr hätte niemand gejammert, ist er sich sicher. Die schlagartige Erhöhung um 30 Prozent sei aber gerade in der aktuellen Krisenzeit unannehmbar.

Aufgrund der Corona-Pandemie hätten viele Menschen geringere Einnahmen und finanzielle Probleme. Vor allem älteren Tier-Liebhabern mangele es oft an Geld. Diese seien zum Teil sehr auf ihren Hund angewiesen, weil sie sonst einsam wären.

„Hunde sind Familienmitglieder und gehören dazu“, sagt Bogos. Zu seiner Familie gehörten früher zwei Hunde – bis einer starb. Bogos spielte immer wieder mit dem Gedanken, sich wieder einen zweiten Vierbeiner anzuschaffen.

Das liegt jetzt auf Eis. Schließlich kostet jeder weitere Hund doppelt so viel wie der vorherige.

Erhöhung trifft besonders Menschen mit mehreren Hunden

Marc Siebert aus Gernsbach besitzt zwei Vierbeiner. Die Anhebung der Hundesteuer spürt er deshalb besonders stark. Zahlte er im vergangenen Jahr noch 270 Euro für beide Tiere, muss er 2021 insgesamt 360 Euro in die Hand nehmen. „Das ist eine zusätzliche hohe Belastung, da die Grundsteuer sowie Wasser-, und Müllgebühren ebenfalls erhöht wurden“, sagt Siebert.

Die allgemein steigenden Steuern kritisieren auch andere Facebook-Nutzer. Sie argumentieren in unterschiedliche Richtungen, fordern aus Gerechtigkeit eine Katzen- und Pferdesteuer und sehen die Hunde im Tierheim gefährdet. „Damit noch mehr Hunde im Tierheim bleiben, weil es immer teurer wird, einen zu halten.“

Stadt Gernsbach will Verschmutzung durch Hunde eindämmen

Vonseiten der Stadt Gernsbach heißt es auf BNN-Nachfrage, dass die Hundesteuer einen Lenkungszweck habe. Sie solle dazu beitragen, Beeinträchtigungen der Allgemeinheit wie die Verschmutzung von Gehwegen, Parkanlagen und Spielplätzen nicht ausufern zu lassen. Die Verantwortlichen der Stadt verweisen auch darauf, dass durch die Steuererhöhung zusätzliche Einnahmen von 26.000 Euro entstehen.

Das Geld sei notwendig, um die kommunalen Aufgaben zu erfüllen. Die Stadt Gernsbach sei grundsätzlich verpflichtet, alle Abgaben dafür auszuschöpfen. Dafür habe man nahezu alle Möglichkeiten zur Erhöhung im Bereich der Steuern und Gebühren genutzt, heißt es vonseiten der Stadt.

Auch in den Nachbarkommunen Baden-Baden, Loffenau und Weisenbach übersteige die Hundesteuer den Betrag von 100 Euro jährlich. „Warum Gaggenau hier bislang einen anderen Weg geht, können wir nicht kommentieren.“

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